Zurück zur Natur

Seit 17 Jahren ist der gelernte Wirtschaftsingenieur bei den verschiedenen Schifffartsunternehmen der Familie von Appen tätig. Zurzeit widmet er sich der Firma Transmares, die Vielzweck- und Containerschiffe betreut.

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Von Walter Krumbach

«Ich begann hier bei Ultragas, ein Unternehmen, welches Tanker und Gastransport betrieb», erinnert er sich. Später sattelte er zu den Massengutfrachtern über, die zum Beispiel Mais, Kohle oder Düngemittel transportieren. Zehn Jahre arbeitete er in dieser Abteilung.
Bernd von Malapert befasst sich seit drei Jahren zusätzlich mit den Geschicken der Firma Naviera Los Inmigrantes, die in Zusammenarbeit mit Copec ins Leben gerufen wurde. Diese Tochtergesellschaft entstand, um Kohle, die auf der Insel Riesco gewonnen wird, zu transportieren.
Damit nicht genug, erarbeitet er zusammen mit mexikanischen Geschäftspartnern ein Projekt, «um in Mexiko die Tätigkeit, die wir an der chilenischen und peruanischen Küste verrichten, nach dem gleichen Modell aufzubauen. Es war kurzweilig in dieser Zeit», bemerkt er, «denn ich habe ein bisschen von allem tun müssen».
Von Malaperts Hauptaufgabe ist heute die Geschäftsleitung der Vielzweck-Abteilung. Er und seine Mitarbeiter halten eine Flotte von sieben Schiffen in Betrieb, für die sie Fracht und Verträge mit verschiedenen Kunden suchen. Es handelt sich um Schiffe von zwischen 5.000 und 15.000 Tonnen, die vorwiegend an der südamerikanischen Pazifikküste verkehren. «Unsere Kunden haben hauptsächlich in Chile und Peru ihren Wohnsitz, und daher kommt es, dass wir Verträge mit Firmen wie CAP, Empremar oder Fischmehlproduzenten haben».
Diese Vielseitigkeit der Produkte, die per Transmares über die Ozeane schwimmen, stellen für von Malapert eine Besonderheit dar: «Dadurch ist diese Tätigkeit so vergnüglich, denn man lernt dabei nicht nur eine Menge über Schifffahrt, sondern auch über die verschiedenen Waren, die man transportiert». So hat er sich Kenntnisse auf den Gebieten des Bergbaus, des Salzes und der Düngemittel angeeignet.

Unterhaltsame Tätigkeit
Bernd von Malapert zeigt sich über seinen Aufgabenbereich dankbar, weil er ihn unterhaltsam findet. Dabei fällt ihm ein Gespräch ein, das er mit einem Freund führte, als er sein Universitätsstudium gerade erfolgreich beendet hatte. Dieser meinte damals zu ihm: „Die Welt der Schifffahrt wird dich entweder langweilen und du wirst sie nach sechs Monaten verlassen, oder aber sie wird dir gefallen und du wirst dort sehr lange bleiben.“ «Und genauso kam es: ich bin geblieben, weil mir hier die Arbeit großen Spaß macht. Man hört hier nie auf zu lernen, weil die Tätigkeit so wechselvoll ist.»
Außer dem rein Geschäftlichen und dem Schiffsbetrieb muss von Malapert sich mit den Versicherungen und etlichen weiteren Dingen auseinandersetzen. «Wir haben hier Kollegen, die 40 Jahre im Amt sind und immer noch dazulernen. Diese Industrie ist nicht vor 30 Jahren entstanden», unterstreicht er, «sie hat vielmehr eine jahrhundertelange Geschichte. Es existieren Verträge, die mit Dokumenten, welche vor 100 Jahren aufgesetzt wurden, gleich sind».
Ebenso reizt den kontaktfreudigen Mann die Möglichkeit, ständig mit Kollegen oder Handelspartnern in Santiago, Punta Arenas oder den USA beziehungsweise Brasilien in Verbindung zu sein: «Diese Gespräche beschränken sich nicht nur auf das rein Geschäftliche, sondern man streift dabei auch Themen wie das Leben und die Wirtschaft im eigenen Land», erzählt er, wodurch der Informationsaustausch sich beträchtlich vergrößert.
Bernd von Malapert ist, seitdem er seine Universitätsausbildung beendet hat, für seinen heutigen Arbeitgeber tätig gewesen: «Es war 1998. Ich flog mit Freunden zur WM nach Frankreich, um mich zu entspannen. An dem Tag, an dem ich in Santiago wieder aus dem Flugzeug stieg, war ich im Club Manquehue zum Hockeyspielen. Dort gab mir ein Freund den Tipp, hier doch vorzusprechen. Ich habe es gewagt und so kam es, dass ich seit 17 Jahren hier arbeite.»
Sein Arbeitsplatz befindet sich in Santiago, wo bekanntlich keine Schiffe vor Anker gehen. Wie arbeitet sich ein Manager in der Handelsschifffahrt ein, wenn weit und breit kein Wasserfahrzeug zu sehen ist? «Wenn man auf diesem Gebiet beginnt, ist es ratsam, ein paar Fahrten mitzumachen», meint er, «um zu lernen, was da vorgeht, von der Kommandobrücke bis zum Maschinenraum; sowie den Lade- und Abladevorgang zu beobachten, einschließlich Papierkram natürlich». Er überlegt einen Moment und fügt hinzu: «Wenn man sieben Tage nach Punta Arenas fährt, dann beginnt man auch zu verstehen, wie hart die Einsamkeit, das Isoliertsein für die Mannschaft sein kann».
Bernd von Malapert erblickte in Pforzheim das Licht der Welt. Als er 10 Monate alt war, zog seine Familie nach Chile: «So kam es, dass ich praktisch mein ganzes Leben in Chile verbracht habe». Er wuchs in Santiago auf und besuchte hier die Deutsche Schule. Seit seiner Kindheit fühlt er sich der deutsch-chilenischen Gemeinschaft und ihren Einrichtungen verbunden. So findet er zum Beispiel, dass der Manquehue-Sportverein sein zweites Zuhause ist.
Malaperts Freundes- und Bekanntenkreis formte sich im Laufe der Zeit ebenfalls in der deutsch-chilenischen Gemeinschaft. Er fühlt sich als ein Teil von ihr und macht keinen Hehl daraus, dass ihm dieser Umstand zusagt.
Vor einigen Jahren hörte er ein Rundfunkinterview, welches ihm zu einem Schlüsselerlebnis wurde: «Der Sprecher unterhielt sich mit einem Angehörigen einer der reichsten Familien des Landes. Der zitierte im Laufe des Gesprächs seinen Vater, der ihm einmal gesagt hatte, du und dein Bruder, ihr seid zwei Bevorzugte in einem bevorzugten Land. Das habe ich mir gemerkt. Abgesehen von dem Unterschied, der zwischen Unsereins und diesen superreichen Familien besteht, trifft es doch zu, dass man sich privilegiert vorkommt. Durch das Wohlbefinden und die Erziehung, die mir meine Eltern mitgegeben haben und dazu das einzigartige Land, in dem wir leben, bin ich zu der Ansicht gelangt, dass ich ein Bevorzugter bin.»

Die vier Säulen im Leben
Wie es oftmals zu geschehen pflegt, lag auch bei Malaperts gelegentlich der Gedanke nahe, für ein paar Jahre ins Ausland zu gehen. Familienvater Bernd schlug nach einigen Überlegungen diese Möglichkeit aus. Seine Chile-Bezogenheit hat er sich – sicherlich ungewollt – als Kind angeeignet: «Wir sind damals oft auf das Gut meiner Eltern im Aconcagua-Tal gefahren. Ich habe jedes Mal mit Begeisterung die Berge bestiegen. Da muss ich an den ersten Satz eines Buches denken, dass ich kürzlich gelesen habe, „Sieben Jahre in Tibet“ von Heinrich Harrer: Alle Träume des Lebens beginnen in der Jugend».
Der Satz machte ihm klar, dass er schon als Kind damit träumte, ein Gut in den Voranden zu besitzen, um zu reiten, Berge zu besteigen und dieses hoffentlich mit der Familie zu teilen.
Bernd von Malapert lehnt sich im Leben an vier Säulen: Die Familie, seine Arbeit, seine Freunde und seine Freizeit. «In der Freizeit ist mir das Leben an der frischen Luft besonders wichtig», stellt er fest. Daher suchte er im Süden des Landes nach einem Grundstück fernab des Stadtrummels. Er nahm sich Zeit, damit die Wahl auch richtig ausfiel. Wer sucht, der findet: In Patagonien erwarb er ein Gut, wo er mit Frau und Kindern Zelten, Reiten, Bootfahren, Fischen und Bergsteigen kann. Das Gut erwies sich somit als Freizeit-Idealaufenthalt für eine durchaus sportliche Natur, wie dieser Familienvater es ist.
Wenn er Gelegenheit hat, ins Ausland zu reisen, sind die Naturschönheiten ebenfalls seine erste Wahl. Sein Lieblingsziel ist die Westküste der USA, wo er den Grand Canyon und den Yosemite-Nationalpark wiederholt besucht hat. Für die langfristige Zukunft ist jedoch weiterhin das inländische Patagonien sein bevorzugter Bestimmungsort. Diese südlichen Gefilde bedeuten ihm weit mehr als Urlaubsgenuss: sie sind die Heimat.

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