EU-Gericht verbietet Genkartoffel «Amflora»

Luxemburg/Brüssel (dpa) – Das EU-Gericht verbietet den Anbau und Vertrieb der umstrittenen Gentechnik-Kartoffel «Amflora». Die Knolle wird allerdings schon seit 2011 in Europa gar nicht mehr angebaut. Hintergrund der Entscheidung sind Verfahrensfehler der EU-Kommission bei der Zulassung als Futtermittel und für die industrielle Verwendung durch den Chemiekonzern BASF, teilte das Gericht am Freitag vergangener Woche in Luxemburg mit.

4069_p3b

Die ungarische Regierung hatte gegen den Beschluss der EU-Kommission zur Zulassung von «Amflora» geklagt. Greenpeace zeigte sich begeistert von der Entscheidung gegen «die Kartoffel, die keiner wollte». BASF hält dagegen: «Es wurde keine Entscheidung gefällt hinsichtlich der wissenschaftlichen Bewertung unseres Produktes.» Sowohl die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als auch andere Gremien hätten immer wieder bestätigt, dass es sich um ein «sicheres Produkt» handele.

Nur zwei genetisch veränderte Pflanzen sind in der EU bisher zum Anbau zugelassen: die Maissorte MON 810 und die Kartoffel «Amflora». Die Kartoffel kann wegen ihres hohen Stärkegehalts etwa in der Klebstoff- oder Garnproduktion genutzt werden.
Anfang 2012 hatte BASF angekündigt, den europäischen Markt für Pflanzenbiotechnologie weitgehend aufzugeben und den Sitz seines Tochterunternehmens aus der Nähe von Ludwigshafen in die USA zu verlegen. In diesem Schritt sah sich der Konzern nun bestätigt. Zur Begründung hatte es geheißen, in weiten Teilen Europas fehle die Akzeptanz.

Dreizehn Jahre lang hatte der Konzern um die Zulassung der Kartoffel gerungen. Doch im Fall von «Amflora» hatte es immer wieder Proteste gegen den Anbau gegeben, auf einem Feld in Mecklenburg-Vorpommern mussten die Kartoffeln sogar von Polizisten bewacht werden. Zudem hatte etwa das Bundesverfassungsgericht der Gentechnik in der Landwirtschaft enge Grenzen gesetzt. Die Gen-Kartoffel ist allerdings auch anderswo bei BASF nicht mehr gefragt: «BASF Plant Science betreibt keinerlei Forschungs- und Geschäftsaktivitäten zur Amflora mehr – weder in Europa noch außerhalb», hieß es.

Print Friendly

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*