Chile stellt Weichen für Green Mining

Positionierung als führender Anbieter von Lithium und emissionsarmen Kupfer

Ökologisch nachhaltige Produktion auch im Bergbau: Die Kupfermine Collahuasi in Chile überprüft ihren sogenannten Kohlendioxid-Fußabdruck.
Ökologisch nachhaltige Produktion auch im Bergbau: Die Kupfermine Collahuasi in Chile überprüft ihren sogenannten Kohlendioxid-Fußabdruck.

 

Chile hat die Weichen gestellt, um in der Andenregion zum Leadplayer in der Anwendung erneuerbarer Energien bei der Rohstoffgewinnung zu werden. Das Land hat sich zudem das Ziel gesetzt, sich unter den führenden Anbietern von Lithium und emissionsarmem Kupfer für die Elektroautoindustrie zu positionieren. Für die deutsche Industrie und F+E entstehen hohe Potenziale.

 

Von Annika Glatz
Project Manager Kompetenzzentrum Bergbau und Rohstoffe Camchal

 

«Wir sind der beste Platz, um führend in der Entwicklung und im Einsatz von Solarenergietechnologien zur Unterstützung unserer Kupfer-, Lithium- und Brennstoffindustrien zu sein», erklärte Marcelo Mena, Umweltminister unter der Bachelet-Regierung im November vergangenen Jahres beim VI. Deutsch-Chilenischen Forum für Rohstoffe und Bergbau in Aachen. Der Minister bezog sich dabei auf die chancenreiche Konstellation der natürlichen Ressourcen im Norden des Landes mit den internationalen Tendenzen hin zum Green Mining, also dem ökologisch nachhaltigen Abbau von Rohstoffen.

Bergbaumesse Expomin 2018

Datum: von Montag, den 23. April, bis Freitag, den 27. April
Ort: Centro de Convenciones Espacio Riesco, Av. El Salto 5.000, Huechuraba
Uhrzeit: von 10 bis 18 Uhr
Eintritt: 10.000 Pesos online, 15.000 Pesos vor Ort
Internet: www.expomin.cl

Die Atacama-Wüste bietet aufgrund der Sonneneinstrahlung weltweit die besten Voraussetzungen für die Nutzung der Solarenergie. Dies bietet dem chilenischen Bergbau, der just in dieser Region angesiedelt ist, die Chance, zu einem der wichtigsten Akteure in der nachhaltigen Rohstoffgewinnung zu werden. Die Zukunftsaussichten stehen gut für Chile: Das Thema E-Mobilität wird die Nachfrage nach nachhaltig produziertem Kupfer stark ansteigen lassen. Chile ist zudem dabei, sich zu einem der wichtigsten Lithiumproduzenten zu entwickeln und hofft, damit auch einen Anteil des für die Zukunft zusätzlichen Bedarfes an Lithium decken zu können.

Das Potenzial für neue, innovative Industrieanwendungen und Sektorkopplung ist groß und wird darüber hinaus den Bedarf an Know-how, Technologie sowie Forschung und Entwicklung erhöhen. Chile wäre dann nicht nur ein wichtiger Lieferant von emissionsfreien Schlüsselrohstoffen für die deutsche Industrie, sondern auch ein hochinteressanter Markt für Innovationen im Bereich der Umwelt- und Nachhaltigkeitstechnologien deutscher Akteure.

 

Kooperationsvereinbarung zwischen BMW und Codelco

Eine im Januar 2018 unterzeichnete Kooperationsvereinbarung zur Zusammenarbeit bei der nachhaltigen und transparenten Versorgung mit Kupfer zwischen der BMW Group und dem staatlichen Unternehmen Codelco veranschaulicht die komplementären Interessen zwischen Deutschland und Chile. Das Abkommen zielt darauf ab, die Transparenz in der Kupferlieferkette von der Gewinnung bis zur Installation im Auto zu erhöhen. Die Responsible Copper Initiative soll gemeinsam mit anderen Akteuren dazu beitragen, die Voraussetzungen für neue Standards in der nachhaltigen Metallverarbeitung zu schaffen. Codelco positioniert sich damit klar als einer der ersten Akteure, der die internationale Nachfrage nach nachhaltig gewonnenen Rohstoffen und transparenten Lieferketten erkannt hat und in Zukunft bedienen möchte.

Gonzalo Cuadra, Vizepräsident Codelco London; Thomas Becker, ‎Leiter Politik und Außenbeziehungen BMW; Laura Albornoz, Leiterin Codelco Corporate Government and Sustainability Board Committee; Rodrigo Toro, Vizepräsident Verkauf Codelco; Patricio Chávez, Vizepräsident Corporate Sustainability & Public Affairs Codelco; Victor Pérez, Vizepräsident Commercial Planning & Market Development Codelco; Thomas Thym, Vizepräsident Strategy Purchasing and Supplier Network BMW Group. Foto: BMW Group
Gonzalo Cuadra, Vizepräsident Codelco London; Thomas Becker, ‎Leiter Politik und Außenbeziehungen BMW; Laura Albornoz, Leiterin Codelco Corporate Government and Sustainability Board Committee; Rodrigo Toro, Vizepräsident Verkauf Codelco; Patricio Chávez, Vizepräsident Corporate Sustainability & Public Affairs Codelco; Victor Pérez, Vizepräsident Commercial Planning & Market Development Codelco; Thomas Thym, Vizepräsident Strategy Purchasing and Supplier Network BMW Group. Foto: BMW Group

Auch in anderen Bereichen zeichnen sich Kooperationspotenziale ab. So wird die Chance, mittelfristig erneuerbare Energien zu niedrigsten Preisen für die Entwicklung und Produktion «grüner» Kraftstoffe auf Wasserstoffbasis in Chile einzusetzen, von Experten hoch bewertet. Sie bietet enormes Potenzial für die Entwicklung und Pilotierung innovativer deutscher Antriebstechnik und Großmotoren für Industrieanwendungen auf Wasserstoffbasis.

 

Entsalzung von Meerwasser

Ein weiterer Bereich ist die Meerwasserentsalzung, die verstärkt zur Versorgung des Bergbaus eingesetzt werden wird. Hier ergeben sich Potenziale für deutsche Membran-, Pump- und Antriebstechnik ebenso wie für die Forschungszusammenarbeit bei der Entwicklung effizienter Technologien. Auch im Bereich der Technologie für stationäre Speicher für Elektro-Fahrzeuge eröffnet sich ein attraktives Feld der Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen und Forschungseinrichtungen.

Des Weiteren verfügt Chile über enorme Salzvorkommen, die als Speichermittel dienen und in neuen Technologien zur Metallauslösung Anwendung finden. So werden Salze abgebaut, die als Speichermedium in solarthermischen und CSP-Kraftwerken eingesetzt werden. Die bisher im Ausland stattfindende Weiterverarbeitung könnte somit in Chile erfolgen.

Das bisher Erreichte bei erneuerbaren Stromerzeugerkapazitäten hat gezeigt, dass Chile in diesem Bereich bedeutende Fortschritte erzielt hat. Über 40 Prozent des chilenischen Stroms wird bereits mit erneuerbaren Energien erzeugt. Neben einem Programm für die Solarindustrie ist zudem das Programm Transforma Minería gegründet worden. Gleichzeitig hat die Regierung eine ehrgeizige Roadmap 2035 für den Bergbausektor unter breiter Stakeholder-Beteiligung erarbeitet, in der die Innovationsbedarfe detailliert beschrieben sind.

 

Deutsch-Chilenischer Cluster zur nachhaltigen Rohstoffgewinnung

Die AHK Chile unterstützt die Entwicklung von Initiativen in dieser innovativen Thematik. In diesem Jahr startet mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ein Projekt zur Gründung eines deutsch-chilenischen Cluster zur nachhaltigen Rohstoffgewinnung mit einer Laufzeit von drei Jahren. Ziel ist es, ein neues bilaterales Kontaktnetz der wichtigsten Stakeholder beider Länder aufzubauen, die an der Produktion grüner Rohstoffe und ihrer Nutzung in der deutschen Industrie interessiert sind.

Das Kompetenzzentrum Bergbau und Rohstoffe der Camchal nimmt im Rahmen des deutschen Gemeinschaftsstandes auch in diesem Jahr an der Messe Expomin teil. Dort wird sie ihre Lieferantenguide «Made in Germany» lancieren, in der sich deutsche Zulieferer von Technologien, Produkten und Dienstleistungen dem chilenischen Bergbau präsentieren.

Unter der Wirtschaftspolitik des neuen konservativen Präsidenten Sebastián Piñera ist mit günstigen Ausgangsbedingungen zu rechnen. In einer seiner ersten öffentlichen Auftritte kündigte der neue Bergbauminister Baldo Prokurica an, Präsident Piñera habe ihn damit beauftragt, die Minenindustrie als Motor für die Belebung des Wirtschaftswachstums zu positionieren. «Der Bergbau macht im Durchschnitt ein Zehntel des nationalen BIP und die Hälfte der chilenischen Exporte aus. Seine zukünftigen Leistungen hängen von der Fähigkeit ab, die Branche innovativer, wettbewerbsfähiger und nachhaltiger zu machen», erklärte er der Presse.

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