Vom Salpetergeschäft bis zu bilateralen Verträgen

Jahresversammlung des Vorstandes der Camchal im Jahr 1941
Jahresversammlung des Vorstandes der Camchal im Jahr 1941

Als vor 100 Jahren in Valparaíso ein Kreis weitblickender Kaufleute zusammentrat, um eine Institution zur Förderung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Chile und Deutschland zu schaffen, wurde der Grundstein der Kammer gelegt, die in diesen Tagen ihr Jubiläum begeht.

CAMCHAL-2016Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Deutschen nach Chile. Im Jahre 1822 wurde in Valparaíso die Firma Schütte, Post & Co. gegründet, die als ältestes deutsches Handelshaus in Chile angesehen wird.

In den anschließenden Jahrzehnten nahm die Zahl der deutschen Firmengründungen in rascher Folge zu. Mit dem Beginn der Salpetergewinnung im Norte Grande nahm auch der Aufschwung des deutschen Chile-Handels seinen Anfang, der bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges anhielt und noch heute eines der faszinierendsten Kapitel der Wirtschaftsgeschichte darstellt.

Bis 1913 hatte sich der deutsch-chilenische Handel so entwickelt, dass auf Deutschland allein ein Viertel der gesamten chilenischen Einfuhren entfiel; es war damit nach Großbritannien zum wichtigsten Lieferland Chiles geworden. Daneben war es aber auch größter Abnehmer von chilenischem Salpeter in der Welt.

Die Hamburger Segelschiffreederei F. Laeisz hatte schon um die Mitte des Jahrhunderts ihre Fühler nach der Westküste Südamerikas ausgestreckt; im Jahre 1862 lief die «Persia» als erstes Schiff der später wegen ihrer Schnelligkeit berühmt gewordenen «Flying P-Liners» den Hafen von Valparaíso an. Später entwickelte sich daraus ein Liniendienst, mit dem allein im Jahre 1913 etwa 1,7 Millionen Quintals Salpeter nach Deutschland verschifft wurden.

1872 wurde auf Initiative Hamburger Kaufleute die «Deutsche Dampfschifffahrtsgesellschaft Kosmos» für den regelmäßigen Dampferdienst zur Westküste gegründet, der sich auch der Passagierbeförderung widmete.

1895 ist das Gründungsjahr des ersten deutschen Bankinstituts in Chile; damals wurde die Bank für Chile und Deutschland als Gemeinschaftsgründung der Berliner Diskonto-Gesellschaft und der Norddeutschen Bank ins Leben gerufen. Schon 1896 folgte die Banco Alemán Transatlántico (Deutsche Überseeische Bank), 1910 kam als weitere deutsche Bankniederlassung die Banco Germánico de la Ameríca Sud (Deutsch-Südamerikanische Bank A.G.) hinzu.

Im Jahre 1912 wurden mit der Siemens-Schuckert Limitada und der AEG die ersten eigenen Niederlassungen großer deutscher Industrieunternehmen in Chile errichtet.

Die wirtschaftliche Aktivität der Deutschen in Chile umfasste schon damals praktisch alle Bereiche, von der eigenen industriellen Betätigung im Lande über die landwirtschaftliche Erschließung des chilenischen Südens. Dort wirkten vor allem deutschen Einwanderer, die nach den Wirren der Revolution von 1848 in großer Zahl ihre Heimat verlassen hatten und nach Chile eingewandert waren.

Den Mittelpunkt des deutschen wirtschaftlichen Lebens in Chile bildete damals unbestritten der Handel; darunter sowohl die Einfuhr von Industrieprodukten aller Art, insbesondere von Konsumartikeln, als auch das für die Ausfuhr so ausschlaggebende Salpetergeschäft, das weitgehend in deutschen Händen lag.

Schon bald nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges geriet die deutschstämmige Kaufmannschaft Chiles in allgemeine Bedrängnis. In dieser Situation wurde am 2. August 1916 in Valparaíso die «Deutsche Handelskammer Valparaíso» gegründet.

Das Ende des Ersten Weltkrieges bedeutete für die Kammer den Übergang von der mehr defensiven Schutzfunktion zu der aktiven Förderung des Handels zwischen Chile und Deutschland, der sich wieder zu beleben begann. Nach außen zeigte sich dieser Wandel darin, dass die Anbahnung von Geschäftsverbindungen sowie die Vermittlung von regelmäßigen Informationen über die wirtschaftlichen Verhältnisse in Chile und Deutschland in den Vordergrund rückten.

Im Jahr 1939 war die Situation, in der sich die deutsche Kaufmannschaft Chiles befand, derjenigen ähnlich, die bei Beginn des Ersten Weltkrieges gegeben war. Deutschland war wichtiger Abnehmer von chilenischem Kupfer und nahm in der Reihe der Lieferländer den zweiten Platz ein. Der Zweite Weltkrieg bereitete dem ein Ende.

Für die deutsch-chilenischen Handelsbeziehungen musste nach dem Krieg erst wieder ein neuer vertraglicher Rahmen geschaffen werden. Die erste Vereinbarung, ein Zahlungsabkommen, wurde 1949 zwischen der chilenischen Regierung und den westlichen Militärregierungen Deutschlands abgeschlossen. Es war ein Kompensationsabkommen auf rein bilateraler Basis mit einem Handelsvolumen von rund 11 Millionen US-Dollar in beiden Richtungen.

Besonders bei den Verhandlungen zum Handelsvertrag der Jahre 1950/51 war die Mitwirkung der Kammer in Form von Vorschlägen und Stellungnahmen für die deutsche Handelsdelegation sehr wichtig. Die endgültige Wende vom System der zweiseitigen Kompensationsabkommen zum Zahlungsverkehr in frei konvertierbarer Währung brachte die Vereinbarung zwischen Chile und der Bundesrepublik über den Waren- und Zahlungsverkehr von 1956.

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