Kampf ums Überleben in der Finanzkrise

Die dramatische Finanzkrise trifft die griechischen Verlage hart. Buchhandlungen schließen. Vor allem Sachbücher sind gefragt. Die Literaten tun sich noch schwer mit dem Thema.

Athen (dpa) – In der einst belebten «Stoá tou Vivlíou» (Arkade des Buches) im Zentrum Athens ist die Stimmung miserabel. Hier trafen sich bis vor wenigen Jahren Schriftsteller, Leser, Verleger – alle, die Rang und Namen in der Branche hatten. Heute sind nur noch wenige Buchhandlungen geöffnet. «Es geht hier ums Überleben», so beschreibt die Sprecherin des griechischen Verlages Psichogios, Popi Galatoula, die Lage der Branche im vom Bankrott bedrohten Griechenland.

Wie die Wirtschaft, so schrumpft auch das griechische Verlagswesen, und darunter leidet die Literatur. Die Menschen kaufen sich mittlerweile Bücher «second hand in sogenannten Bücherbasaren», sagt Galatoula. Dabei ist es nicht so, dass es keine Autoren mehr gäbe. Im Gegenteil: «Die Zahl der Manuskripte, die hereinkommen, ist in den vier Jahren der Krise so stabil wie auch vorher», sagt Evangelos Papathanasopoulos, Chef des Verlages Kedros in Athen. «Es handelt sich um Hunderte Werke.»

Im Mittelpunkt stehe natürlich die schwere Finanzkrise. «Wir haben einen spektakulären Zuwachs an Themen, die die Krise in allen ihren Aspekten betrachten», meint Papathanasopoulos. Doch er verbirgt nicht eine gewisse Enttäuschung: «Ich will es offen sagen: Die meisten Romane, die sich mit der Krise befassen, machen den Eindruck, dass die Autoren Debütanten sind.»

Papathanasopoulos erklärt: Viele Manuskripte über die Finanzkrise wirkten eher wie Reportagen, nicht wie literarische Werke. Dies liege offenbar daran, «dass der Mensch einen gewissen Abstand von großen Ereignissen gewinnen muss, ehe er tief in das Thema eindringen kann», meint der Chef des Kedros-Verlages.

Auch sein Verlag kämpft mit der Finanzkrise. «Der schlagartige Absturz der Kaufkraft spiegelt sich in den Verkäufen von Büchern wider», sagt Papathanasopoulos. Dennoch sei der Schaden noch nicht irreparabel, meint er. Wer seine Qualität in der Krise halte, der könne auf das Überleben hoffen.

Buchhandlungen stellen fest, dass die Leute immer mehr nach Sachbüchern suchen, nach Erklärungen für den Alptraum der hohen Einkommensverluste binnen weniger Jahre. «Die Menschen versuchen zu begreifen, was ihnen zugestoßen ist», sagt Pantelis Rodosogou von der Athener Buchhandlung Politia. Entsprechende Titel verkaufen sich gut. Alle Verlage versuchten deshalb, mindestens einen Titel im Monat zu diesem Thema herauszubringen, sagt er. Man könne nicht von einer neuen Literatur reden – es seien mehr die Experten, die sich nun äußern. Die Buchhandlung Politia konnte bislang überleben. Dagegen musste im März die traditionsreiche Athener Hestia-Buchhandlung nach 128 Jahren schließen.

«Es stimmt», sagt der im deutschsprachigen Raum wohl bekannteste griechische Kriminalroman-Schriftsteller, Petros Markaris, der mit seinen Krimis um Kommissar Kostas Charitos international bekanntwurde. Die jungen Schriftsteller scheuten den Schritt in die Realität: «Sie haben Angst, sich mit den Problemen der Griechen auseinanderzusetzen», sagt Markaris.

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