InvestChile: Auf der Suche nach ausländischen Investoren

Chiles Staatspräsidentin Michelle Bachelet stellt bei ihrem Besuch der schwedischen Firma Atlas Copco in Santiago die neue Initiative InvestChile vor. Rechts im Foto: AtlasCopco-Geschäftsführer Charlie Ekberg
Chiles Staatspräsidentin Michelle Bachelet stellt bei ihrem Besuch der schwedischen Firma Atlas Copco in Santiago die neue Initiative InvestChile vor. Rechts: AtlasCopco-Geschäftsführer Charlie Ekberg

 

Von Arne Dettmann

Mehr ausländische Unternehmen nach Chile zu locken und ausländische Investitionen zu fördern ist das Ziel der neuen Agentur InvestChile, deren Gründung Staatspräsidentin Michelle Bachelet am Dienstag in Santiago de Chile bekannt gab. «Unsere Strategie ist, nicht nur den Markteintritt zu erleichtern, sondern auch aktiv Investitionen, Produktivität und Innovation zu fördern», erklärte die Präsidentin auf dem Gelände der schwedischen Firma Atlas Copco. An der Präsentation nahmen auch Wirtschaftsminister Luis Felipe Céspedes, Finanzminister Rodrigo Valdés sowie Bergbauministerin Aurora Williams teil.

InvestChile soll demnach Büros bei bedeutenden Handelspartnern wie Japan, Deutschland, England und den USA eröffnen, um vor allem Unternehmen der Zulieferbranche für den Bergbau, der Lebensmittelindustrie, des Tourismus sowie der Sektoren Energie, Logistik und Technologie anzusprechen. Die Tätigkeiten sollen mit den bereits bestehenden Einrichtungen wie der Industrieförderung Corfo, der Stiftung Imagen de Chile zur Imagepflege sowie der Exportagentur ProChile abgesprochen werden. ProChile betreibt derzeit 55 Niederlassungen weltweit, darunter in Berlin und Hamburg.

Die Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem es in der chilenischen Wirtschaft nicht allzu rosig läuft. Die Arbeitslosigkeit stieg im März im Vergleich zum Vorjahr von 6,8 auf 9,4 Prozent. Die Zentralbank wiederum schraubte kürzlich ihre Erwartung für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von zuvor 2 bis 3 Prozent auf nunmehr 1,25 bis maximal 2,25 Prozent herunter.

Die ausländischen Direktinvestitionen gingen laut Consensus Forecasts im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2014 von 22 auf 17,5 Milliarden US-Dollar zurück. Lag ihr Anteil am BIP im Jahr 2014 bei 8,5 Prozent, fiel er 2015 auf 7,2 Prozent. Für dieses Jahr gehen Experten von nur 6,9 Prozent aus.

Ein leicht nachlassendes Interesse an Chile attestiert auch die deutsche Gesellschaft für Außenwirtschaft. Niedrige Rohstoffpreise sowie interne Reformen würden das BIP drücken, so Germany Trade and Invest in der Expertise «Wirtschaftstrends 2015/2016». Aufgrund der Wirtschaftsflaute würden vor allem Investitionen bei Maschinen und im Bausektor verschoben.

Der deutsch-chilenische Ökonom Klaus Schmidt-Hebbel sieht die wirtschaftliche Schwäche rein hausgemacht. Zwar seien die Rohstoffpreise – und damit Chiles wichtigstes Exportgut Kupfer – in den Keller gegangen. Diese Talfahrt würde aber durch niedrige Erdölpreise – Chiles größtes Importgut – kompensiert. Chile werde 2014-2017 voraussichtlich nur ein durchschnittliches Wachstum von 1,9 Prozent aufweisen und damit hinter Staaten wie Kolumbien, Mexiko und Peru (3,0 Prozent) sowie dem Weltdurchschnitt (3,3 Prozent) zurückliegen. Diese Negativtendenz entgegen den positiven Trend sei daher auf fehlende interne Anreize und verkehrte Reformen zurückzuführen, so der Experte in einem Essay in der Zeitung «El Mercurio» am Mittwoch.

Bachelet hatte bereits im Januar auf dem «Investment Forum» in Santiago vor 46 Firmenvertretern aus 21 Ländern dazu aufgerufen, in Chile verstärkt zu investieren. Auf ihrer Reise im Mai nach Europa pries die Präsidentin auf einem Unternehmerforum in Schweden Chile als «ideales Ziel» für Investitionen an.

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