Wasserkraftwerk-Projekt Alto Maipo: Luksic-Teilhaber steigt aus

Zukunft der umstrittenen Anlage in Chile ungewiss

Wasserkraftwerk Alto Maipo
Tunneleingang zum Wasserkraftwerk Alto Maipo: 40 Prozent der Arbeiten sind abgeschlossen. Doch nun fehlt Geld für die Fortsetzung des umstrittenen Projektes.

 

Von Arne Dettmann

Das chilenische Bergbauunternehmen Minera Los Pelambres (MLP) hat vergangene Woche angekündigt, sich aus dem im Bau befindlichen Wasserkraftwerk Alto Maipo zurückzuziehen. Die geschätzte Kostensteigerung zwischen 200 bis 400 Millionen US-Dollar wolle sie nicht mittragen, erklärte die Firma laut Zeitungsberichten. Nun muss der verbliebene Teilhaber, der Energiekonzern AES Gener, nach einem neuen Investor Ausschau halten, um das Projekt zu Ende zu führen.

Das Wasserkraftwerk Alto Maipo wird derzeit in den Anden bei Santiago gebaut, etwa 40 Prozent der Arbeiten sind bereits abgeschlossen. Teilhaber sind bisher AES Gener mit 60 Prozent sowie MLP mit 40 Prozent. Bei Fertigstellung soll Alto Maipo mit einer Nennleistung von 532 Megawatt einen Teil des erzeugten Stroms in das zentrale Verbundnetz einspeisen, das auch die Hauptstadt Santiago mit Strom versorgt, und einen Teil an MLP liefern. Doch die zum Antofagasta-Minerals-Konzern gehörende Mine machte nun einen Rückzug. Bereits in den vergangenen Monaten hatte Holding-Chef Andrónico Luksic angedeutet, sein Unternehmen würde die Kostensteigerung um 20 Prozent nicht mitfinanzieren.

Die Anlage im Cajón del Maipo war zu Beginn mit einer Investitionssumme von 2,05 Milliarden US-Dollar veranschlagt worden; MLP hatte bisher 350 Millionen beigesteuert. Sollte sich das Minenunternehmen zurückziehen, ohne seinen Anteil an einen Käufer zu veräußern, müsste es diesen Verlust komplett selbst abschreiben. «Alto Maipo hat der Familie Luksic gewaltige Kosten verursacht, insbesondere für mich», erklärte Andrónico Luksic im September vergangenen Jahres.

Zur negativen Entscheidung dürften laut Experten zwei Faktoren beigetragen haben. Die Mine Pelambres hatte mit Alto Maipo einen Stromversorgungsvertrag mit einer Laufzeit von 20 Jahren vereinbart – zu einem Abnahmetarif von über 90 US-Dollar pro Megawattstunde. In der Zwischenzeit sind aber die Preise auf dem Strommarkt gesunken, so dass der Vertrag nicht mehr rentabel erscheint. Die Mine könnte zukünftig bei anderen Anbietern den Strom günstiger einkaufen. Um also weitere Verluste bei Alto Maipo zu vermeiden, zog das Unternehmen nun die Reißleine.

Zum anderen könnte der Luksic-Konzern den chilenischen Strommarkt nicht richtig eingeschätzt haben. «Wir sind ein Bergbauunternehmen, keine Energieerzeuger» soll ein Manager Anfang des Jahres gesagt haben. Dagegen spricht allerdings, dass der Partner AES Gener zur US-amerikanischen AES Corporation gehört, einer der größten Energieerzeuger- und verteiler weltweit mit Beteiligungen in 17 Ländern. Schwer vorstellbar, dass diese Holding mit ihrem Know-how die chilenische Preisentwicklung derart falsch eingeschätzt haben soll.

Gegen Alto Maipo haben sowohl die anliegende Bevölkerung im Cajón del Maipo als auch Umweltschützer wiederholt protestiert. Sie werfen dem Projekt vor, den natürlichen Lauf des Maipo-Flusses nachteilig zu verändern und durch die Bohrungen riesige Schutthalden zu produzieren. Die Betreiber halten dagegen, dass 90 Prozent der gesamten Anlage unterirdisch verlaufe und daher die Natur nicht beeinträchtige.

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