Carsharing nun auch in Santiago de Chile

Der Anbieter Awto wurde von der Kaufmann-Gruppe gegründet

Carsharing in Chile: Francisco Loehnert, Geschäftsführer von Awto vor der Zentrale in Providencia.
Carsharing nun auch in Chile: Francisco Loehnert, Geschäftsführer von Awto vor der Zentrale in Providencia.

Seit Juli 2016 gibt es in Chile den ersten Carsharing-Anbieter. Awto ist von der Kaufmann-Gruppe gegründet worden, um sich an dem wachsenden Markt des geteilten Autos zu beteiligen, der inzwischen weltweit 650 Städte erobert hat. Santiago ist nach Mexiko-City und Sao Paulo die dritte Metropole in Lateinamerika.

 

Von Petra Wilken

Überall platzen die Städte aus allen Nähten, der öffentliche Nahverkehr kommt nicht hinterher und immer mehr Menschen haben die finanziellen Mittel, um sich ein Auto zu leisten – oder den Zweit- oder sogar Drittwagen der Familie. «Dabei steht ein Privatwagen im Durchschnitt 97 Prozent der Zeit auf einem Parkplatz oder in der Garage und wird nur zu drei Prozent genutzt», erklärt Francisco Loehnert, Geschäftsführer von Awto. Nach seinen Angaben ersetzt ein geteiltes Auto zehn bis 15 private Wagen.

Awto hat inzwischen eine Flotte von 50 Autos in Santiago aufgebaut, darunter gibt es Citycars wie den Suzuki-Swift, aber auch größere Modelle wie den Mercedes Citan, und bald soll der Mercedes A 200 als Vertreter der Luxusklasse hinzukommen. Im Angebot sind Benziner und Hybrid-Pkw mit kombiniertem Verbrennungs- und Elektromotor. Derzeit sind 36 Stationen in Santiago eingerichtet, an denen die Pkw abgeholt und zurückgegeben werden können, und zwar befinden sie sich in den Stadtvierteln Lo Barnechea, Vitacura, Las Condes, Colina, Providencia, Peñalolén, La Reina, Ñuñoa, Huechuraba und Santiago Zentrum. 

Im Sommer hat Awto zudem Viña del Mar als neuen Standort gestestet. Francisco Loehnert: «Da sind Leute für 15.000 Pesos von Santiago nach Viña gefahren. Wenn jemand einen Wagen von uns den ganzen Tag nimmt, dann ist das mit etwa 50.000 Pesos immer noch ein wettbewerbsfähiger Preis. Doch das ist nicht unser Ziel. Wir wollen nicht, dass die Leute ein Auto den ganzen Tag benutzen. Wir wollen, dass unsere Autos so viel wie möglich geteilt werden.»

Das System ist dem des in Santiago weit verbreiteten Bike-Sharings ähnlich. Um Zugang zu erhalten, schreibt man sich als erstes auf der Webpage www.awto.cl als Mitglied ein. Dazu schickt man ein Foto vom Führerschein und vom Ausweis. Einmal als Mitglied aufgenommen, kann es losgehen. Man lädt die App von Awto auf sein Handy und kann damit an den jeweiligen Standorten gucken, ob das gewünschte Auto verfügbar ist und es reservieren.

Die App, die von Awto selbst entwickelt wurde, zeigt einem sogar auf einer Karte den Weg bis zum Standort an. Einmal am Awto-Auto angekommen geht es mit einem weiteren Klick im Smartphone auf und gleichzeitig wird der Schlüssel freigeschaltet. Wer die App nicht auf dem Handy hat, kann das Fahrzeug auch mit einer Chipkarte öffnen.

Die Nutzung wird nach Minuten abgerechnet, wobei es drei alternative monatliche Grundtarife gibt. Als Beispiel: Eine gefahrene Minute kostet 120 Pesos und die Parkzeit wird mit 60 Pesos pro Minute berechnet. Im Preis inbegriffen sind Benzin, die «Tag»-Gebühr und Versicherungen. Wenn es einen treffen sollte, dass nachgetankt werden muss, so geht das auf Kosten von Awto an Tankstellen von Copec. Auch die Standorte der Fahrzeuge befinden sich oft auf dem Gelände der Copec-Tankstellen, mit denen das Unternehmen ein Abkommen hat.

«In Chile gibt es keine Unterstützung des Staates. In anderen Ländern stellen die Kommunen Parkplätze fürs Carsharing zur Verfügung. Hier ist es nicht einfach, Standorte einzurichten», so Loehnert. Neben den Tankstellen verfügt Awto über Stellplätze in der Mall Alto Las Condes, in mehreren Einkaufszentren der Kette Mall Plaza sowie an Hotels und zum Beispiel an der Universidad Católica.

«Unsere Nutzer haben ihr tägliches Transportproblem bereits gelöst, aber brauchen hin und wieder ein Auto für ein paar Stunden, um zum Beispiel in den Supermarkt oder zum Shopping zu fahren. Die durchschnittliche Nutzung dauert ein bis zwei Stunden», erklärt der junge Geschäftsführer. Inzwischen hat die Firma 1.300 eingeschriebene Mitglieder. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwa 150 Carsharing-Anbieter, bei denen über 1,7 Millionen Bundesbürger registriert sind.

Deutschland und Chile sind natürlich aufgrund der Größe des Marktes nicht zu vergleichen, doch auch Awto hat sich vorgenommen, Mitgliederzahl, Pkw-Flotte und Standorte bedeutend zu erweitern, da damit das Teilen der Autos immer attraktiver wird und das Nachhaltigkeitsziel der Abschaffung oder Vermeidung des Kaufes von eigenen Pkw erreichbarer wird.

In einer Umfrage, die Awto kürzlich bei seinen Mitgliedern gemacht hat, kam heraus, dass einige tatsächlich schon ihr Auto abgeschafft hätten. Laut Francisco Loehnert sparen sie im Durchschnitt zwischen 225.000 und 300.000 Pesos im Monat, eine Summe, in der unter anderem der Anschaffungswert, Benzin, Parkgebühren, Versicherungen und Instandhaltung berechnet sind.

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