Niedergang der Kohle

Kohle-Bergwerk in den USA: US-Präsident Trump will Jobs zurückbringen, doch Experten gehen von einem weiteren Niedergang der Branche aus.
Kohle-Bergwerk in den USA: US-Präsident Trump will Jobs zurückbringen, doch Experten gehen von einem weiteren Niedergang der Branche aus.

In Deutschland werden die letzten Steinkohlezechen Ende 2018 dicht gemacht. In den USA will Präsident Trump den Verfall der Kohleindustrie verhindern.

St. Clairsville (dpa) – Hinter den Kohlebergen rauchen die Schlote, große Förderbänder transportieren die schwarze Ware. Powhatan Point, im Osten des US-Bundesstaats Ohio, direkt am Ohio River. Hier ist J.B. Holliday der Hafenmanager, ein stolzer, stämmiger Mann. Er sagt Sätze wie: «Wir stehen hier auf dem Ground Zero der Kohleindustrie.» Klar, meint er, das sei pathetisch. Ground Zero, so heißt in New York das Mahnmal für die Terroranschläge vom 11. September 2001. Für Holliday aber fühlt es sich so ähnlich an, wenn er nach Jahren des Niedergangs auf die Lage der US-Kohleindustrie schaut.

Holliday zeigt auf die Kohlekraftwerke am anderen Ufer des Ohio River. Eins sei inzwischen geschlossen worden, Hunderte hätten ihren Job verloren, für den Betreiber habe es sich nicht mehr rentiert. Schuld seien die Regulierungen und Auflagen von Barack Obama gewesen, welche die Kohle teurer und weniger wettbewerbsfähig gemacht hätten.

Auf den früheren US-Präsidenten sind sie hier nicht gut zu sprechen. Die Kohleindustrie in den USA ist seit Jahren im Niedergang. Tausende Jobs gingen verloren, viele Unternehmen pleite, Kraftwerke mussten dicht machen.

Aber nun ist ja Donald Trump da. Ende März kündigte Trump eine radikale Abkehr von der Politik Obamas an. Er will zentrale Bestimmungen zum Klimaschutz abbauen, aufweichen oder abschaffen – im Visier: der «Clean Power Plan» Obamas. Seine Regierung beende den Krieg gegen die Kohle, hatte Trump gesagt. Die Entscheidungen würden zu sehr vielen neuen Jobs in den USA führen.

30 Meilen weiter, in dem kleinen Ort St. Clairsville im hügeligen «Ohio Valley», sitzt Hollidays Chef Robert Murray in einem riesigen Konferenzraum. Der 77-Jährige ist Chef und Gründer von Murray Energy, einem der größten US-Kohleförderer – und einem der letzten großen.

65 Millionen Tonnen Kohle fördert seine Firma im Jahr, in den gesamten USA waren es 2015 knapp 900 Millionen, Tendenz sinkend. Murray exportiert auch nach Deutschland. Die USA sind derzeit nach Angaben des Verbands der Kohleimporteure der drittgrößte Kohlelieferant Deutschlands, hinter Russland und Kolumbien.

Im Wahlkampf hat der Republikaner Murray 300.000 Dollar an Trump gespendet, im Februar war er Gast im Weißen Haus. Obama nennt er den «größten Zerstörer» der US-Geschichte. Der frühere Präsident habe durch seine Klima- und Umweltpolitik mehr als 60.000 Jobs in der Kohlebranche und angegliederten Bereichen in den USA zerstört.

Kohle sei die billigste und zuverlässigste Energieform zur Stromerzeugung. Die Energiewende in Deutschland führe zu höheren Strompreisen, das belaste die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen, kritisiert Murray – das werde den Deutschen noch leidtun. Was aber ist mit den Umweltproblemen? Der Manager schüttelt den Kopf: Einen von Menschen verursachten Klimawandel gebe es nicht, das sei ein «Schwindel». Viele Forscher sehen das anders. Murray sagt: Erst vor kurzem habe er Trump einen Brief geschrieben und ihn aufgefordert, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen.

Was die Zukunft seiner Branche angeht, dämpft aber auch ein Kohleboss wie Murray die Erwartungen: Trump werde mit seinem neuen Kurs in der Energiepolitik zwar Jobs zurückbringen. Doch die Beschäftigung in der US-Kohleindustrie werde nicht wieder das Niveau früherer Jahre erreichen.

Dass Trump eine Renaissance der Kohleindustrie erreichen kann, glauben auch Experten nicht. Der Hauptgrund für die Rückgange in der Branche sei nicht die Politik Obamas gewesen, sondern die rasanten Veränderungen im Energiemarkt, schrieb Bill Ritter von der Colorado State University in einem Beitrag für das Weltwirtschaftsforum.

Seit Jahren sinkt die Zahl der Beschäftigten in der US-Kohleindustrie massiv, Ende 2015 waren es noch rund 65.000 Menschen gewesen. Marktkräfte würden auch in den kommenden Jahren den Niedergang der Kohleindustrie beschleunigen, dagegen könne die Politik wenig tun, heißt es in einer Untersuchung des Brookings-Instituts.

Auch in den Staaten hält der Siegeszug der erneuerbaren Energien an. Neue Wind- und Solarprojekte sind deutlich kostengünstiger und dadurch wettbewerbsfähiger geworden. Dazu kommt die Konkurrenz durch günstiges Erdgas.

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