Elsbeth König – Floristin und Vorsitzende des Vereins der Österreicher

Die Blumenkünstlerin

Elsbeth König: Blumenfee mit österreichischen Wurzeln

«Das Künstlerische liegt eindeutig in unserer Familie», meint Elsbeth König überzeugt. Mit viel Leidenschaft schmückt die Floristin Hochzeiten und andere Events. Als neue Vorsitzende des Vereins der Österreicher engagiert sie sich für die Gründung eines Kulturfonds.

Elsbeth König ist eine strahlende Erscheinung – und das kommt auch von innen. «Ich bin ein positiver, optimistischer Mensch», stellt sie selber fest. Dafür spricht auch, dass nicht jede Mutter so begeistert von dem nicht ganz ungefährlichen Beruf ihres Sohnes erzählen würde. Der 26-jährige Lucas ist nämlich Profi-Slackliner: Er balanciert wie ein Seiltänzer in großer Höhe, macht dabei Saltos und ähnliche Kunststücke. «Meine Söhne sind echte Lebenskünstler», meint sie. Irgendwie liegt der Hang zum Abenteuer in den Genen. Der zwei Jahre jüngere Nicolas hat sich entschieden lieber als Fotograf zu arbeiten, nachdem er beim Insalco eine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann gemacht hatte. Das kam auch nicht von Ungefähr: Schließlich war einer der Ururgroßväter Kapitän – und Grund für Elsbeth Königs chilenische Herkunft. «Er fuhr mit seinem eigenen Schiff über alle Weltmeere, um Waren zu verkaufen. Als er eines Tages beim Kap der Guten Hoffnung in ein schlimmes Unwetter geriet, sagte er zu seiner Familie, die auch an Bord war: ‚Wenn wir hier wieder heil rauskommen, dann bleibt ihr in Valparaíso.‘»

Wiener Wurzeln und Reiselust

So kam es dann auch. Die Reiselust gehört zu den Königs und trieb schon so manches Familienmitglied in die Ferne. Nicht ohne Grund lernten sich ihre Eltern in New York kennen. «Mein Vater, ein gebürtiger Wiener und Ingenieur, arbeitete dort mit Anfang 30 bei einer Firma, während meine Mutter, eine Deutsch-Chilenin und Nachfahrerin des Kapitäns, gerade eine Freundin besuchte.» Die Liebe war so groß, dass ihr Vater der Mutter nach Chile folgte, wo Elsbeth als zweites von drei Kindern dann in Valparaíso geboren wurde. Ein Lebenseinschnitt bedeutete der Umzug nach Los Andes. Elsbeth König erinnert sich gerne zurück an das ruhige Landleben der Familie. Das Mädchen konnte nun nach Herzenslust reiten, Skifahren, schwimmen, Bergsteigen und lange Radtouren unternehmen. Auch die Musik kam nicht zu kurz: Alle drei Geschwister spielten fünf Jahre lang Trompete in den Blaskapellen  ihrer Schulen.

Nach der Schule wollte sie eigentlich Kunst studieren. «Immerhin war mein Ururgroßonkel der bekannte italienische Impressionist Telemaco Signorini», erwähnt sie. Doch ihr Großvater, ehemaliger Hauptzollagent im Hafen von Valparaíso und eine wahre Autorität in der Familie, meinte: «Kind, was willst du damit? Mache etwas Praktisches und lerne beim Insalco Sekretärin. Das kannst du überall gebrauchen.» Also ließ sich die Enkelin überreden. Nach dem Abschluss der zweijährigen Ausbildung in Santiago setzte die 19-Jährige aber durch, zumindest ein Jahr Modedesign zu studieren. Gerade mal mit 20 Jahren heiratete sie ihren Mann. «Nach der Geburt meines zweiten Sohnes hat´s mich aber richtig gepackt.» Sie suchte etwas, um ihrer kreativen Ader endlich freien Lauf lassen zu können und fand genau das Richtige: «Ich lernte Floristin – und  war so begierig darauf loszulegen, dass ich bereits nach meinem ersten eintägigen Floristen-Kurs am Wochenende darauf die Dekoration einer Einweihungsfeier für ein Sportcenter übernahm.» Acht Jahre habe sie im Süden die schönsten Hochzeiten und die Semanas Musicales de Frutillar gestaltet, schwärmt die Blumenkünsterlin. Das Modestudium sei ihr dabei zu Gute gekommen: «Ich wusste sofort, welche Farben und welche Formen zusammenpassen und dekorativ aussehen.» Doch nicht nur das war wichtig zu wissen: «Ich hatte auch von meinem Vater, dem Maschinenbauingenieur, gelernt, mich gut zu organisieren: Wie lange braucht man für ein Gesteck usw. So hatte ich immer den Überblick und alles ging ruckzuck.» Durch diese Arbeit lief sie irgendwann Nicola Schiess über den Weg, der Leiterin des Teatro del Lago. Vier Jahre arbeitete sie als ihre Assistentin und konnte sich nebenbei auch «künstlerisch richtig austoben.»

Zwei sich ergänzende Seiten

Wenn man sie fragt, was denn ihre deutsche Seite sei, meint sie: gut organisiert, genau und perfektionistisch. Und die chilenische: flexibel und gut im Improvisieren. Mindestens genauso fühlt sich die schlanke Frau als Österreicherin und vor allem als Wienerin: «Wenn ich in der österreichischen Hauptstadt bin, dann gehe ich zum Stephansdom und fühle mich sofort zuhause, sobald ich die Glocken läuten höre. Nach zwei Wochen fange ich an, ʼWienerischʼ zu sprechen.»

Seit diesem März ist sie die Vorsitzende des Vereins der Österreicher. «Wir sind ein super Team und mir macht es ja viel Spaß, etwas zu organisieren: Ostern, Laternenfest, Nikolaus, Weihnachtssingen und die Stammtische und Ausflüge.» Viele neue Mitglieder, vor allem Familien mit Kindern, hat der Verein. Eine Neuigkeit gibt es: «Wir gründen gerade einen Kulturfonds.» Damit ist Elsbeth König auch wieder in ihrem künstlerischen Element:«Vor allem Musiker und Künstler aus Österreich wollen wir damit engagieren.»

Was hat die unternehmungslustige Frau als nächstes vor? «Fünf  Jahre war ich nun bei der  Deutschen Schule als Assistentin für die Stundenplanerstellung und Vertretungspläne verantwortlich. Ab März 2020 werde ich mich meinen eigenen Projekten widmen, angefangen mit den Blumen. Es wird spannend!»

Wer mehr über den Verein der Österreicher in Chile wissen will, wendet sich bitte an info@austriacos.cl  oder an Facebook «Österreicher in Chile oder Austriacos en Chile»

Wer die Arbeit von Elsbeth König als Floristin kennen lernen möchte, findet sie in Instagram unter @elskonig.

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.