Der Chef wird 80, die Firma 150

Albert Darboven ist ein bekanntes Gesicht in Deutschland, seit er persönlich im Fernsehen für seinen Kaffee warb. Kurz vor seinem 80. Geburtstag steht er noch immer an der Spitze der Firma. Die wiederum besteht seit inzwischen 150 Jahren.

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Hamburg (dpa) – Es gibt einen alten Werbe-Spot mit Albert («Atti») Darboven, hoch über der Elbe. Eine attraktive Kellnerin serviert eine Tasse «Idee»-Kaffee, der Kaffeekönig zwinkert ihr verschmitzt zu und spricht vom «Engel in der Bohne». In diesem kurzen Moment sieht der Zuschauer Darboven, wie er leibt und lebt. Über Jahrzehnte war der Hamburger Gentleman nicht nur der Chef, sondern auch das Fernsehgesicht seiner Firma.

Die Kaffee-Firma Darboven, die «Atti» in inzwischen vierter Generation leitet, wird gerade 150 Jahre alt. Im nächsten Monat (15. April) feiert der Chef zudem selbst runden Geburtstag – seinen 80. Für ihn kein großer Grund zum Feiern. «Vielleicht ein Bier am Abend» – wenn Zeit ist. Denn auf Darbovens Gestüt «Idee» kommen die Fohlen zur Welt. Und Pferdezucht ist wichtiger als Geburtstag. «Ohne Pferde könnte ich nicht leben», sagt er. «Ohne Kaffee aber auch nicht.»

Mit seiner zweiten Ehefrau, einer geborenen Prinzessin von Anhalt, lebt Darboven seit Jahrzehnten unweit seines Gestüts an der Elbe. Er verkörpert für viele den Idealtypus des hanseatischen Kaufmanns. Beim großen Empfang im Rathaus am 21. März hatte sich daher der Bürgermeister höchstpersönlich zum Firmenjubiläum angemeldet.

Seit mehr als 55 Jahren steht Darboven an der Spitze des Unternehmens. Geboren wurde er als Albert Hopusch in Darmstadt. Sein kinderloser Onkel Arthur Darboven adoptierte ihn 1950 im Alter von 14 Jahren und baute «Atti» zum Nachfolger in der Familienfirma auf.

Die war damals noch viel kleiner als heute. Bohnenkaffee war ein Luxusartikel, Ersatzkaffee aus Pflanzen noch nicht ganz vom Markt verschwunden. Mächtige Supermarktketten gab es nicht, der Vertrieb lief über rund 300 000 Tante-Emma-Läden.

Den Start ins Nachkriegsgeschäft verpasste die Firma, weil Arthur Darboven vor der Währungsunion eine Zahlung von 34.000 Reichsmark für eine Rohkaffeequote nicht leisten mochte. Konkurrenten wie Jacobs und Tchibo kamen damals schneller aus den Startlöchern.

Heute ist Darboven der kleinste unter fünf großen Kaffeeherstellern in Deutschland. Doch der Chef kann damit gut leben. Er bewahrte über die Jahrzehnte die Unabhängigkeit und verkaufte das Unternehmen auch dann nicht, als Weltkonzerne wie Nestlé ihm Riesensummen boten.

Gut zwei Dutzend unterschiedliche Kaffee-Marken verkauft er unter dem Darboven-Dach, von «Idee»-Kaffee bis «Mövenpick». Im sogenannten Außer-Haus-Markt – von Spitzengastronomie über Hotels bis zu Kantinen und Krankenhäusern – sieht sich Darboven als Marktführer.

Vor einigen Jahren ergänzte er die Geschäftsführung mit externen Managern; die Firma ist seitdem in einem weithin stagnierenden Markt kräftig gewachsen. Mit rund 1.100 Mitarbeitern erwirtschaftet Darboven derzeit 330 bis 350 Millionen Euro Umsatz, so viel wie noch nie.

Der Hamburger Unternehmer gehört zu den Pionieren des fair gehandelten Kaffees in Deutschland. «Albert Darboven war der erste große Kaffeeröster, der sich für den Fairen Handel interessierte und schon 1993 einen Vertrag mit uns abschloss», sagt Dieter Overath, geschäftsführender Vorstandsvorsitzender von TransFair. «Damals glich diese Vereinbarung einer Revolution.» Eine populäre Kaffeemarke bekannte sich zu Mindestpreisen und Fairtrade-Prämien, um Kleinbauern in Lateinamerika und Afrika bessere Lebens-und Arbeitsbedingungen zu ermöglichen.

Was zunächst bei den anderen Kaffeebaronen auf Befremdung und Abwehr stieß, ist heute in der Branche beinahe Standard oder soll es noch werden. «Wenn der Staat zumindest für fair gehandelten Kaffee auf die Kaffeesteuer verzichten würde, dann würde das den Kaffeebauern einen enormen Schub geben», ist sich Darboven sicher. Mit seinem Einsatz gegen die ungeliebte Kaffeesteuer von 2,19 Euro je Kilogramm liegt er seit Jahrzehnten den Finanzministern ebenso hartnäckig wie vergeblich in den Ohren.

Offen ist bislang, wer den Patriarchen eines Tages an der Spitze des Unternehmens und als Eigner ablösen wird. Es gibt nur einen Nachfahren, einen Sohn aus erster Ehe. Der Versuch, ihn als Nachfolger aufzubauen, ist vor einigen Jahren gescheitert: Arthur Ernesto handelt heute in seinem eigenen Unternehmen mit Rohkaffee.

«Wir haben ein ordentliches Verhältnis», sagt der Vater. Er fühlt sich trotz seines relativ hohen Alters absolut fit, geht jeden Morgen durch das Unternehmen im Hamburger Industriegebiet Billbrook und gratuliert den Geburtstagskindern. «Die nächste Legislaturperiode kann kommen.» Schon früher hat Darboven angedeutet, dass er vielleicht seinerseits einen Nachfolger adoptiert oder einen Teil des Vermögens an eine Stiftung abgibt.

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