Chile will Industrie rund um das «weiße Gold» aufbauen

Internationale Ausschreibung für Lithium-Abbau

Lithium-Abbau im Salar de Atacama: Bisher fördern das US-amerikanische Unternehmen Albemarle sowie die chilenische Soquimich das Alkalimetall. Nun wollen weitere Firmen Schürfrechte erwerben.
Lithium-Abbau im Salar de Atacama: Bisher fördern das US-amerikanische Unternehmen Albemarle sowie die chilenische Soquimich das Alkalimetall. Nun wollen weitere Firmen Schürfrechte erwerben.

 

Chile hat mit dem Vergabeprozess von Konzessionen zum Lithium-Abbau begonnen. Das Land erhofft sich mit dem begehrten «weißen Gold» ein neues industrielles Standbein.

 

Von Arne Dettmann

Chile hat gerufen – und musste nicht lange warten: Bei der Ausschreibung für den Lithium-Abbau im Norden des Landes meldeten zwölf Unternehmen Interesse an, darunter vier chinesische Firmen, der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung, die russische Atomenergieagentur Rosatom sowie der belgische Materialtechnologie- und Recyclingkonzern Umicore. Schürfrechte wollen aber auch die chilenischen Firmen Molymet, Imelsa und das Konsortium Invermer mit Ideoj erwerben.

Sie alle dürfte ein Gedanke einen: Lithium wird immer mehr für die Herstellung von Akkus in Smartphones, Laptops, Kameras und in elektrisch betriebenen Fahrzeugen gebraucht. Und mehr als 70 Prozent der weltweiten Vorkommen des chemischen Elementes werden im sogenannten Lithium-Dreieck Chile, Bolivien, Argentinien vermutet. Das Leichtmetall wird aber nicht nur in Batterien verwendet, sondern kann auch in anderen Verbindungen eingesetzt werden, so in der Glas- und Keramikproduktion, bei Klimaanlagen, Kunststoffen, als Schmiermittel und in der Kernforschung.

Doch anders als in der Vergangenheit wie beim Export von Chile-Salpeter im 19. Jahrhundert sowie aktuell beim Kupferbergbau möchte Chile dieses Mal nicht nur auf die Rolle eines reinen Rohstofflieferanten herabgestuft werden, sondern die Weiterverarbeitung des Lithiums im eigenen Land fördern, um somit an der Wertschöpfung teilzuhaben. Wie schon beim US-amerikanischen Konzern Albemarle (Rockwood), der neben der chilenischen Sociedad Química y Minería de Chile (Soquimich) derzeit in der Salzebene Salar de Atacama Lithium abbaut, sollen auch die zukünftigen Firmen mit der staatlichen Entwicklungsgesellschaft Corfo einen Konzessionsvertrag abschließen, der die Förderung der heimischen Industrie zum Ziel hat.

Die Hoffnungen sind groß. Laut Corfo-Präsident Eduardo Bitrán könnte die chilenische Lithium-Industrie bereits ab dem Jahr 2035 einen jährlichen Export in der Höhe von zehn Milliarden US-Dollar erreichen. Damit wäre dann Lithium das zweitwichtigste Ausfuhrgut nach Kupfer. Die Corfo will in den nächsten Wochen die Angebote der interessierten Unternehmen prüfen und in Verhandlung treten. Die vorgeschlagenen Projekte hätten ein Investitionsvolumen von 30 bis 300 Millionen US-Dollar, so die Corfo, und würden die Schaffung von mehr als tausend Arbeitsplätzen vorsehen. Mit einer endgültigen Konzessionsvergabe wird ab 2019 gerechnet.

Die chilenische SQM hat unterdessen ihr Portfolio ausgedehnt und ist mit dem australischen Unternehmen Kidman ein Joint Venture zur Lithiumförderung im Südwesten Australiens eingegangen. Die Beteiligung wird auf 110 Millionen US-Dollar beziffert und beinhaltet den Abbau sowie die Weiterverarbeitung von 40.000 Tonnen Lithiumcarbonat jährlich ab 2021.

Und auch der Elektroautohersteller Tesla ist im Süden Australiens aktiv. Das US-Unternehmen will dort nach eigenen Angaben das weltweit größte Batteriesystem zur Speicherung von erneuerbarer Energie bauen. Die Lithium-Ionen-Zellen mit einer Gesamtleistung von 100 Megawatt sollen bis Ende des Jahres entstehen und 30.000 Häuser mit Strom versorgen.

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