Meerwasserentsalzungsanlage für den chilenischen Bergbau

Interview mit Dr. Hagen Gleisner, Ingenieur-Leiter bei Trends Industrial

Dr. Hagen Gleisner
Dr. Hagen Gleisner, Ingenieur-Leiter bei Trends Industrial

Die Kommission zur Umweltverträglichkeitsprüfung in der Region Atacama hat im September grünes Licht für die Meerwasserentsalzungsanlage Enapac (Energías y Aguas del Pacífico) gegeben. Für 500 Millionen US-Dollar soll zwischen Caldera und Copiapó die größte Anlage dieser Art in Lateinamerika entstehen. Cóndor-Chefredakteur Arne Dettmann sprach mit Dr. Hagen Gleisner, Ingenieur-Leiter Trends Industrial S.A., dem Projektentwickler des Vorhabens.

 

Cóndor: Herr Dr. Gleisner, wie genau läuft der industriell-chemische Prozess ab, bei dem Sie zukünftig dem Meerwasser das Salz entziehen?

Die Meerwasserentsalzung geschieht durch Umkehrosmose. Das ist ein physikalisches Verfahren, bei dem vorgereinigtes Meerwasser mit Hilfe von hohem Druck durch semipermeable Membranen hindurchgepresst wird. Diese Membranen lassen ausschließlich nur die Wasser- beziehungsweise H2O-Moleküle hindurch und halten Salze sowie andere Stoffe zurück. Hierfür ist ein Druck von 60 bis 80 bar erforderlich, das ist etwa 20- bis 30-mal so hoch wie der Druck eines Autoreifens. Um einen derart hohen Druck zu erzeugen, werden 2 bis 4 kwh pro Kubikmeter Wasser benötigt. Wenn man bedenkt, dass diese Anlage in der Lage wäre bis zu 2.630 Liter Wasser pro Sekunde, das heißt 2,63 m3/s zu entsalzen, lässt sich leicht berechnen, wie hoch der Energiebedarf dieser Anlage sein wird.

Dreidimensionale Darstellung der zukünftigen Meerwasserentsalzungsanlage
Dreidimensionale Darstellung der zukünftigen Meerwasserentsalzungsanlage

 

Wo nehmen Sie die Energie her?

Da diese Meerwasserentsalzungsanlage für die Atacama Region geplant ist, wo die weltweit höchsten Sonnneneinstrahlungswerte gemessen wurden, haben wir die Anlage ursprünglich so konzipiert, dass sie vorrangig mit der Sonnenenergie aus einer eigenen 100-MW-Photovoltaikanlage betrieben werden kann. Die Entwicklung der Energiepreise der letzten Jahre sowie die baldige Fertigstellung der Energietrasse zwischen Nord- und Zentral-Chile ermöglicht nun auch die Nutzung anderer Formen der Erneuerbaren Energien, insbesondere der Windenergie. Daher zählt ENAPAC zu nachhaltigsten und zukunftsorientierten Projekten des Landes.

 

Wer wird Abnehmer des Wassers sein?

Abnehmer des Wassers werden voraussichtlich die Minen der Region sein, die nicht über eine nachhaltige Alternative für ihren Wasserbedarf beziehungsweise ihre Wasserversorgung verfügen und von Jahr zu Jahr ihre Brunnen tiefer bohren müssen, weil der Grundwasserspiegel sinkt wie auch das Wasser aus Bächen und Seen allmählich austrocknet. Für jede einzelne dieser Minen wäre eine eigene Meerwasserentsalzungsanlage einschließlich der Rohrleitungen vom Meer aus unrentabel. Das Wasser aus unserer Multiclient-Anlage von unserem zentral gelegenen Wasserreservoir zu beziehen, wäre hingegen sowohl aus Kostengründen als auch aus Gründen der Umweltverträglichkeit sinnvoll.

 

Wie sieht der Zeitplan aus? Wer steht hinter der Investition von Enapac?

Enapac wurde von Trends Industrial S.A. bis zur Umweltgenehmigung (RCA, Resolución de Calificación Ambiental) und Maritimen Genehmigung (Concesción Marítima) entwickelt. Die Umweltgenehmigung wurde Ende September einstimmig erteilt und die Maritime Genehmigung erwarten wir bis Dezember 2018, so dass mit dem Bau dieser Anlage ab Mitte 2019 begonnen werden kann. Damit dies eine Realität wird, befinden wir uns derzeit in Verhandlungen mit Wasserabnehmern und Investoren.

 

Enapac wurde als Kandidat für den weltgrößten Designpreis Index-Award vorgeschlagen, den die dänische Non-profit Organisation «INDEX: Design to Improve Life» alle zwei Jahre zur Förderung von Designs zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen in Industrie- und Entwicklungsländern verleiht. Was ist das Besondere an Enapac?

Das Besondere an Enapac ist die Umweltverträglichkeit, die Nachhaltigkeit und zugleich die langfristige Wirtschaftlichkeit, das heißt dieses Projekt zeigt, dass Ökologie und Ökonomie keine Gegensätze sein müssen.

Angesichts des weltweit steigenden Wasserbedarfes und des Klimawandels sind umweltverträgliche und nachhaltige Meerwasserentsalzungsanlagen, die mit Erneuerbaren Energien betrieben werden, nicht nur in Chile, sondern auch weltweit zukunftsweisend.

 

Herr Dr. Gleisner, wir bedanken uns für das Gespräch.
 

Escondida Water Supply (EWS)

Escondida Water Supply
Escondida Water Supply

Anfang April dieses Jahres weihte das chilenische Kupferbergbau-Unternehmen Minera Escondida in Puerto Coloso (Antofagasta) seine zweite Meerentsalzungsanlage Escondida Water Supply (EWS) mit einer Leistung von 2.500 Litern pro Sekunde ein. Die Investitionssumme lag laut dem Betreiber BHP Minerals Americas bei 3,43 Milliarden US-Dollar. Das gewonnene Betriebswasser wird vom Pazifik aus über zwei Pipelines 170 Kilometer auf 3.200 Meter Höhe zum Kupferwerk gepumpt.

 

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