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domingo, 24. enero 2021
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«American Sniper»

Von Walter Krumbach

Am 2. Februar 2013 tötete Eddie Ray Routh, ein Veteran des Irakkriegs, auf dem Schießplatz Rough Creek Lodge im Erath County in Texas Chris Kyle und Chad Littlefield. Routh war kurz vor der Tat zweimal in eine psychiatrische Klinik interniert worden. Kyle war Inhaber eines makabren Rekords: Er hatte als Scharfschütze während vier Einsätzen im Irakkrieg über 160 Feinde getötet.

Zum Zeitpunkt seines Todes waren Filmproduzenten mit Kyle im Gespräch, um seine Memoiren zu verfilmen. Der tragische Vorfall war jedoch kein Hindernis, das Projekt weiter voranzutreiben. Ende März 2014 begannen die Dreharbeiten.

Der Film beschreibt den Werdegang Kyles, der von seinem Vater zum Patrioten erzogen wird. Bereits als Kind fällt er durch seine Treffsicherheit beim Jagen auf, weshalb eine Ausbildung als Scharfschütze beim Militär, wo er sich freiwillig meldet, sich wie von selbst ergibt.

Clint Eastwood erzählt die Geschichte mit Feingefühl. Dabei nimmt er eindeutig für Kyle Partei, der auch Frauen und Kinder ins Visier nimmt, wenn es darauf ankommt. Die Familienidylle in Texas kontrastiert mit der zermürbenden Realität der Kriegsschauplätze im Irak. Kyles Charakter verändert sich dermaßen, dass Taya, seine Frau, ihm während eines Heimaturlaubs vorwirft, dass er «nicht da» sei.

Im Film ist alles wohldosiert: die Emotionen, der Rhythmus des Geschehens und sogar die Geräuschkulisse. Eastwood lässt es nur so viel knallen, wie es ihm nötig erscheint, um glaubhaft zu wirken – kein Vergleich zu den dröhnenden Feuergefechten, die man ansonsten von der nordamerikanischen Filmkunst über sich ergehen lassen muss. Auch die Kameraführung ist lobenswert ruhig und entspannt, wodurch interessanterweise die bewegten, spannungsgeladenen Bildfolgen keine Beeinträchtigung erleiden. Clint Eastwood feiert Chris Kyle als amerikanischen Helden der Sonderklasse, lässt aber dabei paradoxerweise gleichzeitig einen Antikriegsfilm entstehen. Eine nicht alltägliche Leistung.

Zwei informative Extras sind dem Film beigelegt: In der Dokumentation «One Soldier’s Story: The Journey of American Sniper» berichten Produzenten, Drehbuchautor und Regisseur, wie sie Kyle davon überzeugten, einen Film über seine Taten zu drehen. Dabei wurde beschlossen, dass nicht allein die 160 Toten erwähnt werden sollten, sondern vor allem die zahlreichen amerikanischen Leben, die er zu retten half.

Kyles Witwe Taya erzählt, wie er sich von dem Projekt fesseln ließ und sich dafür einsetzte, dass Clint Eastwood Regie führen sollte. Sein tragischer Tod war ein dicker Strich durch die Rechnung der Beteiligten. Der Drehbuchautor führte daraufhin lange Gespräche mit Taya Kyle, um die andere, die private Seite der Geschichte kennenzulernen und einzubauen.

Ein Making Of schildert die Organisation der Dreharbeiten in Marokko sowie die Zusammenarbeit mit Taya Kyle, um die Hauptfigur möglichst echt darzustellen und einen wahrheitsgetreuen Tatsachenbericht liefern zu können.

 

American Sniper», USA, 2014. Regie: Clint Eastwood. Produktion: Bradley Cooper, Clint Eastwood u. a. Drehbuch: Jason Dean Hall. Kamera: Tom Stern. Schnitt: Joel Cox. Mit: Bradley Cooper, Sienna Miller, Luke Grimes, Kyle Gallner. Spieldauer:  132 Min.

Bild                 ****
Ton                 *****
Darbietung   ***
Extras             ***

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