Chile-Salz für die Welt

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Salz in Hülle und Fülle: Ganze 7,7 Millionen Tonnen förderte K+S im vergangenen Jahr aus dem Lager des Salars de Tarapacá in Nordchile.

Es war die bisher größte deutsche Investition in Chile: Vor zehn Jahren erwarb der Konzern K+S den chilenischen Salzproduzenten Sociedad Punta de Lobos (SPL). Seitdem konnte der Absatz gesteigert und neue Anwendungsgebiete für Salz entwickelt werden.

Von Arne Dettmann

Matthias Mohr ist ganz zufrieden. Und das liegt nicht nur daran, dass er sich freut, seit zwei Jahren wieder mit seiner Familie in Chile zu leben, wo es ihm sehr gut gefällt. Auch war der Geschäftsführer von K+S Chile von Anfang an dabei, als das Bergbau- und Rohstoffunternehmen mit Sitz in Kassel 2006 für fast 500 Millionen US-Dollar die chilenische Sociedad Punta de Lobos übernahm. Der Einstieg in Südamerikas größten Salzproduzenten hat sich bis heute ausgezahlt. «7,7 Millionen Tonnen Salz haben wir im vergangenen Jahr verkauft – das ist Rekord.»

Dir firmeneigene Reederei Empremar verfügt über zwei moderne Schiffe.
Dir firmeneigene Reederei Empremar verfügt über zwei moderne Schiffe.

Dass das Geschäft so gut läuft, lag nicht nur am harten Winter in den USA, wohin ein Großteil verschifft wird, um als Streusalz auf den Straßen für Sicherheit zu sorgen. Auch der Abbau im Norden Chiles weist gegenüber anderen Produktionsstandorten große Kostenvorteile auf. Denn während in einem traditionellen Bergwerk bis zu mehreren hundert Metern tief unter Tage abgebaut wird, braucht in Chile das Salz praktisch nur von der Erdoberfläche gewonnen zu werden.

Ganze 45 Kilometer in der Länge sowie 5 bis 8 Kilometer in der Breite misst der Salar de Tarapacá, die größte Salzlagerstätte der Welt unter freiem Himmel. Hier, etwa 70 Kilometer südöstlich von der Stadt Iquique gelegen, befindet sich Natriumchlorid mit einer Reinheit von 99 Prozent und einer Abbautiefe von derzeit bis zu 60  Meter – ein Vorkommen, das wahrscheinlich ausreicht, für die nächsten Tausend Jahre die Märkte zu beliefern.

Insgesamt 200 Millionen US-Dollar hat K+S in die Verbesserung der Infrastruktur und den Vertrieb investiert.
Insgesamt 200 Millionen US-Dollar hat K+S in die Verbesserung der Infrastruktur und den Vertrieb investiert.

Doch K+S wollte sich trotz dieser guten Ausgangslage nicht auf den Lorbeeren ausruhen, zumal ein Absatzkanal ohnehin ein natürliches Limit aufweist. So ging 2015 nur etwa ein Prozent der gesamten Fördermenge in den Endverbraucherbereich, in Chile gut bekannt als  praktische Salzstreuer von Punta de Lobos, um das Essen aufzupeppen. Auftausalz für die Strassen in Nordamerika  machte dagegen 66 Prozent des Absatzes aus, bei chemischen und industriellen Anwendungen waren es 18 und 14 Prozent. Da nicht zu erwarten ist, dass die Konsumenten plötzlich sehr viel mehr Salz zu sich nehmen – die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt grundsätzlich nicht mehr als fünf Gramm täglich – mussten neue Verkaufsideen her.

Eine zusätzliche Anwendung entwickelte K+S für Lachsfarmen, bei der die antibakterielle Wirkung des Salzes genutzt und eine entsprechende Lösung zur Bekämpfung von Keimen in die Becken zugeführt wird. Im Kupferbergbau wiederum konnte mit der Zugabe von Salz der Prozess des Auswaschens des Erzes bis zur Hälfte verkürzt und damit die Effizienz gesteigert werden. Die entsprechenden Tests und die Ausarbeitung der wissenschaftlichen Grundlage wurden in Kooperation mit der hiesigen Universidad Técnica Federico Santa María abgewickelt. Matthias Mohr: «Bei diesen beiden neuen Anwendungen sind wir nun voll in den Markt eingestiegen.»

Feierstunde anlässlich des 10-jährigen Jubiläums: Cornelia Sonnenberg, Geschäftsführerin der Camchal, Matthias Mohr, Leiter K+S Chile, und Rolf Schulze, deutscher Botschafter
Feierstunde anlässlich des 10-jährigen Jubiläums: Cornelia Sonnenberg, Geschäftsführerin der Camchal, Matthias Mohr, Leiter K+S Chile, und Rolf Schulze, deutscher Botschafter

Zusammengerechnet hat K+S seit dem Erwerb von Punta de Lobos weitere 200 Millionen US-Dollar in Infrastruktur und Vertrieb investiert. «Das sind in unseren zehn Jahren mehr als insgesamt in der über 100-jährigen Unternehmensgeschichte von SPL», unterstreicht der Geschäftsführer.

Im Jahr 2008 wurde der firmeneigene Hafen Patillos, rund 60 Kilometer südlich von Iquique und 27 Kilometer von der Salzlagerstätte gelegen, um einen zweiten Terminal erweitert. Die eigene Reederei Empremar wurde verkleinert und modernisiert und besteht nun mit der «Tarapacá», Baujahr 2011, und der «Atacama», Baujahr 2012, aus zwei leistungsfähigen Transportschiffen. Und 2014 schließlich nahm ein neues Brecherwerk – Investitionskostenpunkt: 20 Millionen US-Dollar – seinen Betrieb auf, mit der die Produktionskapazität auf acht Millionen Tonnen pro Jahr gesteigert wurde.

Vom firmeneigenen Hafen Patillos gelangt das Salz zu den Absatzmärkten.
Vom firmeneigenen Hafen Patillos gelangt das Salz zu den Absatzmärkten.

Der Blick geht nun nach Peru, das mit seinen wirtschaftlichen Wachstumsraten ein attraktiver Absatzmarkt zu sein verspricht. «Wir wollen dort neue Konsumenten gewinnen und unseren Marktanteil kräftig steigern», erklärt Matthias Mohr. Derzeit nimmt beim Retail von Speisesalz Chile 75 Prozent des gesamten Verkaufs ein, Brasilien kommt auf 22 Prozent, während Peru bei zwei Prozent liegt; andere Länder machen ein Prozent aus. Matthias Mohr: «Da liegen noch viele Chancen.»

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