Vorreiterin der sanften Lasertherapie

Christliebe Pasini
Christliebe Pasini

Nur wenige Menschen gehen wirklich gerne zum Zahnarzt. Bohren, Zähneziehen, Wurzelbehandlungen – nur der Gedanke daran löst bei vielen schon Ängste aus. In der Praxis von Dr. Christliebe Pasini hingegen geht es bedeutend angstfreier zu. Nicht nur, weil die zierliche Zahnärztin beruhigend auf ihre Patienten wirkt, sondern auch, weil sie statt Bohrer einen Laser benutzt, eine sanfte Technologie, die sie vor 20 Jahren aus Deutschland mit nach Chile gebracht hat, die jedoch aus Kostengründen noch immer weltweit von weniger als einem Prozent aller Zahnärzte benutzt wird.

Diese Lasertechnologie kann in vielen Bereichen der Zahnmedizin eingesetzt werden, zum Beispiel zur bohrerfreien Kariesbehandlung, zur Therapie von Zahnfleischerkrankungen, für Wurzelkanalbehandlungen und für andere Operationen. Die Laserstrahlen sind nicht einfach gebündeltes Licht, sondern künstlich gerichtete Lichtstrahlen einer bestimmten Wellenlänge, die parallel und phasengleich laufen. In anderen Bereichen der Medizin wie der Augenheilkunde oder der Dermatologie sind sie seit einigen Jahren bereits stark verbreitet. In der Zahnmedizin hingegen hat sich ihre Anwendung noch immer nicht massiv durchgesetzt.
In Santiago gibt es erst bis zu sieben Zahnärzte, die diese Technologie benutzen. «Die Zahnärzte sind aber zunehmend daran interessiert», sagt Dr. Christliebe Pasini (52), die in Chile die Gesellschaft für Laserheilkunde auf die Beine gestellt hat und hiesige Vertreterin der World Federation for Laser Dentistry ist. «Es wird viel geforscht auf dem Gebiet, die Japaner sind stark vertreten», erzählt die Zahnärztin von ihrem Fachgebiet.
Die Geräte werden in den USA, in Deutschland, Japan, Italien, Israel und Tschechien hergestellt. Ihre Anschaffung kostet rund 100.000 US Dollar. «Mein Mann sagt: „Du hast ein teures Hobby“», erzählt sie scherzend. «Nein, im Ernst. Ich kann diese Kosten nicht an die Patienten weitergeben. Die Behandlungen werden sonst zu teuer».

Acht Jahre in Deutschland
Christliebe Pasini hat an der Universidad de Chile Zahnmedizin studiert und ist 1987 nach Deutschland gegangen, um dort zu promovieren. Dort hat sie ihren in Chile aufgewachsenen Schulkameraden Andreas Liedtke geheiratet. Acht Jahre lang lebte das Paar in Deutschland und bekam drei Kinder. Zunächst lebte das Paar in Bremen, wo Christliebe bei einem Zahnarzt arbeitete. «Dort habe ich viel gelernt», erinnert sie sich. Danach promovierte sie an der Universität Tübingen, um anschließend nach Darmstadt zu ziehen, wo sie eine Urlaubsvertretung in einer Zahnarztpraxis machen konnte. In Darmstadt wurde ihr erster Sohn Patrick geboren.
«Zwei Jahre später kamen die Zwillinge Tatiana und Christian. Nun hatten wir drei Kinder und waren prompt eine Großfamilie», erzählt sie. Drei kleine Kinder in einer Wohnung – das wurde schwierig. Deshalb zogen sie nach Dieburg, einen Ort außerhalb von Darmstadt, wo sie in einem großen Haus mit Garten wohnten. «Danach habe ich in Bad Nauheim bei einem Kollegen gearbeitet. Damals kamen die ersten zahnärztlichen Lasergeräte auf den Markt. Die haben wir alle ausprobiert.»
Seitdem ist die Begeisterung von Christliebe Pasini für die Lasertechnologie nie wieder abgerissen. «Man kann sie für das Konturieren von Zahnfleisch und für kleine Operationen am Weichgewebe sehr gut benutzen. Man muss nicht mehr nähen, es gibt keine Narben», zählt sie einige Vorteile auf.
Sie hat die Zeit in Deutschland genutzt, um sich auch formell in der Technik fortzubilden. In Friedberg hat sie in einer Praxis die Ausbildung absolviert und an der Universität Aachen anschließend an Laser-Sicherheitskursen teilgenommen. Im Jahr 1995 kehrte die Familie nach Chile zurück. Hier kam ihr viertes Kind zur Welt. «Maximilian, unser Chilene», sagt sie. Er ist inzwischen 18 Jahre alt.

Weltbürgerin
Auch sie selbst wurde in Chile geboren. Ihre Mutter stammte aus Dresden und hatte ihren chilenischen Vater zufällig auf einer Reise nach Hamburg kennengelernt. Die beiden verliebten sich und blieben einige Jahre in Briefkontakt, bis ihre Mutter beschloss, nach Chile zu gehen. «Meine Mutter hat dieses Land sehr geliebt», erzählt sie. Ihr Vater war italienischer Abstammung. Sein Vater war Violinspieler in Imola, der 1913 auf einer Konzertreise nach Südamerika Christliebes Oma kennenlernte. Auch sie schrieben sich zwei Jahre Briefe – bis der Großvater beschloss, seiner Liebe nach Chile zu folgen.
«Ich fühle mich als Weltbürgerin», antwortet Christliebe Pasini auf die Frage, welchem Land sie sich zugehörig fühlt. «Obwohl, ich empfinde mich schon als Deutsche», fügt sie dann nachdenklich hinzu. Ihre Mutter sorgte dafür, dass sie auf die Deutsche Schule ging. Dort lernte sie während der Grundschulzeit Andreas Liedtke kennen, der mit fünf Jahren nach Chile gekommen war. Danach gingen ihre Wege auseinander, und sie trafen sich erst wieder, als der Bruder von Andreas heiratete. Inzwischen sind sie selbst 25 Jahre verheiratet.
Wie hat sie es geschafft, ihren Beruf als Zahnärztin mit der Erziehung von vier Kindern zu vereinbaren? Sie lächelt auf ihre ruhige Art und meint: «Mit viel Organisation». Talent zum Organisieren braucht sie auch für ihr Engagement in der Gesellschaft für Laserheilkunde. Ihr Ziel ist es, die Technik in Chile und in Südamerika weiter zu verbreiten. In Chile gibt es bislang noch keine Ausbildungswege und wenig Fachleute, die unterrichten könnten. Mit einem Kollegen zusammen wird sie demnächst an einer privaten Universität mit Unterricht in ihrem Spezialgebiet beginnen.
Zudem wird sie im November zusammen mit einem chilenischen Kollegen an der Kennedy-Universität in Buenos Aires Kurse anbieten. In Argentinien und Brasilien gibt es bereits Zahnarzt-Diplomstudiengänge mit Laserausbildung. Das erhofft sich Christliebe Pasini auch für Chile.
Sie ist weiterhin viel unterwegs, um ihr Spezialgebiet weiter zu verbreiten. So reist sie normalerweise alle zwei Jahre zum Weltkongress für zahnärztliche Laserbehandlung. Nur in diesem Jahr hat sie auf den Kongress in Paris verzichtet, denn genau zu dem Zeitpunkt wurde ihr erstes Enkelkind geboren – ein Junge, Sohn ihrer Tochter Tatiana. Unter diesen Umständen verzichtete Christliebe Pasini auf die Reise. Und bestimmt wurde ihr Organisationstalent zuhause benötigt.

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