Bau des Windparks Malleco begonnen

Projekt der deutschen Firma wpd inmitten von Mapuchegemeinden

Die Fotomontage zeigt den zukünftigen Windpark Malleco in der Region Araucanía. Auftraggeber ist die deutsche Firma wpd aus Bremen.
Die Fotomontage zeigt den zukünftigen Windpark Malleco in der Region Araucanía.

Vor wenigen Wochen sind die ersten Bagger bei Collipulli auf dem Land angerückt: Der Startschuss für den Bau des größten Windparks im Süden Chiles ist gefallen. Auftraggeber ist die deutsche Firma wpd.

Von Petra Wilken

Das auf Windenergie spezialisierte Unternehmen wpd mit Hauptsitz in Bremen gewann 2016 eine Stromausschreibung der chilenischen Regierung, mit der es sich verpflichtet hat, 20 Jahre lang Strom in das zentrale Netz einzuspeisen. Die Lieferverträge für eine installierte Leistung von mehr als 350 MW treten am 1. Januar 2021 in Kraft.

Das Tochterunternehmen wpd Chile hat dazu den Bau von drei Windparks geplant: der größte ist der Park Malleco in der Gemeinde Collipulli, Region Araucanía, mit 77 Windkraftanlagen und einer installierten Leistung von 273 MW. Zwei kleinere sind in der Bío-Bío-Region angesiedelt. In Lomas de Duqueco bei Los Angeles sollen 14 Windkrafträder installiert werden und in Negrete weitere elf.

In der Nähe von Collipulli hat wpd die notwendigen Flächen über 27 Jahre von einem Landwirt gepachtet. Es liegt inmitten von 4.000 Hektar landwirtschaftlich betriebener Fläche, von denen für den Windpark nur 46 Hektar benötigt werden, über die wpd die exklusiven Windnutzungsrechte hat.

Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von 210 Metern

Ende März hat der Bau von 50 Kilometern Wegstrecke und einer Brücke über den Fluss Mininco im zukünftigen Windpark Malleco begonnen. Die Wege müssen für die Schwertransporter befahrbar sein, die ab Anfang nächsten Jahres die gewaltigen Windkraftanlagen, in tonnenschwere Einzelteile zerlegt, vom Hafen Talcahuano nach Collipulli bringen werden. Aufgebaut werden sie eine Nabenhöhe von 120 und 140 Metern haben, und ihre Gesamthöhe von 210 Metern wird einem 30stöckigen Hochhaus entsprechen, also etwa zwei Dritteln des Costanera Centers.

Die Windräder werden das Landschaftsbild von Collipulli verändern. Was es bedeutet, einen Windpark von diesen Ausmaßen in der Nachbarschaft zu haben, war für die lokalen Behörden und die Anwohner in den zehn umliegenden Gemeinden im Vorfeld nicht klar. Acht von ihnen sind Mapuchegemeinden. Collipulli liegt zudem in der Nähe des Gebiets vom sogenannten Mapuchekonflikt. Wpd hat deshalb zwecks Aufklärung bereits vor fünf Jahren noch während der Planungsphase den Kontakt zur umliegenden Bevölkerung aufgenommen. Zudem hat sich das Unternehmen freiwillig einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen, welche die Einbeziehung der Bevölkerung vorschreibt.

Partizipation der indigenen Bevölkerung

Dass es wichtig ist, die Anwohner aufzuklären, war der Firma klar. Auch in Deutschland stoßen Windparks immer wieder auf Widerstand. Die Gruppe wpd International ist in 21 Ländern vertreten und kennt diese Probleme. Doch mit indigener Bevölkerung hatte sie bisher noch keine Erfahrungen gemacht.

Das Unternehmen fand Unterstützung bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die in Chile eine Reihe von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit zur Förderung erneuerbarer Energien betreibt. Mittels eines Programms der öffentlich-privaten Kooperation der Bundesrepublik Deutschland – DeveloPPP.de (Public-Private-Partnership) – berät die GIZ das Unternehmen in Methoden zur Partizipation der Bevölkerung.

Langfristige Beziehungen und Synergien

«Wir haben es mit Gemeinden zu tun, die teils auch sehr unterschiedlich sind», erklärt Tomas Schröter, Geschäftsführer von wpd Chile. «Unser Ziel war es, langfristige Beziehungen zur Bevölkerung und den Behörden aufzubauen». So haben wpd und GIZ mehrmals Fahrten zu bereits funktionierenden Windparks für die Anwohner organisiert. «Sie haben dort gemerkt, dass man die Windräder kaum hört, auch wenn man direkt darunter steht», erzählt wpd-Country-Manager Lutz Kindermann.

Die Firma arbeitet zudem mit einem Fonds für lokale Entwicklungsprojekte. «Wir haben zum Beispiel bei der Erneuerung der Infrastruktur eines alten Mapuche-Friedhofs mit vier verschiedenen Gemeinden kooperiert. Obwohl die Mapuchegemeinden sehr verschieden sind, hat es das gemeinsame Ziel ermöglicht, Synergien zu erreichen und auch Eigenarbeit aus den Gemeinden in das Projekt einfließen zu lassen», berichtet Verónica Vukasovic, die bei der GIZ für die PPP-Projekte zuständig ist. Tomas Schröter fügt hinzu: «Wir sind zwar in einem komplexen Gebiet, aber die Anwohner sind nicht gegen den Windpark.»

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