Neu in Chile: Erdwärme zum Heizen und Kühlen

Interview mit dem Geologen und Unternehmer Jens-Uwe Pietzsch

Geothermie in Chile
Die Geysire des El Tatio an der Atacama-Wüste: Doch nicht nur dort, auch im Süden Chiles kann natürliche Wärme aus dem Erdinnern als oberflächennahe Geothermie genutzt werden.

 

Geologe und Unternehmer Jens Uwe Pietzsch
Jens Uwe Pietzsch

Jens-Uwe Pietzsch, Geologe und Gründer der Firma Hydronik für oberflächennahe Geothermie in Nordrhein-Westfalen, nimmt derzeit an einer Unternehmer-Reise in Chile der Exportinitiative Erneuerbare Energien des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie teil. Vor drei Jahren ist er mit einem Partner auch in Chile in den jungen Markt für Erdwärme mit der Firma hydro.therm Chile Ltda. eingestiegen. Cóndor-Redakteurin Petra Wilken führte mit ihm ein Interview.

 

Cóndor: Geothermie gehört wie Solar- und Windenergie zu den Erneuerbaren Energien. Was ist an ihr umweltschonend?

Jens-Uwe Pietzsch: Wurde das Heizen bisher oftmals zu 100 Prozent aus fossilen Brennstoffen wie Erdgas realisiert, kann nun mit der natürlichen Wärme unserer Erde geheizt und gekühlt werden. Hierzu wird eine Wärmepumpe eingesetzt, die elektrisch betrieben wird. Mit einem Teil elektrischer Energie können fünf Teile Wärme beziehungsweise Kälte erzeugt werden. Die hohe Effizienz der modernen Wärmepumpen tragen ganz besonders zur Schonung unserer Umwelt bei. Wird der Strom dann noch mit Hilfe von Solar- oder Windenergie erzeugt, erhält man ein zu 100 Prozent sauberes Gesamtsystem auf Grundlage Erneuerbarer Energien.

 

Bitte erklären Sie uns kurz den Unterschied zwischen tiefer und oberflächennaher Geothermie.

In der Regel wird mit der sogenannten Tiefengeothermie Strom und Wärme erzeugt. Hierfür ist die Installation neuer Netze erforderlich, die Investitionskosten betragen zumeist etliche Millionen US-Dollar. Mit der oberflächennahen Geothermie werden Gebäude oder industrielle Prozesse mit Wärme beziehungsweise Kälte aus dem Untergrund – Gestein beziehungsweise Grundwasser – versorgt. Oberflächennah beschreibt dabei Tiefen von maximal 400 bis 500 Metern.

Im Normalfall ist der Einsatz einer Wärmepumpe notwendig, die das Temperaturniveau auf die gewünschten Temperaturen anhebt beziehungsweise absenkt, meist zwischen 5°C und 65°C.

 

Sie sind gerade mit einer deutschen Delegation in Chile unterwegs. Was ist ihr Ziel?

Wir suchen nach Anwendungsmöglichkeiten in ländlichen Regionen. Gerade in den südlichen Landesteilen Chiles gibt es ideale Bedingungen für die Installation von Erdwärmeanlagen. Diese können zum Beispiel helfen, die zum Teil hohe Smogbelastung im Süden zu reduzieren. Wir freuen uns, dass dieses Thema auf großes Interesse stößt!

 

In Deutschland wird Erdwärme als Erfolgsstory gehandelt. Können Sie uns Zahlen zu Energieeinsparung, CO2-Reduzierung und wirtschaftlichen Vorteilen nennen?

In Deutschland wurden bisher etwa 700.000 Erdwärmeanlagen errichtet. Zu diesem Erfolg hat das deutsche Energieeinsparungsgesetz, EnEG, maßgeblich mit beigetragen. Ziel ist es, bis 2050 komplett auf den Einsatz fossiler Brennstoffe zur Wärme- und Kälteversorgung zu verzichten. So wird mit einem Anstieg der Absatzzahlen auf zwei Millionen Wärmepumpen bis 2050 gerechnet. Schon jetzt liegt die CO2-Einsparung einer Wärmepumpenanlage bei etwa 60 Prozent gegenüber einer konventionellen Gasheizungsanlage.

 

Wie schätzen Sie das Potenzial in Chile ein? Ist Erdwärme hier eine Alternative für private Haushalte?

Die privaten Haushalte werden mittelfristig ebenfalls von der Erdwärme profitieren. Zunächst sind es sicherlich größere Objekte, bei denen die Erdwärmeheizung Einzug halten wird, doch schon jetzt gibt es erste dezentrale Erdwärmenetze für Privathäuser in Chile. Die Idee ist, mehrere Wohnhäuser über ein Nahwärmenetz miteinander zu verbinden und zentral zu versorgen. Die guten geologischen Rahmenbedingungen in Chile machen diese Technik besonders interessant.

 

Einer Ihrer ersten Kunden ist ein Hotel. Welchen Vorteil hat es von der Investition in eine Wärmepumpe?

Die Eigentümer des Hotels haben sich für einen energieeffizienten und modernen Neubau entschieden. Sie wollen in die moderne Heiz- und Kühltechnik investieren, da sie sehen, dass sich Erneuerbare Energien lohnen und der Return of Invest schon nach wenigen Jahren erreicht ist. Bedenkt man die lange Lebensdauer von Geothermieanlagen, so freuen sich die Eigentümer auf geringe Betriebskosten und eine hohe Wirtschaftlichkeit. Die Gäste können sich also auf ein umweltfreundliches Haus freuen, in dem die Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert hat.

 

Wir bedanken uns für das Gespräch.

 

Was ist Geothermie?

Geothermie (Erdwärme) ist die unterhalb der festen Oberfläche der Erde gespeicherte Wärmeenergie. Je tiefer man in das Innere der Erde vordringt, desto wärmer wird es. Man geht davon aus, dass im Erdkern Temperaturen von etwa 5.000 bis 7.000 Grad Celsius erreicht werden. Diese in der Erde gespeicherte Wärme ist nach menschlichen Maßstäben unerschöpflich.

Aus dem Innern unseres Planeten steigt ein ständiger Strom von Energie an die Oberfläche. Die Erde strahlt täglich etwa viermal mehr Energie in den Weltraum ab, als wir Menschen derzeit an Energie verbrauchen.

Quelle: Bundesverband Geothermie: www.geothermie.de

 

 

 

 

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