Bäckerei «La nota dulce»: Laugenbrötchen und Donauwellen in Ñuñoa

Martin Kockelke in der Backstube von «La nota dulce»
Martin Kockelke in der Backstube von «La nota dulce»

Eigentlich wollte Martin Kockelke nie mehr weder große noch kleine Brötchen backen. Aber in Chile entdeckte er sein Herz für Salziges und Süßes aus dem Ofen neu.

 

Von Stefanie Hornung

In den Räumen der kleinen Bäckerei «La nota dulce» in Ñuñoa riecht es verführerisch nach frischem Brot. Auf dem Blech warten 22 Laugenbrötchen auf Abkühlung, einige mit Sesam und Mohn bestreut oder ganz traditionell mit grobem Salz. So simpel die Brötchen aussehen, so anspruchsvoll ist ihre Herstellung. Die Teiglinge aus Weizen-Hefeteig werden in Natronlauge getaucht und dann gebacken, bis die typische braunglänzende Oberfläche und die hellen Teigaufrisse zu sehen sind.

Für die optimale Bräunung sorgt der ganze Stolz von Martin Kockelke: «Das ist ein Profi-Ofen aus Deutschland, der ist abgenommen und zertifiziert.» Neben seinem Hauptarbeitsgerät hat der gelernte Bäcker vieles aus Deutschland importiert. «Für manche Back- und Konditoreiwaren brauche ich spezielles Werkzeug, das es hier nicht gibt.»

 

Ausbildung zum Bäcker

Der 51-Jährige stammt aus Bad Fredeburg in Nordrhein-Westfalen. Dort machte er auch seine Ausbildung zum Bäcker, die er mit dem Meister abschloss. Krankheitsbedingt schulte er zwischenzeitig zum Kommunikationselektroniker um und verdiente damit lange Jahre seine Brötchen. Erst als er 2011 – der Liebe wegen – nach Chile übersiedelte, entdeckte er seinen früheren Beruf neu. «Mir war schon klar, dass ich in meiner neuen Heimat eher als Bäcker denn als Kommunikationselektroniker Fuß fassen kann», erklärt er. Und so buk er zuerst zwei Jahre in Concepción Brote und Brötchen für die Fans der deutschen Backkultur, bevor er mit seiner späteren Frau Ana Maria Molina, einer Biochemikerin, nach Santiago übersiedelte.

In Ñuñoa, im Haus der Schwiegereltern, hat er seitdem seine Backstube, die er noch in diesem Jahr um einen Verkaufsraum erweitern möchte. Bislang bestellen seine Kunden entweder via WhatsApp oder telefonisch. Auch die nahegelegene Schweizer Schule nimmt regelmäßig Ware ab, ebenso wie das Geschäft «Deutschkind» in Vitacura.

 

Vollkornbrote, Brötchen und Brezeln

«Auf dem Wunschzettel der Kunden stehen vor allem Vollkornbrote, Brötchen und Brezeln. Aber auch Donauwellen, Mohnstriezel, Zimtschnecken und Berliner gehen gut», freut sich Martin, der sich in seiner Freizeit mit Tennis und Fitness in Form hält – wenn ihn nicht seine Kinder Matteo (1) und Amalia (4) auf Trab halten. Die beiden sind auch der Grund dafür, dass der begeisterte Hobbyfotograf an den Wochenenden gern mit der Familie ins Grüne fährt: «Einfach mal durchatmen und die Natur genießen ist wichtig.»

Nach Deutschland zieht ihn so schnell nichts zurück. Als Selbstständiger genieße er es, dass die Bürokratie in Chile doch erheblich weniger kompliziert und die private Krankenversicherung im Gegensatz zu Deutschland noch bezahlbar sei. «Das Einzige, worüber ich mir Gedanken machen muss, sind meine Kinder. Das Bildungssystem in Deutschland ist sehr gut und die öffentlichen Schulen kostenlos. Ansonsten bin ich hier sehr glücklich.» Und seine Familie ist es auch, die ihn einen Nachteil des Lebens weit weg von Deutschland vergessen lässt: die alten Freunde fehlen. «Sie lassen sich einfach nicht so schnell ersetzen.»

Bäckerei und Konditorei «La nota dulce»

Santa Julia 104
Ñuñoa
Telefon: +56 98 92 58 117

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