«Über den Tisch gezogen»

Kupfer, Gold, Seltene Erden: Die Bodenschätze in der Mongolei treiben die Fantasien internationaler Konzerne. Aber das Land hat Sorgen, von den Multis benachteiligt zu werden.

Ulan Bator (dpa) – Die Mongolei ist ein Pilgerort für die internationalen Rohstoffgiganten. Alle wollen beim Geschäft mit den Bodenschätzen zwischen China und Russland mitmischen. Besonders ein Projekt steht für den Traum vom großen Geld: Die Lagerstätte Oyu Tolgoi, ein mächtiges Vorkommen von Kupfer und Gold 550 Kilometer südlich der Hauptstadt Ulan Bator.

Knapp fünf Milliarden Euro wurden laut offiziellen Angaben bereits investiert. Der Bergbauriese Rio Tinto betreibt die Mine. Eigentlich sollten vergangenen Freitag die ersten Kupferlieferungen das Gelände verlassen. Aber in letzter Minute wurde der Termin abgesagt. Branchenkenner sprechen von einem heftigen Streit zwischen Regierung und Unternehmen, offiziell äußert sich bislang keine Seite.

Laut der Zeitung «UB Post»  macht Rio Tinto die Regierung für die Verzögerung verantwortlich. Das Bergbauministerium schiebt seinerseits dem Unternehmen die Schuld in die Schuhe. Ein Regierungsmitarbeiter kritisiert den Vertrag mit dem Konzern als unfair. «Die haben uns über den Tisch gezogen», klagt er. Damals seien einzelne Beamte bestochen worden, und so hätte sich das Unternehmen gewaltige Vorteile erkauft.

Diplomaten bestätigen, dass Rio Tonto zumindest anfangs seine Macht ausgespielt habe. So seien etwa Entschädigungszahlungen an Nomaden gering ausgefallen. Mit der Zeit habe das Unternehmen jedoch Demut gelernt. Und mit dem immensen Investment der Firma habe die Mongolei letztlich keinen schlechten Deal gemacht.

Oyu Tolgoi ist nicht irgendeine Lagerstätte, sondern sie soll zum entscheidenden Wirtschaftsfaktor in der Mongolei werden. Wenn die Mine 2020 voll im Einsatz ist, soll sie etwa ein Drittel des mongolischen Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Der Staat ist zu 34 Prozent an dem Projekt beteiligt. Laut Schätzungen sollen bei Oyu Tolgoi 37 Millionen Tonnen Kupfer und 1.300 Tonnen Gold liegen.

Viele Bürger aber beklagen, dass vom Rohstoffreichtum kaum etwas bei ihnen ankommt. Zwar ist die Zahl der Menschen unter der Armutsgrenze zurückgegangen, aber noch immer lebt laut Weltbank etwa jeder fünfte in Armut. Die Vorbehalte gegen ausländische Unternehmen sind groß. Auf der anderen Seite ist das Engagement internationaler Konzerne entscheidend, denn Wissen und Kapital für die Förderung der Bodenschätze ist im Land nicht ausreichend vorhanden.

Die Weltbank hat die Korruption als ein entscheidendes Problem des Landes ausgemacht. Der Betrieb der Minen werde viel Geld in die Staatskasse spülen. Aber das müsse dafür verwendet werden, auch andere Sektoren neben dem Bergbau auszubauen, um die Wirtschaft auf eine breitere Grundlage zu stellen.

Die Vorbehalte gegen ausländische Einflüsse sitzen tief in der Mongolei. Gegen den heftigen Protest auch der heimischen Wirtschaft hatte das Parlament im Mai 2012 ein neues Investitionsgesetz verabschiedet. Parlamentarier hatten immer wieder vor einem Ausverkauf des Landes gewarnt. In strategischen Branchen wie Bergbau, Bankwesen, Medien und Telekommunikation dürfen ausländische Investoren nur noch maximal 49 Prozent der Unternehmensanteile halten.

Die Auswirkungen sind heftig. Diplomaten sprechen davon, dass in den vergangenen zwölf Monaten die ausländischen Direktinvestitionen in der Mongolei um etwa 60 Prozent zurückgegangen sind. Noch mehr Ärger um Oyu Tolgoi könne das Klima weiter verschlechtern. Der Blick richtet sich nun auf die Präsidentenwahl, die an diesem Mittwoch stattfand. Amtsinhaber Tsakhia Elbegdorj hat Investoren bessere Bedingungen in Aussicht gestellt. Umfragen sehen ihn als Sieger.

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