Bosch profitiert vom Autoboom in China

Das vollautomatische Auto: Einparkhilfen, Abstandsregler oder Anti-Schleudersysteme sind auf dem Wachstumsmarkt in China stark gefragt. Gute Aussichten für den deutschen Zulieferer Bosch.

Suzhou (dpa) – Auf dem Testgelände des Werkes von Bosch in Suzhou in Ostchina stehen die Prototypen neuer Automodelle gleich reihenweise nebeneinander. Die Karosserien sind mit wilden Mustern überklebt, damit die neu entwickelten Chassis chinesischer und internationaler Autohersteller nicht erkannt werden können. Ausgestattet sind die Prototypen mit dem elektronischen Stabilitäts-Programm (ESP) gegen Schleudern, Anti-Blockiersystem (ABS), modernen Parkpiloten oder Abstands- und Geschwindigkeitsreglern. Systeme und Sensoren müssen speziell auf jedes Wagenmodell elektronisch eingestellt werden – je nach Größe, Gewicht oder Fahreigenschaften auf unterschiedlichen Straßenbelägen. Mit Wasser bespritzte Kacheln simulieren vereiste Straßen, um in alle Lagen die Rutscheigenschaften zu testen.

«Chinas Autokunden werden anspruchsvoller», sagten die Aussteller auf der internationalen Automesse in Shanghai, die Ende April stattfand. Mit neuen, immer aufwendigeren Assistenzsystemen umwerben nicht nur internationale, sondern auch chinesische Autobauer die Kunden auf dem größten Kfz-Markt der Welt – und kaufen ihre Teile dafür bei Bosch. Das rasante Wachstum im Reich der Mitte bescherte dem großen deutschen Zulieferer seit zehn Jahren durchschnittlich 25 Prozent Wachstum im Jahr.

Rosige Zeiten versprechen besonders die Hilfen für chinesische Autofahrer. Jedes Jahr kommen 22 Millionen Fahranfänger auf Chinas Straßen. «Schöne Aussichten», freut sich Thomas Elsässer vom Entwicklungszentrum der Suzhou Bosch Automotive Products (RBAC), wo auch Einparkhilfen entwickelt werden. Mehr als die Hälfte der Fahrer räumt in Umfragen ein, Probleme beim Einparken zu haben. «Chinesische Autofahrer sind überhaupt viel empfänglicher für neue Systeme.»

Technologie für den boomenden chinesischen Automarkt macht den Löwenanteil von 59 Prozent des China-Geschäfts aus. Zwar schwächt sich die Konjunktur auch in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt etwas ab, aber Peter Löffler, Vizepräsident von Bosch in China, rechnet weiter mit rund 15 Prozent Wachstum im Jahr.

Seit 100 Jahren ist Bosch schon in China tätig, auch wenn das Geschäft erst nach Beginn der Reform- und Öffnungspolitik in den 80er Jahren richtig anfing. Heute beschäftigt das Unternehmen 34.000 chinesische Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz in China schon 41,7 Milliarden Yuan, umgerechnet 5,1 Millionen Euro. Ein Viertel seines weltweiten Geschäfts macht Bosch im Asien-Pazifik-Raum. «Der Anteil steigt», sagt Löffler. Und der Anteil Europas von mehr als der Hälfte (2012: 57 Prozent) «nimmt relativ gesehen ab».

Kulturell gehen beide Seiten aufeinander zu. «Wir sind ein chinesisches Unternehmen, zugleich aber auch deutsch», sagt Löffler. 10 bis 20 Prozent des Führungspersonals soll deutsch bleiben.

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