«Wir wollen Exzellenz»

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Seit drei Jahren ist Christian Haas Vorstandsvorsitzender der Deutschen Schule in Concepción (DSC). Die Einrichtung setzt nicht nur auf Sprachen und akademische Leistung, sondern ist auch ein wichtiges Bindeglied innerhalb der lokalen deutsch-chilenischen Gemeinschaft.

Von Arne Dettmann

Steil aufwärts geht es nicht nur mit San Pedro de la Paz, eine der am schnellsten wachsenden Gemeinden Chiles. Stramm aufwärts gehen muss hier auch der Fußgänger, der die auf einem Hügel gelegene Deutschen Schule Concepción besuchen möchte. Etwas aus der Puste dann oben angekommen, kann der Gast den tollen Ausblick genießen. Auf der Südseite des Bio-Bio-Flusses geht die Sicht über den benachbarten Deutschen Sportverein auf die große, von Wald umsäumte Lagune, auf der auch gerudert werden kann.
Mit der Einweihung des Neubaus der Schule in San Pedro de la Paz begann im Jahr 2008 eine neue Etappe mit vielen neuen Herausforderungen, die auch auf der pädagogischen und akademische Ebene folgten, obwohl das Bauen nie zu Ende kommt. Im vergangenen Jahr kam ein nagelneues Auditorium mit 150 Sitzplätzen hinzu. Die eigene, neue Mehrzweckhalle ist nicht nur schön mit Holz vertäfelt, um sie bequemer zu machen und den Lärm zu dämpfen, sondern sie verfügt jetzt auch über eine Bühne für Vorführungen. Draußen führt eine eigene Auffahrt vor das geschwungene Gebäude. Keine Frage: Hier herrschen optimale Rahmenbedingungen vor, hier wird Lernen wohl nicht zur Qual.
Doch wer den Vorstandsvorsitzenden etwas provokant danach fragt, weshalb Eltern in Concepción und Umgebung denn nun ausgerechnet ihren Nachwuchs bei der Deutschen Schule anmelden sollten, der wird von ihm die ausgezeichnete Infrastruktur nur als ein Argument unter vielen hören. Christian Haas redet lieber über akademische Vorteile.
«Heute bietet unsere Schule eine Bildung, die sich nach internationalen Standards richtet und sich durch Kompetenzorientierung und einen hohen akademischen sowie ethischen Anspruch auszeichnet.», erklärt der 46-Jährige, der in Concepción geboren wurde und hier auf die Deutsche Schule ging. «Das Ziel ist, unsere Schüler zu verantwortungsvollen, ausdauernden, aufrechten, kompetenten und fähigen Bürgern zu erziehen, die ihren Beitrag zu einer multikulturellen und friedvollen Welt leisten.» Die Schule bietet seit 2010 das gemischtsprachige Internationale Baccalaureate (GIB) an, wobei Fächer auf Spanisch, Deutsch und Englisch unterrichtet werden. Neben Concepción bieten diesen international anerkannten Schulabschluss noch die DS Sankt-Thomas-Morus, Valparaíso und Valdivia an.
Sprachförderung sei also ein starker Pluspunkt der Deutschen Schule von Concepción. Vom Kindergarten bis zur 4. Klasse würde nun auch das bilinguale Sprachkonzept angewendet, bei dem jeweils ein Erzieher auf Spanisch und ein anderer auf Deutsch mit den Kindern sprechen. Somit ließen sich beide Idiome von der Pike auf kinderleicht erlernen.
«Aber natürlich geht es uns um mehr. Wir wollen Exzellenz», führt Christian Haas weiter aus. «Doch, Exzellenz heißt nicht nur hohe Leistungen zu generieren, sondern auch schwächeren Schüler die Möglichkeit zu bieten, die fehlenden Fähigkeiten zu entwickeln – Dafür sind moderne Methoden und eine gezielte pädagogische Qualitätssicherung unverzichtbar.». Nach einer internen Umstrukturierung unter Federführung des heutigen Schulleiters Alexander Zuber habe sich die Schule mit dem GIB letztendlich auf die Fahnen geschrieben, die derzeit rund 1.200 Schüler zu selbstständigen, verantwortlich denkenden und anpassungsfähigen Bürgern auszubilden, für die auch Teamwork eine Selbstverständlichkeit ist.
Der Sport soll dabei aber nicht zu kurz kommen: Mit dem Sportverein unterhält die DSC einen Vertrag, damit die Schüler sämtliche Sportaktivitäten in den modernen Turnhallen treiben können. Allein 480 Schüler nehmen Angebote des Deutschen Sportvereins wahr. Diese Aktivitäten gehen über den vorgeschriebenen Schulsport weit hinaus, so Christian Haas. «Der Trainer einer Sport-Mannschaft setzt andere Schwerpunkte als ein Sportlehrer.»
Seit vier Jahren wirkt Christian Haas im Vorstand mit, drei Jahre davon als Vorsitzender. Sich mit der Organisation einer Schule auseinander zu setzen, bedeutete für ihn zunächst Neuland, denn von seinem Studium her ist er Chemie-Ingenieur. Später machte er einen Postgraduierten-Abschluss in Business-Management. Nach seiner Zeit an der Universität von Concepción arbeitete er ein Jahr lang im Zellulose-Werk des Herstellers Arauco in Curicó. Anschließend war er 16 Jahre lang im Werk Huachipato des CAP-Konzerns in Talcahuano tätig. Schließlich macht er sich in Concepción mit einer Handelsfirma selbstständig, die die Stahlindustrie mit Gütern versorgt.
«Die Selbstständigkeit hat den Vorteil, dass ich meine Zeit selbst organisieren kann, damit kann ich auch Raum für die Schulbelange schaffen.» Dabei habe er sein ehrenamtliches Engagement alles andere als absichtlich und zielstrebig gesucht. Seine drei Kinder Barbara (18), Martin (15) und Victoria (11) sind die fünfte Generation der Familie an dieser Schule und somit musste der Vater natürlich in den Sitzungen der Körperschaft mitmachen. «Auf einer dieser Sitzungen wurde nach der Mitarbeit im Vorstand gefragt. Mein Bruder nahm plötzlich meine Hand und hielt sie hoch.» Per Wahl kam Christian Haas schließlich in den Vorstand.
«Die Arbeit für die Schule ist nicht nur interessant. Es wird auch etwas aufgebaut, und somit kann ich schon behaupten, dass meine Unterstützung hier auch etwas mit Selbstverwirklichung zu tun hat», erklärt Christian Haas, der von sich selbst sagt, er sei ein unruhiger Geist. «Ich muss immer etwas machen. Untätig sein geht nicht.» In seiner Freizeit liest er daher nicht nur Bücher, sondern sägt, feilt und hämmert in seiner Werkstatt, um Verbesserungen am Haus vorzunehmen. Das Geschick dazu habe er aus seiner Kindheit, als er sich gerne dem Modell und Maschinen basteln widmete. Er ist seit 20 Jahre mit Loreto Casanueva, einer Architektin aus Concepción, verheiratet. «Meine Frau ist der Motor unseres Familienlebens, beim Ausgleichen der Herausforderungen des Alltags mit den Momenten für das notwendige Familienzusammenspiel». Seine Familie ist schon seit vielen Generationen hier in Chile ansässig. Sein Urgroßvater war ein Händler für Kino-Projektoren und kam von Deutschland in den 20er Jahren nach Valparaíso. «Mein Großvater erzählte, er habe als Junge damals den Stummfilmklassiker «King Kong» mehr als 25-mal gesehen», so Christian Haas.
Dieses familiäre Medieninteresse hat noch heute seine Folgen, denn der Vorstandsvorsitzende sieht die DSC nicht nur als reine Bildungsinstitution an. «Ich denke, sie muss auch als ein effektives Mittel dienen, mit dem die deutsche Kultur und Werte, in enger Zusammenarbeit mit Deutschland, gefördert und verbreitet werden sollen.» Es gebe Konzerte, Schülerveranstaltungen und externe Veranstaltungen, Elternbildung und Vorträge wie zum Beispiel der des deutschen Psychiaters Professor Dr. Manfred Spitzer über die Gefahren des unmäßigen Gebrauchs von elektronischen Medien im jungen Alter, die über die deutsch-chilenische Gemeinschaft (DCB) hinaus in Concepción Beachtung fänden.
Der kulturelle Aspekt schulischer Arbeit und die Herausforderungen der heutigen Medien-Gesellschaft seien Gründe gewesen, an der Schule eine eigene Stelle für Öffentlichkeitsarbeit einzurichten, die es seit September vergangenen Jahres gibt und von Verónica Sánchez ausgefüllt wird. Sie übernimmt auch die Koordination zwischen anderen Einrichtungen der Gemeinschaft. Christian Haas: «Wenn wir etwas gut machen wollen, dann muss es gleich beim ersten Mal richtig angepackt werden.» Eben exzellent.

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