Die Schatzsuche nach den «Gewürzmetallen»
Seltene Erden sind wichtige Rohstoffe der Hightech-Industrie, unentbehrlich für Handy, Solaranlage und Elektroauto. Sie sind teuer, rar – und werden zu großen Teilen von China kontrolliert. Um die Abhängigkeit zu verringern, ist eine Schatzsuche nach den begehrten Metallen ausgebrochen – in alten und neuen Bergwerken bis hin zu den Recyclinghöfen.
Was ist interessant an Seltenen Erden? Zunächst der Name: Der Oberbegriff hat sich etabliert, da die Namen der 17 besonderen Elemente wie etwa Dysprosium oder Ytterbium schwer über die Lippen gehen. Zweitens: Streng genommen handelt es sich nicht um Erden, sondern um Metalle. Und drittens, wie der Name schon sagt: Sie stehen derzeit nur im geringen Umfang der Industrie zur Verfügung. Ein kurzer Blick in die Geschichte hilft beim Verstehen der aktuellen Problematik.
Ende des 18. Jahrhunderts wurden auf einer Insel in der Nähe der schwedischen Hauptstadt Stockholm erstmals die neuen Stoffe entdeckt. Wegen ihrer großen Ähnlichkeit untereinander dachte man anfangs, dass es sich um nur ein einziges Element handele. Allerdings konnten die Entdecker mit ihrem Fund nicht viel anfangen. Die damalige Welt brauchte diese Elemente noch nicht.
Das änderte sich erst mit der Entwicklung der modernen Elektrotechnik. Um kleinere, leichte und transportable Geräte herzustellen, bedarf es Metalllegierungen mit besonderen Eigenschaften. Beispielsweise wäre es unmöglich, einen Touchscreen oder ein i-Phone ohne diese Seltenen Erden zu produzieren.
Die Lagerstätte in Schweden wurde somit im Laufe des 20. Jahrhunderts vollständig abgebaut. Auch im US-Bundesstaat Kalifornien schürfte man nun tiefer. Ab Mitte der 1960er Jahre bis zur Jahrtausendwende wurde der Weltbedarf der Seltenen Erden aus dieser «Mountain Pass Mine» gedeckt.
Seltene Erden werden stets nur in sehr geringen Mengen verwendet. Dies ist ebenfalls ein Grund dafür, warum der Bedarf erst nur langsam anstieg und es deswegen nicht nötig war viele Förderstätten zu erschließen. Salopp könnte man daher sagen, dass es sich um «Gewürzmetalle» handelt. Doch gerade ihre prozentual geringe Beimischung in Legierungen macht deren Recycling sehr schwierig. Eine ertragreiche Wiedergewinnung aus Altbeständen ist kostenaufwendig.
In den 1980er Jahren wurden in China sehr große Vorkommen entdeckt, die verhältnismäßig leicht abbaubar waren. Von Geschäftsinsidern wird gerne ein Spruch des ehemaligen chinesischen Premierministers Deng Xiaoping zitiert: «Der Nahe Osten hat Öl und China hat die Seltenen Erden.» Damit wird deutlich, dass China bei der künftigen Produktion von Hightech dank der Seltenen Erden die Vormachtstellung inne hat.
Tatsächlich nutzte China sein Millionenheer an billigen Arbeitskräften – auch mit dem Umweltschutz nimmt man es im Reich der Mitte nicht so genau –, um den Weltmarkt mit spottbilligen Seltenerdmetallen zu überschwemmen. In der Folge stellte aus wirtschaftlichen Gründen die Mountain Pass Mine ihre Produktion ein. Ironischer Weise kauften sogar die Chinesen die Gerätschaften von den USA und überführten sie in ihr Land. Damit war der Weg einer schnellen Wiederinbetriebnahme der US-Vorkommen ausgeschlossen.
In anderen Ländern, wie beispielweise Australien, Kanada, Grönland oder Schweden, in denen es Indizien für weitere Vorkommen gab, wurden keine Explorationstätigkeiten durchgeführt. Wegen des billigen chinesischen Angebots lohnte es sich finanziell einfach nicht.
Heute sieht die Welt anders aus. Die Massenproduktion von Smartphones und anderen Hightech-Geräten hat den Bedarf an diesen besonderen Metallen stark gesteigert. Die Entwicklung von elektronischer Mobilität, hier sind Deutschland und Japan führend, wird den Bedarf nochmals steigern. Elektroautos beispielsweise werden einen sprunghaften Produktionsanstieg an leistungsfähigen und leichten Batterien nach sich ziehen. Und genau dafür wird das Seltenerdmetall Neodym benötigt.
China steht derzeit massiv in der Kritik, mit seinen Exportquoten und -zöllen von Seltenen Erden die eigene Hightech-Wirtschaft zu bevorzugen beziehungsweise die der westlichen Welt ausbluten zu lassen. Das i-Phone sowie das i-Pad von Apple werden in China produziert – nicht nur, weil es dort billiger ist, sondern weil China seine Hand über den Seltenen Erden hält.
Im Westen scheint man diese Entwicklung ein wenig verschlafen zu haben. China dominiert derzeit über 90 Prozent des Handels mit den begehrten Rohstoffen. Man ist abhängig vom Reich der Mitte. Die Preise sind exorbitant hoch und man muss froh sein, überhaupt Ware in der gewünschten Menge erhalten zu können.
Doch mittlerweile scheint Bewegung ins Spiel um die Seltenen Erden zu kommen. Anleger haben offenbar entdeckt, dass man in diesem Geschäft gut Geld machen kann. Und somit gibt es seit einigen Jahren mehr als ein Dutzend Rohstoffunternehmen, die aussichtsreiche Vorkommen im Erdreich anzapfen wollen. Eine der fortgeschrittensten ist die Lynas Corporation in Australien. Auch in Mountain Pass wird wieder eine Mine installiert. Erste Gesellschaften wollen die Produktion im Jahr 2014 aufnehmen. Ab dem Jahr 2016/17 sollte, so die Hoffnung, der Mangel an Seltenen Erden vorbei sein. Ebenso werden sich die Preise dann wieder normalisiert haben.
Der Gastautor Gregor Janecke ist Begründer von www.optimal-banking.de, eines Webportals für Bankkunden in Deutschland, und beschäftigt sich unter anderem mit Edelmetallen als Anlageform.
Seltene Erden
Bonn (dpa) – Die sogenannten Seltenen Erden sind Metall-Rohstoffe, die zunehmend von wirtschaftlichem Interesse sind. Zu ihnen gehören nach dem Periodensystem 17 Elemente. In einem weiteren Sinn wird die Bezeichnung auch noch für etwa 40 weitere Metalle gebraucht. Diese Stoffe haben außergewöhnliche Eigenschaften und sind daher unentbehrlich für die Herstellung vieler Hightech-Produkte wie etwa Handys, Computer-Chips, Flachbildschirme oder Touchscreens bei Navigationsgeräten. Sie werden auch in Batterien, Magneten, Glasfaserkabel, Katalysatoren und in Energiesparlampen eingesetzt.
Der Begriff Seltene Erden stammt noch aus der Zeit ihrer Entdeckung aus dem 18. Jahrhundert. Sie wurden damals als Oxide (früher auch «Erden» genannt) aus seltenen Mineralien isoliert. Zu den Seltenen Erden zählen etwa Lanthan, Neodym, Dysprosium oder Yttrium. Zu den begehrten weiteren Seltenen Metallen gehören etwa Indium, Germanium, Gallium, Tantal, Tellur oder Molybdän.
Die Weltproduktion der Seltenen Erden lag zuletzt bei etwa 160.000 Tonnen. Bis zu 97 Prozent der weltweiten Förderung und des Angebots kommen aus China, das aber den Export künstlich drosselt und damit auch den Ärger der Welthandelsorganisation auf sich zieht. In Europa gibt es nur unbedeutende Vorkommen. Wegen der technologischen Innovationen steigt die Nachfrage enorm. Deshalb sind Engpässe bei einzelnen Seltenen Erden in den nächsten Jahren nicht auszuschließen.







