Unternehmer Víctor Petermann, Schöpfer der Magie von Huilo Huilo

Der Zauberberg in Chile

Der Unternehmer Víctor Petermann engagiert sich beim Ausbau des Biologischen Reservats Huilo Huilo in Südchile. Foto: privat
Der Unternehmer Víctor Petermann engagiert sich beim Ausbau des Biologischen Reservats Huilo Huilo in Südchile. Foto: privat

 

Víctor Petermann ist ein Mann, der in seinem Leben zwei Imperien aufgebaut hat: Eines ist Tehmcorp, eine Industrie-Holding mit 24 Firmen und 4.000 Mitarbeitern in Chile und aller Welt; und das andere das 100.000 Hektar große Naturschutz- und Tourismusprojekt Huilo Huilo in der Region de Los Ríos.

 

Von Petra Wilken

Um genau zu sein, Huilo Huilo hat er nicht alleine geschaffen, sondern daran war seine Ex-Frau Ivonne Reifschneider bedeutend beteiligt. Dass sich der Erhalt der Natur mit unternehmerischem Denken vereinbaren lässt, das war ihre Vision. Auch wenn das Paar heute getrennt ist, so teilt es weiterhin die Begeisterung für den beständigen Ausbau des Biologischen Reservats Huilo Huilo.

Beide stammen aus schweizerischen Einwandererfamilien, die sich 1885 in Galvarino in der Region Araukanien niederließen. Víctor Petermann hat als Kind in Lautaro noch selbst erlebt, wie die Praxis aussah, mit der die Einwanderer im 19. und 20. Jahrhundert großflächig Wälder in Ackerland verwandelten: Der Wald wurde gerodet, dann Feuer angezündet, die verbliebenen Stämme wurden herausgerissen, um dann Getreide anzupflanzen. Heute hat er als Unternehmer die Gelegenheit, bedeutende Bestände des bedrohten Valdivianischen Regenwalds in den Anden Patagoniens zu erhalten.

 

Holding mit 24 Firmen

Víctor Petermann ist von Beruf Bergbauingenieur. Seine Holding, mit deren Aufbau er vor mehr als 30 Jahren begonnen hat und die heute 24 Firmen umfasst, hat er in die Bereiche Kunststoffe, Metall, Dienstleistungen sowie Immobilien und Tourismus eingeteilt. Mehrere Firmen sind Zulieferer für die Bergbauindustrie und stellen Produkte her, die von Ventilen und Pumpen über Rohrleitungen aus Polyethylen, Stahl und Kupfer bis hin zu riesigen Schaufeln und Behältern für Erdbewegungen reichen.

Seine Kundenliste scheint die gesamte chilenische Bergbauindustrie zu umfassen; von Codelco über BHP Billiton, Anglo American und AMSA ist alles dabei, was Rang und Namen hat. Auch in Argentinien, Brasilien und Peru werden Kunden beliefert. Die Firma Minetec hat zudem Niederlassungen in Australien, Indonesien und den USA. Eine weitere Sparte sind Kunststoff-Verpackungen für Meeresfrüchte, Fisch und Obst. Dann gibt es noch Ingenieursleistungen zum Beispiel für den Straßen-, Brücken- und Gebäudebau, einen Phosphatabbau in Bahia Inglesa und einen Immobilienhandel in Peru. Und das ist immer noch nicht alles. Man kann wirklich nicht sagen, dass es Víctor Petermann an unternehmerischer Initiative mangele.

 

100.000 Hektar Naturschutzgebiet

Doch das findet er nicht so interessant für die Leser des Cóndors. Er verlässt den Besprechungsraum seiner Gießerei an der Américo Vespucio in Pudahuel und kommt mit einem großformatigen schweren Bildband zurück. «Huilo Huilo – Construyendo un Sueño» lautet der Titel. «Das ist interessanter», meint er und kommt ins Erzählen über die Verwirklichung eines Traumes. Das private Naturschutzgebiet erstreckt sich über 100.000 Hektar in den Voranden-Gemeinden Panguipulli und Futrono. Die Kleinstädte Neltume und Puerto Fuy sowie der See Pirehueico sind Nachbarn des Reservats, das bis an die argentinische Grenze reicht. Im Westen grenzt es an den 2.400 Meter hohen Vulkan Mocho-Choshuenco. Inzwischen ist es Bestandteil des wesentlich größeren, 2007 eingerichteten Biosphärenreservats der Unesco, das die gemäßigten Regenwälder der südlichen Anden schützt.

Alles begann damit, dass die Holding die Kupfermine El Tesoro in der Nähe von Calama verkaufte. Mit dem Erlös kaufte Petermann 1994 das Forstunternehmen Bomasa in Panguipulli. Das Projekt war nicht rentabel und so kam mit der Jahrtausendwende auch zu einer Wende für die Natur der Zone. Das Projekt Huilo Huilo begann mit dem Bau des Hotels «Montaña Mágica» – ein architektonisches Konzept, das rustikale Holzbauweise mit der Magie des chilenischen temperierten Regenwalds fusioniert. Das Ganze jedoch mit Ausstattung und Service der gehobenen Hotelklasse.

 

Baumhäuser und Bierbrauerei

Inzwischen gibt es weitere Hotels, Hütten und sogar Baumhäuser, dazu eine eigene Bierbrauerei, das Naturkundemuseum «Rakin Mapu: Museo de los Volcanes», einen Spa, Canopy und eine eigene Seilbahn. Der Tourismus ist eines von drei Konzepten, die das Projekt Huilo Huilo verfolgt. Die anderen beiden sind die Bewahrung der Biodiversität und die Einbindung der Bevölkerung, womit das Nachhaltigkeits-Dreieck komplett wird. Dazu ist die Stiftung Huilo Huilo gegründet worden, mit Ivonne Reifschneider als Präsidentin. «Bis 2000 war die Holzindustrie die Haupteinkommensquelle der Bewohner von Neltume. Heute ist 70 Prozent der Leute im nachhaltigen Tourismus tätig», erzählt Petermann. Auch die Mapuchebevölkerung wird in produktive Projekte wie zum Beispiel Kunsthandwerk einbezogen.

Was den Erhalt der Artenvielfalt angeht, so ist in Huilo Huilo ein Versuch geglückt, auf den Petermann besonders stolz ist. Das Huemul aus dem Nationalwappen galt in der Zentralzone schon lange praktisch als ausgestorben. Die Stiftung Huilo Huilo ließ 2005 ein männliches und ein weibliches Tier aus der Region Aysén kommen. Heute leben in Huilo Huilo rund 20 Exemplare der endemischen Hirschart. Um sie zu schützen, hat die Stiftung ein Gebiet von 200 Hektar mit elektrischem Zaun umgeben. «Die größte Gefahr für sie sind verwilderte Hunde und Jäger», erklärt Petermann. Gegen Hunde könnten sich die Huemule nicht wehren, während sie sich gut gegen natürliche Feinde, wie den Puma, verteidigen.

Mit von der Partie bei solchen Projekten an der Seite von Ivonne Reifschneider ist die gemeinsame Tochter Alexandra. Die jüngere Tochter Andrea, wie der Vater von Beruf Bergbauingenieur, hingegen arbeitet mit ihm in der Holding. Die acht Enkelkinder lieben die Natur und sind oft bei aufregenden Abenteuern in Huilo Huilo mit Großvater Víctor unterwegs.

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