Dreijahres-Tief über Chile

Verhaltenes Wirtschaftswachstum im Andenstaat

BIP Statistik Chile Wirtschaftswachstum
Die Statistik zeigt das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Chile von 2006 bis 2016. Im Jahr 2016 wuchs das BIP um rund 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Von Arne Dettmann

Chile hat das dritte Jahr in Folge ein nur verhaltenes Wirtschaftswachstum aufzuweisen. Nach einer Steigerung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in den Jahren 2014 und 2015 um 1,83 und 2,07 Prozent, legte das südamerikanische Land im vergangenen Jahr um nur 1,5 Prozent zu, wie Chiles Finanzminister Rodrigo Valdés vergangene Woche bekannt gab.

Und das magere Wachstum könnte auch in diesem Jahr anhalten, denn laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds wird das chilenische BIP 2017 um 2 Prozent zulegen, während weltweit eine Zunahme von 3,4 Prozent erwartet wird. Rodrigo Valdés verwies auf das Ende des Rohstoffbooms vor fünf Jahren, der nicht nur das Bergbauland Chile getroffen habe und unter dem auch andere lateinamerikanische Staaten leiden würden. Der IWF geht von einem regionalen BIP-Wachstum von 1,5 Prozent aus, die Weltbank von 1,8 Prozent.

Doch nicht alle Experten lassen externe Gründe für die gedämpfte Investitionslust und das träge Geschäftsklima in Chile gelten. «Wenn Chile das niedrigste Wachstum innerhalb von drei Jahren seit den 80ern aufweist, während die Welt mit ihrer durchschnittlich historischen Steigerung zulegt, dann liegt die Erklärung selbstverständlich bei internen Gründen», erklärte Raphael Bergoeing vom Studienzentrum CEP. Arbeitsmarkt-, Steuer- sowie Bildungsreform der zweiten Regierung unter Staatspräsidentin Michelle Bachelet seit 2014 hätten zu einer Verunsicherung in Unternehmerkreisen geführt und die Investitionslaune gebremst.

Das sieht auch der Ökonom Pablo Correa so: Gäbe es nur eine Flaute auf dem Rohstoffmarkt, hätte Chile immer noch ein BIP-Wachstum von 3 bis 3,5 Prozent in den vergangenen Jahren hinlegen können. Der ehemalige chilenische Finanzminister Rolf Lüders hält entsprechend die unter der Bachelet-Regierung durchgesetzten Reformen für kontraproduktiv und wachstumshemmend.

Licht am Ende des Tunnels ist vielleicht im nächsten Jahr in Sicht. Der IWF stellt für Chile eine Wachstumsprognose von 2,7 Prozent aus, während allerdings weltweit die Wirtschaft sogar um 3,6 Prozent zunehmen wird. Experten verweisen aber darauf, dass Ende dieses Jahres Wahlen in Chile sind. Eine neue Regierung sollte sich zur Aufgabe machen, das Vertrauen der Unternehmer und Investoren in den chilenischen Markt zurückzugewinnen und – so die Hoffnung – einige aktuelle Reformen zu ändern.

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