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Sonntag, 5 April 2020
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Ihre deutsche und ihre chilenische Seite

Macarena Gallardo Popp, Unternehmenskommunikation- und Marketingleiterin bei der AHK Chile

Macarena Gallardo
Macarena Gallardo

Bei ihrer Tätigkeit in der AHK Chile ist Macarena Gallardo Popp mehr Deutsche, in der Familie kommt mehr ihre chilenische Seite zum Ausdruck. Was für ein Glücksfall!

Von Arne Dettmann

Seit vergangenem Jahr leitet Macarena Gallardo den Bereich Unternehmenskommunikation und Marketing bei der Auslandshandelskammer (AHK) Chile, hier auch unter dem Namen Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer (Camchal) bekannt. Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem die Produktion von den deutsch-chilenischen Wirtschaftstagen (Jornadas Económica), den Open-house-Treffen, bei der sich Marktteilnehmer kennen lernen, sowie des  beliebten Wintermarktes. Bei diesem chilenischen «Weihnachtsmarkt» im Winter war sie sich auch für eine witzige Nummer nicht zu schade und verkleidete sich als Kobold, um für die richtige Stimmung zu sorgen. «Ich nehme meine Arbeit sehr ernst, bin leidenschaftlich dabei und würde niemals nur halbe Sachen machen.»

Das sei ihre deutsche Seite, erklärt Macarena Gallardo, die in Santiago de Chile geboren wurde, deren Großeltern immer Deutsch mit ihr sprachen und die Pünktlichkeit ganz genau nimmt. Nach dem Besuch der Deutschen Schule studierte sie audiovisuelle Kommunikation an der Universidad de Artes, Ciencias y Comunicación (Uniacc) – «ich suchte ein Studium ohne Nummern, denn in Mathematik befiel mich in der Schulzeit regelmäßig eine Blockade.»

Keine Scheu gegenüber Zahlen

Im Anschluss absolvierte sie Mitte der 90er Jahre ein einjähriges Praktikum beim Fernsehprogramm «Canal 2 Rock & Pop», eine jugendliche Musikshow, bei der sie kreativ viel Spielraum hatte und eigenverantwortlich neue Inhalte entwickeln konnte. Daraufhin absolvierte sie eine zweijährige Ausbildung im kaufmännischen Bildungszentrum Insalco als Kauffrau mit Schwerpunkt Bürokommunikation – «ich hatte meine Scheu gegenüber Zahlen mittlerweile abgelegt.»

Wo sollte sie nach der Lehrzeit arbeiten? Bei Basf, Siemens oder Beiersdorf? Macarena Gallardo entschied sich gegen diesen klassischen Weg und wählte die Camchal. «Meine Mutter sagte damals: „Wenn du gut bist, kannst du dich dort am meisten hervortun.» – Sie hat sich nicht geirrt.

AHK Chile größte binationale Handelskammer

Heute hat sich die AHK Chile zur größten binationalen Handelskammer in Chile gemausert, in der mehr als 50 Personen arbeiten. Doch vor 20 Jahren sah die Situation noch ganz anders aus. Nur zehn Mitarbeiter gab´s, und die teilten sich einen PC, mit dem die E-Mails abgerufen wurden. Der damalige Geschäftsführer José Volker Rehnelt druckte die Nachrichten aus und ließ sich genügend Zeit, darauf zu antworten. «Heute läuft alles in einer Schwindel erregenden Eile ab. Die Digitalisierung fordert uns permanent heraus, ständig müssen wir dazulernen.»

Im Jahr 2004 machte Macarena Gallardo ein Marketing-Diplomado an der Universidad Católica, im Jahr 2007/2008 eine Fortbildung zur Projektmanagerin. Die Camchal würde es ihr zwar erleichtern, eine ausgewogene Balance zwischen Beruf und dem Privatleben zu erreichen. Doch ohne die Hilfe ihres Ehemannes würde das trotzdem nicht gehen. «Es gibt in Chile nur wenige Stellen, an denen wir Frauen unsere Rolle als Mutter und unseren Beruf unter einen Hut bekommen. Aber darüber hinaus muss der Partner auch mitziehen und helfen.»

Leben in La Reina

Macarena Gallardo lebt mit ihrer Familie im Stadtteil La Reina, wo sie am Wochenende gerne auch mal länger ausschläft und sich sogar das Frühstück ans Bett bringen lässt. «Ich bin eine Mischung aus Europäerin und Latina. Und diese chilenische Seite in mir ist viel spontaner als die deutsche – bereit, auch einfach mal zu genießen.»

Zwei Kinder im Alter von zehn und sieben Jahren besuchen derzeit die Schweizer Schule in Ñuñoa. Der älteste Sohn Maximiliano wird in diesem Jahr an der Universidad Mayor studieren. Dem Nachwuchs hat die Mutter viele deutsche Traditionen mit auf den Weg gegeben. «Der Adventskalender, das Schmücken des Weihnachtsbaumes und das Suchen der Ostereier – all das liebe ich und mache es so, wie ich es selbst von meinen Eltern und Großeltern kennen gelernt habe.»

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