Defizit an Kupfer erwartet

Ausblick: Steigende Nachfrage auf den Weltmärkten

Kupfer
Der chilenischen Kupferhütten benötigen Innovationen zur Modernisierung.

Die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsstandards, Innovation, Urbanisierung und Elektromobilität auf die zukünftige Nachfrage nach Kupfer und die Notwendigkeit gemeinsamer Standards für eine verantwortungsvolle Versorgung waren die Hauptthemen der World Copper Conference zu der im April Fachleute aus 35 Ländern in Santiago zusammenkamen.  

Von Jürgen Leibbrandt, Direktor Emin

Im Vergleich zur Angebotssituation vor einem Jahr wird erwartet, dass in den kommenden fünf Jahren aufgrund steigender Preise 1 Million Tonnen mehr Kupfer auf den Weltmärkten angeboten werden. Die Wachstumsrate betrug in den vergangenen fünf Jahren 2,5 Prozent pro Jahr. Für die kommenden fünf Jahre wird ein Wachstum von jeweils 2 Prozent erwartet. 

Im Jahr 2018 belief sich die Nachfrage nach raffiniertem Kupfer auf 23,6 Millionen Tonnen. Aufgrund der Methodik der Statistik spiegelt diese Zahl jedoch nicht den tatsächlichen Verbrauch von Kupfer in Haushaltsgeräten, Autos, Handys und Computern wieder, da in diese ca. 4,7 Millionen Tonnen an recyceltem Kupfer einströmen. Allein China, als größter Verbraucher von raffiniertem Kupfer, exportiert 30 Prozent davon in Kapital- und Konsumgütern in alle Welt. Zahlreiche Länder verzeichnen keinen Verbrauch von raffiniertem Kupfer, weil sie keine eigene Hüttenindustrie zur Herstellung von Kathoden haben. Dennoch nutzen sie Kupfer in zahlreichen Endprodukten.

Kupfer
Jürgen Leibbtrandt, Direktor EMIN

Nach den Prognosen wird die Welt in den nächsten 25 Jahren voraussichtlich genauso viel Kupfer benötigen wie in den letzten 500 Jahren verbraucht wurden. Die Kupferpreise sollen im Jahr 2019 bei 3,05 USD / Pfund und 2020 bei 3,08 USD / Pfund liegen.

Es wird erwartet, dass in den nächsten zehn Jahren aufgrund fehlender Bergbauprojekte ein Defizit von 10 Millionen Tonnen entstehen wird. 90% der neuen Projekte werden Konzentrate produzieren. Sie werden eine Welle neuer Investitionen in Schmelzhütten und Raffinerien von Weltklasse auf den Verbrauchermärkten hervorbringen. Währenddessen arbeitet Chile noch immer mit sieben Kupferhütten, die mehrere traurige Rekorde vereinen: Sie gehören weltweit zu den denen, die die Umwelt am stärksten verschmutzen, sowie zu den teuersten und ineffizientesten Anlagen. 

Eine proaktive staatliche Politik, kombiniert mit einem geeigneten Geschäftsmodell, könnte diese Situation verändern, indem sie ausländische Investitionen und die notwendige Technologie anzieht, um einen Großteil der im Land hergestellten Konzentrate zu verarbeiten und zu verfeinern.

Angesichts der Makrotendenzen einer wachsenden Urbanisierung, der Energiewende, Digitalisierung, Automatisierung und Elektromobilität hat Kupfer die aussichtsreichste Zukunft aller Metalle. Chile ist nach wie vor ein bevorzugtes Ziel für Explorations- und Bergbauinvestitionen in verschiedene Elemente, die für diese neuen Technologien erforderlich sind, wie Kupfer, Lithium und Kobalt.

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Chile ist nach wie vor ein bevorzugtes Ziel für Explorations- und Bergbauinvestitionen in Kupfer, Lithium und Kobalt.

Die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit einer nachhaltigen Entwicklung des Bergbaus steht außer Frage, und es kommt zu einer Annäherung der Hauptvertreter dieser Linie, die den Wunsch haben, diesen Trend proaktiv voranzutreiben. Ich möchte in diesem Zusammenhang ein Beispiel für die nachhaltige Nutzung von Anglo American hervorheben. Das Unternehmen maximiert die Rückführung seines Industriewassers aus dem Reservoirs für Flotationsabgänge Las Tórtolas und ist zudem dabei, den gesamten Wasserspiegel abzudecken, um die Verdampfung zu vermeiden. Gleichzeitig sollen auf der Abdeckung Photovoltaik-Module zur Erzeugung sauberer elektrischer Energie installiert werden.

Bergbaumesse Antofagasta
Internationale Bergbaumesse in Antofagasta
Exponor ist eine internationale Bergbaumesse, die alle zwei Jahre in Antofagasta stattfindet. Alle wichtigen Zuliefererunternehmen für die chilenische Bergbauindustrie sind vertreten und stellen dem chilenischen Fachpublikum ihre neusten Technologien vor. An der letzten Exponor 2017 nahmen 1.000 Aussteller aus 30 Ländern teil. In diesem Jahr findet die Ausstellung vom 27. bis 30. Mai statt.

Alle betonen die Notwendigkeit von Innovationen, um den CO2-Fußabdruck zu reduzieren, den Wasserverbrauch zu senken, die Energieeffizienz zu erhöhen, den Arbeitsplatz sicherer und freundlicher zu gestalten, Frauen massiv in Bergbauaktivitäten einzubeziehen, verdickte Flotationsabgänge herzustellen und Sulfiderzlaugung sowie das Sortieren von Schüttgut zu betreiben und die Produktivität zu steigern. Die digitale Transformation (Digitalisierung, Automatisierung und Integration) spielt eine grundlegende Rolle bei der Erreichung dieser Ziele.

Die nachhaltige Energieversorgung ist eine der großen Herausforderungen des chilenischen Bergbaus. Im Foto: Der Solarpark Jama, 30 Kilometer südöstlich von Calama versorgt mit einer Nennleistung von 57 MW Minen in der Umgebung.

Die chilenische Regierung nimmt eine proaktive Haltung bei der Förderung der verschiedenen Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung des Bergbaus im Land ein. So unterstützt sie mittels verschiedener wirtschaftlicher Modelle und Innovation unter anderem die Behandlung von Rückständen mit einem Sanierungsprogramm für aufgegebene Abraumreservoire. Chile könnte in dieser Materie eine führende Position erlangen.  

Ich beende meinen Ausblick mit der optimistischen Vision von Robert Friedland der Firma Ivanhoe – die zusammen mit chinesischem Kapital, mit geringen Investitionen die weltweit größten und höchstwertigen Kupferminen im Kongo entwickelt – und Javier Targhetta von Freeport. Sie setzen darauf, dass aufgrund der beschriebenen Makrotrends und der Tatsache, dass die Luftverschmutzung nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation WHO das größte Umweltrisiko für die menschliche Gesundheit in städtischen Gebieten ist, bis zum Jahr 2030 rund 5,1 Milliarden Menschen in Städten leben werden. Dies wird dazu führen, dass Maßnahmen für den Schutz der Gesundheit erforderlich werden, die wiederum den massiven Einsatz von Kupfer und anderen Metallen erfordern. So wäre es nicht ungewöhnlich, dass wir es in den nächsten zehn Jahren mit Preisen von 10.000 und 12.000 USD / Tonne Kupfer zu tun haben werden. Eine sehr positive Entwicklung für Chile.

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