Designschutz für Ersatzteile kostet Autofahrer viel Geld

Viele Ersatzteile für Autos kosten mehr als sie müssten. Das beklagen der ADAC und andere Verbände. Verantwortlich sei das Kanzleramt, das die Interessen der Autokonzerne verteidige.

 

Berlin (dpa) – Autofahrer in Deutschland müssen nach Ansicht des Automobilclubs ADAC viel zu viel für Ersatzteile wie Stoßstangen, Motorhauben und Scheinwerfer bezahlen. Die Autohersteller verhinderten zusammen mit der Bundesregierung, dass der Designschutz für diese Teile aufgegeben werde, kritisierten in Berlin der ADAC, Verbände des Kraftfahrzeuggewerbes und Verbraucherschützer. Autobesitzer müssten deshalb überteuerte Originalteile kaufen und könnten keine günstigeren Konkurrenzprodukte auswählen. Das Verbändebündnis forderte die Regierung auf, im EU-Ministerrat endlich einer 2007 vorgelegten Klausel zuzustimmen, die den Designschutz für Ersatzteile abschafft.

ADAC-Präsident Peter Meyer sagte: «Wir haben belegt, dass der Verbraucher geschröpft wird.» Nach einer Erhebung des Autoclubs wurden von außen sichtbare Karosserie-Ersatzteile in den vergangenen sechs Jahren um 40 Prozent teurer, die übrigen Ersatzteile lediglich um zwölf Prozent. Bei den sichtbaren Ersatzteilen gehe es um einen Markt von drei bis vier Milliarden Euro jährlich. Dennoch blockiere der Chef des Bundeskanzleramts, Ronald Pofalla (CDU), eine Gesetzesänderung. Die CDU/CSU-Fraktion und das Bundesjustizministerium stünden auf der Seite des ADAC.

Die sichtbaren Teile unterliegen in Deutschland zumeist dem Designschutz der Autohersteller. Sie dürfen deshalb nicht von anderen Unternehmen hergestellt oder importiert werden. Wirtschaftsrechtsexperte Roland Stuhr vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sagte, die Autohersteller nutzten ihre Monopolstellung aus. Sie schotteten den Markt im Zusammenspiel mit den Vertragswerkstätten ab. Der Verbraucher habe letztlich keine Wahl. Stuhr erläuterte, der Preis für das Design sei eigentlich mit dem Autokauf ein- für allemal abgegolten. Die Autokonzerne kassierten aber bei den Ersatzteilen noch einmal für das Design.

Der Vorstandssprecher der HUK-Coburg-Versicherung, Wolfgang Weiler, sagte, auch die Autoversicherer spürten die steigende Preise. «Das führt zwangsläufig zu höheren Kosten und damit zu höheren Versicherungsprämien.» Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wies die Kritik zurück. Die Abschaffung des Designschutzes wäre «ein falsches Signal an die Automobilindustrie sowie an Produktpiraten in Schwellenländern».

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