Windpark mitten im Konflikt-Gebiet

Collipulli: Deutsche Firma wpd setzt auf gute nachbarschaftliche Beziehungen

Blick auf die Landschaft bei Collipulli: Hier in der Provinz Malleco will die deutsche Firma wpd einen Windpark errichten.
Blick auf die Landschaft bei Collipulli: Hier in der Provinz Malleco will die deutsche Firma wpd einen Windpark errichten.

 

Der größte Windpark Chiles wird mitten im Gebiet des sogenannten Mapuche-Konflikts der Region Araukarien errichtet werden. Der Betreiber, die deutsche Firma wpd, versucht es mit einer neuartigen Methode zur sozialen Akzeptanz des Projekts und setzt auf gute nachbarschaftliche Beziehungen.

 

Von Petra Wilken

Der auf Windenergie spezialisierte Erzeuger erneuerbarer Energien wpd mit Stammhaus in Bremen hat bei einer öffentlichen Stromausschreibung Chiles Lieferverträge über 20 Jahre für eine installierte Leistung von 350 MW gewonnen. 2021 muss die Stromlieferung beginnen. Dafür ist der Bau von drei Windparks vorgesehen.

Der größte mit 270 MW wird ab 2018 in Collipulli in direkter Nachbarschaft von acht indigenen Gemeinschaften mit rund 350 Anwohnern errichtet werden. Der Ort in der Provinz Malleco ist aufgrund von Anschlägen auf Forstbetriebe zur «Roten Zone» erklärt worden. Die anderen beiden kleineren Windparks, die in der Nähe von Los Ángeles, in Negrete und Duqueco, Region Bio Bio, gebaut werden, liegen nicht in Konfliktgebieten.  

Strom- und Forstunternehmen verwenden seit Langem verschiedene Methoden zur Vermeidung oder Minderung von Konflikten mit den Anwohnern von Großprojekten in Chile. Die Firma wpd jedoch hat speziell für den Park in Collipulli einen neuen Index zur sozialen Akzeptanz für Energieprojekte entwickelt. Die Initiative wird mit öffentlichen Geldern aus Deutschland unterstützt: Über den Fonds Public Private Partnership, der über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) abgewickelt wird, erhält wpd einen Zuschuss von 200.000 Euro über drei Jahre.
 

Systematisch Vertrauen bei den Anwohnern aufbauen

Für Carolina Roe Atria, bei wpd für Corporate Social Responsibility (CSR) zuständig, liegt der Unterschied zu anderen Methoden darin, dass wpd bereits seit fünf Jahren in der Zone von Collipulli präsent ist, um systematisch das Vertrauen der Anwohner in das Projekt aufzubauen. «Die Mapuche-Gemeinschaften leben in sehr prekären Verhältnissen ohne Stromversorgung und Kanalisation. Das Grundstück, das wpd für den Windpark gepachtet hat, ist eine Agrarfläche. Wir haben ihnen mit einem Besuch bei einem bestehenden Windpark gezeigt, dass neben den Turbinen Kühe weiden und die Bienen nicht beeinträchtigt werden».

Das Projekt von wpd sieht nicht, wie zum Beispiel in Deutschland üblich, Gewinnbeteiligungen für die Anwohner vor. Doch werden die Mapuche in Collipulli auf andere Weise materielle Vorteile haben. So hat die indigene Gemeinschaft Choinlafqueche selbst den Bau von zwei eigenen Windparks von 18 und 3 MW beschlossen. Die Turbinen hat wpd für sie in einer Großbestellung zu einem günstigeren Preis eingekauft. Zudem wird wpd produktive Projekte der Mapuche-Gemeinden finanziell unterstützen.

«Es wird jedoch keine Geldgeschenke geben, um die Akzeptanz zu erreichen», so Carolina Roe. Die Sozialarbeiterin unterstreicht den Aufbau einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mittels permanenter Präsenz der Firma und einer transparenten Kommunikation. «Ich reise seit fünf Jahren in die Zone und habe noch nie Gewalt gesehen«, betont sie.

Public-Private-Partnership

Bei einem Pressefrühstück Anfang Dezember informierte Verónica Vukasovic vom Energieprogramm 4E der GIZ Chile über die Projekte, die derzeit über das Programm der öffentlich-privaten Kooperation der Bundesrepublik Deutschland DeveloPPP (für Public-Private-Partnership) in Chile gefördert werden.

Neben dem Index für soziale Akzeptanz der Firma wpd gehören dazu weitere Initiativen, die alle dazu dienen, die erneuerbaren Energien zu fördern. Die Firma Soventix Chile hat ein Investitions-Tool erarbeitet, mit dessen Hilfe eine Gruppe chilenischer Investoren gefunden wurde, die 25 Photovoltaik-Anlagen mit insgesamt knapp 80 MW finanzieren werden. Das Unternehmen Grammer Solar wird Solar-Trockenanlagen für Agrarprodukte installieren können. Die Universidad Talca wird eine Versuchsanlage zur Solar-Bewässerung für die Fakultät für Landwirtschaft einrichten. Und die Firma Sumsol Ltda. wird Solarpumpen installieren können.

Print Friendly, PDF & Email

2 Comments

  1. Sehr interessant und positiv für die umweltfreundliche Energiegewinnung. Ich frage mich nur, ob die Windräder in diesem von Konflikten geladenen Gebiet nicht angegriffen sein werden? Da würde ich sehr vorsichtig mit der Investition umgehen…

  2. In der Magdeburger Börde wird die Landschaft durch diese riesigen Windparks zerstört https://rundertischdgf.wordpress.com/2015/03/01/windrader-oder-die-aufforstung-der-borde/

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.