Deutsche Bank rutscht noch tiefer in die roten Zahlen

Konzernumbau

Deutschlands größtes Geldhaus steckt mitten in einer radikalen Sanierung. Tausende Stellen werden gestrichen. Das kostet Milliarden. Dem Land fehlt eine internationale Großbank.

Dunkle Wolken sind über der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main aufgezogen. Mit aller Macht will die Deutsche Bank ihre Dauerkrise beenden – und nimmt dafür einen Milliardenverlust in Kauf. Foto: Arne Dedert/dpa

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing drückt beim radikalen Konzernumbau aufs Tempo und nimmt dafür einen noch höheren Milliardenverlust in Kauf. «Wir beginnen nicht erst mit der Transformation der Deutschen Bank. Nach nur zwei Wochen sind wir schon mittendrin», schrieb Sewing am Mittwoch in einem Mitarbeiter-Brief. 

Der Konzernchef will mit einer grundlegenden Neuausrichtung die jahrelange Dauerkrise des Instituts beenden. Die Zahl der Vollzeitstellen soll bis Ende 2022 um rund 18.000 auf weltweit 74.000 sinken. Mehr als 900 Beschäftigte wurden bereits darüber informiert, dass ihr Arbeitsverhältnis endet oder ihre Stelle entfällt.

Abfindungen für die Beschäftigten und Abschreibungen auf Vermögenswerte zogen das Ergebnis im zweiten Quartal tief in den Keller. Der Konzernverlust lag bei 3,15 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 401 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Die Gesamtkosten des Umbaus beziffert die Bank auf stolze 7,4 Milliarden Euro. Nach drei Verlustjahren in Folge und dem Mini-Gewinn 2018 drohen der Deutschen Bank daher auch im Gesamtjahr 2019 tiefrote Zahlen.

Das Investmentbanking, das der Bank milliardenschwere Strafen einbrockte, wird kräftig gestutzt. Kern der neuen Deutschen Bank soll nach Sewings Willen die neue Sparte Unternehmensbank werden, die sich um Mittelständler, Familienunternehmen und multinationale Konzerne kümmern soll. Im Kapitalmarktgeschäft will sich die Bank auf das Geschäft mit Krediten, Anleihen und Währungen sowie auf Beratung konzentrieren. Aus dem weltweiten Aktienhandel steigt das Institut komplett aus.

Mit den schlechten Zahlen bei der Deutschen Bank ist die Kluft zwischen deutschen und amerikanischen Geldhäusern in den vergangenen Jahren noch einmal größer geworden. Während sich die großen deutschen Banken schwertun, scheffelt die US-Konkurrenz Milliardengewinne. Amerikas Branchenprimus JPMorgan Chase gab vor Kurzem bekannt, alleine im zweiten Quartal fast zehn Milliarden Dollar verdient zu haben. Die Kontrahenten Goldman Sachs und Wells Fargo schnitten zwar deutlich schlechter ab, doch auch von deren Ergebnissen können die Deutsche Bank oder die Commerzbank derzeit nur träumen.

Sondererlöse und ein starkes Geschäft mit Privatkunden haben den Gewinn der größten US-Bank JPMorgan in den drei Monaten bis Ende Juni auf 9,7 Milliarden Dollar klettern lassen. Damit verdiente das Geldhaus rund 16 Prozent mehr als vor einem Jahr. 

Die führende US-Investmentbank Goldman Sachs, die bislang nicht über ein umfassendes Privatkundengeschäft für Verbraucher verfügt, bekam die Handelsflaute hingegen voll zu spüren und musste deutliche Abstriche machen. Verglichen mit dem Vorjahreswert fiel der Gewinn im zweiten Quartal um rund sechs Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar. Der US-Rivale Wells Fargo kämpft nach verschiedenen Skandalen zwar weiter um seinen Ruf, hat den Quartalsgewinn dank Kostensenkungen und seines lukrativen Kreditgeschäfts aber kräftig erhöht. Unter dem Strich legte der Überschuss im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar zu.

Insgesamt belegen die Quartalszahlen einmal mehr, wie sehr die deutschen Großbanken den Anschluss an die US-Konkurrenz verloren haben. Zum Vergleich: Im Auftaktquartal hatte die Deutsche Bank gerade einmal 201 Millionen Euro verdient. Bei der Commerzbank brach der Überschuss im ersten Quartal im Jahresvergleich um mehr als die Hälfte auf 120 Millionen Euro ein. Nachdem ein Zusammenschluss mit der Commerzbank gescheitert war, hatte die Deutsche Bank jüngst einen radikalen Konzernumbau angekündigt.

«30 Jahre lang hat die Deutsche Bank versucht, es mit den großen Investmentbanken der Wall Street aufzunehmen. Nun gibt sie große Teile ihres Geschäfts auf und streicht 18.000 Jobs. Es ist eine Schande mit Ansage», bilanzierte die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» in Hamburg. Ungenügende Kompetenz, falsche Entscheidungen in der Politik führten zu einem «deutschen Sonderweg in den Abgrund». «Es ist auch eine Niederlage im globalen Wettbewerb. Deutschland fehlt eine starke Bank, die seine Unternehmen bei ihren Geschäften in aller Welt unterstützt. Und ganz Europa hat nun kein Geldhaus mehr, das ernsthaft mit Goldman Sachs und Co. konkurriert.»

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