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Donnerstag, 2 April 2020
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«Papillon» von Michael Noer

Von Walter Krumbach

Im Jahr 1973 inszenierte Franklin J. Schaffner einen Film gleichen Titels und Inhalts nach der literarischen Vorlage Henri Charrières (1906-1973), der zu lebensläglicher Haft verurteilt und in die französische Strafkolonie St. Laurent auf Guyana verbannt wurde. In dem autobiografischen Roman schildert er den Aufenthalt in jenem Gefängnis, sowie die Vorbereitungen und die Durchführung seiner Flucht.

Schaffners Hauptdarsteller waren Steve McQueen als Charrière und Dustin Hoffman als sein Schicksalsgenosse Dega. Der Film war überaus erfolgreich und wurde zum Klassiker. Mit diesem Werk muss sich Noers Remake nun messen. Charlie Hunnam und Rami Malek reichen in ihren Darstellungen als Papillon beziehungsweise Dega nicht im Geringsten an die kraftvolle Charakterstudie Steve McQueens und besonders an die sensible Verkörperung Dustin Hoffmans heran, dessen Figur im Laufe ihres Alterungsprozesses zusätzlich noch nach und nach eine Demenz entwickelt.

Die neue Fassung ist ein Action-Film, in dem die psychologische Komponente der Gestalten eindeutig auf der Strecke bleibt. Sicher ist der Streifen kurzweilig und unterhaltend, aber man kann die Frage nicht umgehen, was Noer mit der Neuverfilmung bezweckte, wo er doch wissen musste, wie belastend sich Schaffners Meisterwerk auf eine neue Produktion gleichen Inhalts auswirken würde. Sicher gibt er sich beim Inszenieren der Schauplätze große Mühe: die üppige mittelamerikanische Landschaft (ironischerweise in Osteuropa von der Kamera eingefangen) kontrastiert mit der erschreckend trostlosen Eintönigkeit von Charrières Strafzelle. Seine mehrmaligen Fluchtversuche haben zur Folge, dass er sie wiederholt in Anspruch nehmen muss. Die Einsamkeit, der Hunger und die Misshandlungen der Wärter machen seinen Alltag aus – es ist die Darstellung der Hoffnungslosigkeit schlechthin. Hagen Bogdanskis Kamera fängt diese Stimmung gekonnt ein. Überhaupt ist am Handlungsaufbau nichts auszusetzen – wäre eben nicht Schaffners Vorlage da, von der man als Zuschauer nur schwer wegkommt.

Die prachtvoll, in satten Farben gefilmten Schauplätze beeindrucken, die Tontechnik ist routinert-akzeptabel, die Darsteller erarbeiten ihre schillernden Figuren mit der angemessenen Seriosität und der Schnitt verschafft der Handlung einen soliden Rhythmus. Warum also ist das Endprodukt eher fade ausgefallen? Michael Noer ging dem Stoff und seiner Umsetzung nicht auf den Grund. Somit durchzieht ihn von Anfang bis Ende eine gewisse Glätte und Oberflächlichkeit. Eine vertane Chance, keine Frage. Ob die Herausgeber der Blu-Ray dies in Erwägung zogen, als sie der Platte nicht ein einziges Extra beigaben?        

«Papillon», USA, 2017. Regie: Michael Noer. Produktion: Joey McFarland, David Koplan, Ram Bergman, Roger Corbi. Drehbuch: Aaron Guzikowski, Lorenzo Semle Jr. Musik: David Buckley. Kamera: Hagen Bogdanski. Schnitt: John Axelrad, Lee Haugen. Mit: Charlie Hunnam, Rami Malek, Tommy Flanagan u. a. Spieldauer: 133 Min.

Bild                 ****                                                                           

Ton                 **

Darbietung   **

Extras            *

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