Vier Posten, vier Kontinente

Seit Mitte Juli übt er den Posten des stellvertretenden österreichischen Wirtschaftsdelegierten in Santiago aus. Das ist für Wolfgang Köstinger, Jahrgang 1978, bereits die dritte Auslandsbestimmung seiner Laufbahn.

Wolfgang Köstinger ist der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Santiago: «Ich glaube, dass es in Chile, was Umwelt anbelangt, noch einiges zu tun gibt»

«Es ist das erste Mal, dass ich in Südamerika bin», erzählt er, «allerdings habe ich durch meinen Spanienaufenthalt die Sprachkenntnisse erworben, die nötig sind, um diesen Job ausüben zu können». Köstinger hat ein Jahr in Madrid studiert. In Barcelona ging er seinem ersten Posten für die Wirtschaftskammer nach.

«Unsere Zentrale ist nicht das Außenministerium», erläutert er, «sondern die Wirtschaftskammer Österreich. Diese vertritt sämtliche Unternehmen und hat ein Außenwirtschaftsnetz von insgesamt 68 Außenwirtschaftscentern, plus noch weitere 30 Außenwirtschaftsbüros. Das ist weltweit das größte Netz nach dem der USA für die Außenhandelsförderung».

Als die Stellung in Santiago besetzt werden musste, war Köstinger in seinem Jahrgang der einzige Fachmann, der des Spanischen mächtig war. «Die meisten haben Französisch als zweite Fremdsprache, und so bin ich dann gefragt worden, ob ich das gerne machen möchte. Und weil Chile ein Land ist, das mich schon immer sehr interessiert hat, habe ich dem natürlich zugesagt». Unser Land war ihm aufgrund der zahlreichen Dokumentationen bekannt, die über die Atacama-Wüste oder Patagonien, Feuerland und Torres del Paine in seiner Heimat gezeigt werden, sowie über Reportagen in Alpenvereinszeitschriften, «in denen sehr oft Bezug genommen wird auf die chilenischen Anden. Da habe ich mir gedacht, das ist sicher ein Land, das sehenswert ist, mit einer guten Lebensqualität und das viel bietet».

Köstinger weist darauf hin, dass Österreich zu zwei Dritteln aus Bergen besteht «und nicht umsonst trainiert auch die österreichische Skimannschaft im August jeden Jahres in La Parva und in Portillo».

 

Unterstützung in jeder Form

Seine Hauptaufgabe sieht Köstinger in Santiago darin, die Interessen österreichischer Firmen, die nach Chile exportieren oder in Chile investieren möchten, in jeder Form zu unterstützen, sei es durch Erstellung von Marktstudien für Firmen, die an diesem Markt noch nicht teilhaben, für das Suchen von Importeuren, Kooperationspartnern und Großhändlern: «Wir machen die Firmen auf die Geschäftschancen aufmerksam, die Chile bietet. In letzter Zeit waren das Bereiche wie Bergbau, Infrastruktur, aber auch erneuerbare Energien», erläutert er, «wobei österreichische Firmen eine besondere Expertise haben». Bei Betrieben, die in Chile bereits eine Niederlassung haben, bemüht der Wirtschaftsdelegierte sich darum, «sie besonders gut zu betreuen, auch wenn es einmal Probleme geben sollte, wie zum Beispiel mit Zollbehörden oder wenn ein Geschäft notleidend wird, dass wir die Forderungseintreibung machen».

Ebenso betreut er die österreichische Gemeinschaft, indem er Stammtische veranstaltet. Das Format nennt sich Austrian Business Circle, «wo wir österreichische Firmen mit potenziellen chilenischen Geschäftspartnern zusammenbringen». Gegenwärtig sind es 45 österreichische Unternehmen, die in Chile Niederlassungen haben. Darüber hinaus sind es 470 Firmen, die nach Chile exportieren: «Wir hoffen, dass wir bald die Schwelle von 500 erreichen». In diesem Sinne «ist es unser Ziel, möglichst viele österreichische Firmen hierher zu bringen».

Ein persönliches Anliegen Köstingers ist es, «dass vermehrt österreichische Unternehmen im Umwelttechnikbereich tätig sind. Ich glaube, dass es in Chile, was Umwelt anbelangt, noch einiges zu tun gibt». Wasseraufbereitung, Mülltrennung und Recycling sind einige Stichworte auf diesem hochaktuellen Gebiet: «Österreichische Firmen haben hier großes Know-how. Mir wäre es ein Anliegen, dass die hohen umwelttechnischen Standards, die es in Europa gibt, in Chile zur Anwendung kommen und dass es mir gelingt, diese österreichischen Firmen hier vermehrt einzuführen, um ein Scherflein dazu beitragen, dass Chile umweltmäßig einen Schritt nach vorne macht».

Köstinger hat feststellen können, dass «von chilenischer Seite ein gewisses Interesse vorhanden ist, aber Umweltschutz gibt es nicht gratis. Da ist viel Überzeugungsarbeit notwendig. Teilweise muss dann auch die Politik mitwirken, um entsprechende Standards zu setzen, wie zum Beispiel bei den Emissionen, wie viel etwa gefiltert werden muss. Da wäre wünschenswert, dass die Politik die Vorgaben erstellt und dann wäre es automatisch eine Notwendigkeit für chilenische Firmen, sich daran zu halten». In dieser Beziehung, «wäre es mir wichtig, dass man Österreich stark mit grüner Energie und Umweltschutz assoziiert und nicht immer mit Australien verwechselt», fügt er lachend hinzu.

 

Jurist und Wirtschaftsexperte

Wolfgang Köstinger wurde in Klagenfurt am Wörthersee geboren und ist dort aufgewachsen. In Wien studierte er Rechtswissenschaften: «Ich habe dann aber gemerkt, dass mich die internationale Wirtschaft um einiges mehr interessiert», gesteht er, «weshalb ich diesen Weg eingeschlagen habe». Er genoss daraufhin eine einjährige Ausbildung an der Wirtschaftskammer Österreich in Wien.

Im Jahr 2006 nahm er seinen ersten Auslandsposten in Barcelona wahr. Es folgte 2008 Johannesburg und 2012 Tokio. Chile ist demnach nicht nur sein vierter Einsatz im Ausland, sondern auch sein vierter Kontinent: «Es sind ganz unterschiedliche Länder; vor allem zwischen Japan und Chile, auch wenn sie beide am Pazifik liegen, ist der Unterschied gewaltig».

Köstinger ist auf seinem Posten auch für Bolivien zuständig: «Dort wird mich meine nächste Dienstreise im November hinführen». Einstweilen war er «nur mit einem Fuß über der Grenze» im Nachbarland, als er das Gebiet des Chungará-Sees besuchte. Was den Dienst anbetrifft, «ist die Situation in Bolivien um einiges anders als in Chile. In Chile hat man eine sehr liberale Marktwirtschaft, man wird als Exporteur und auch als Investor mit offenen Armen empfangen, und Chile ist bei Weitem, gemeinsam mit Uruguay, das entwickeltste Land in Südamerika. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt hier rund bei 20.000 US Dollar nach Kaufkraftparitäten. Bolivien ist in dieser Hinsicht mit Chile nicht vergleichbar».

Es sind andere Produktkategorien. «In Bolivien muss im Bereich Infrastruktur noch sehr viel getan werden», meint Köstinger, «da konnte kürzlich die Seilbahnfirma Doppelmayr ein großes Projekt an Land ziehen: eine Seilbahn zwischen La Paz und dem Altiplano, mit sechs Stationen und elf Kilometern Gesamtlänge – ein gewaltiges Projekt für eine österreichische Firma!»

Nach seiner Freizeit befragt, antwortet er, wie es von einem waschechten Österreicher zu erwarten ist, dass er «bisher schon einmal die Gelegenheit hatte, in Valle Nevado Skifahren zu gehen». Es war «ein sehr schönes Erlebnis, vor allem zu einer Jahreszeit, wo ich in Österreich nicht Skifahren gehen könnte».

Ebenso ist er «ein großer Meer-Fan». Er kennt bereits Viña del Mar, Valparaíso und Reñaca. Eine Reise nach Iquique und Arica nutzte er aus, um den Nationalpark des Chungará-Sees zu besichtigen. Überhaupt, gesteht er, «möchte ich während meiner Freizeit möglichst viel von Chile entdecken!»

 

Von Walter Krumbach

 

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