Holzfertigbau – eine neue Marktchance für Chile

Sechsstöckiges Versuchsgebäude in Valparaíso befindet sich im Bau

In Peñuelas, Valparaíso, soll ein sechsstöckiges Versuchsgebäude aus Holz errichtet werden. Foto: Centro UC de Innovación en Madera
In Peñuelas, Valparaíso, soll ein sechsstöckiges Versuchsgebäude aus Holz errichtet werden. Foto: Centro UC de Innovación en Madera

 

Der Fertigbau mit Holz ist vielerorts auf dem Vormarsch – sogar für Hochhäuser. Die Tendenz bietet für Chile als Holzproduzent neue Marktchancen. Ein Pilotbau in Valparaíso soll zeigen, was möglich ist. Die Erfahrungen in Deutschland sind vielversprechend.

Das chilenische Innovationszentrum für Holz der Universidad Católica und dem Holzverband CORMA, abgekürzt CIM, wird demnächst ein sechsstöckiges Versuchsgebäude im Sektor Peñuelas in Valparaíso errichten. Das erste chilenische Holzhochhaus wird in Fertigbauweise entstehen, seine Konstruktion soll in weniger als einer Woche abgeschlossen sein.

Derzeit werden in Chile lediglich 18 Prozent aller Wohngebäude mit Holzbausystemen erstellt. Zum Vergleich: In Kanada beträgt der Anteil 95 Prozent und in den USA 90 Prozent. In Kanada ist kürzlich mit 18 Stockwerken das höchste Holzgebäude der Welt entstanden. Seine Bauzeit betrug neun Wochen.

Auch in Deutschland wird der Fertigbau mit Holz immer weiter entwickelt. Camchal sprach darüber mit Dipl.-Ing. Georg Lange, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Fertigbau e.V.

 

«Holzfertigbau ist konkurrenzfähig»

Camchal: In Deutschland besteht aktuell ein großer Bedarf an neuem Wohnraum. Ist der Bau mit Holz dabei eine konkurrenzfähige und nachhaltige Alternative?

Georg Lange
Georg Lange

Georg Lange: Eindeutig ja. Der Holzfertigbau ist absolut konkurrenzfähig und er ist die nachhaltige Alternative. Das gilt in erster Linie für unseren klassischen Zielmarkt, den Ein- und Zweifamilienhausbau. Lag die deutschlandweite Fertigbauquote noch bis weit in die 80er Jahre hinein im einstelligen Prozentbereich, so hat sich diese inzwischen auf 19,6 Prozent verdoppelt. In einigen Bundesländern, allen voran im Süden und Südwesten Deutschlands, liegt der Marktanteil noch deutlich höher. Spitzenreiter ist Baden-Württemberg mit einer Fertigbauquote von 33,4 Prozent.

Zwei Entwicklungen kommen dem Holzfertigbau in Deutschland besonders zugute: Erstens wird Bauen immer anspruchsvoller und komplexer. Das gilt insbesondere im Hinblick auf die Einbindung technischer Gebäudeausrüstung wie zum Beispiel Lüftungsanlagen, Wärmepumpen und Photovoltaik. Hier tut sich der Fertigbauer als Generalunternehmer und „Systemanbieter aus einer Hand“ naturgemäß leichter. Zweitens sind die baulichen Anforderungen im Bereich der Gebäudehülle und -dämmung gewachsen. Hier kommen die natürlichen Vorteile des Baumaterials Holz zum Tragen. Gleichzeitig erfüllt der Holzfertigbau damit den Wunsch nach ökologischem und nachhaltigem Bauen.

Der Holzfertigbau hat auch im Objektbau – vor allem bei Schulen, Kindergärten, Bürogebäuden und Seniorenheimen – deutlich aufholt. Das gilt insbesondere in solchen Bundesländern, in denen moderne Brandschutzkonzepte das Bauen mit Holz ermöglichen und nicht – wie zum Teil bis heute üblich – diskriminieren. Die modernen Brandschutzkonzepte sind auch Bedingung dafür, dass der Holzfertigbau seine Marktanteile im mehrgeschossigen Wohnbau weiter steigern kann. Hier besteht im wahrsten Sinne noch viel Luft nach oben.

 Das chilenische Innovationszentrum für Holz der Universidad Católica und dem Holzverband CORMA, abgekürzt CIM, wird demnächst ein sechsstöckiges Versuchsgebäude im Sektor Peñuelas in Valparaíso errichten. Das erste chilenische Holzhochhaus wird in Fertigbauweise entstehen, seine Konstruktion soll in weniger als einer Woche abgeschlossen sein.

 

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