Veronika Fischer

Veronika Fischer stammt aus der Ostschweiz, studierte Philologie und Geschichte, absolvierte ein MBA und hat nach mehreren beruflichen Tätigkeiten als Beraterin sowie Projektleiterin seit Mitte Oktober dieses Jahres die Geschäftsführung der Chilenisch-Schweizerischen Handelskammer übernommen. Die 52-Jährige ist geschieden und Mutter von zwei erwachsenen Söhnen.

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1. Was wollten Sie als Kind werden?
Als Kind genoss ich es, neue Welten zu entdecken, sei dies in allen möglichen Büchern (ich las die ganze Bibliothek bei mir zu Hause und in der Schule durch), oder beim Herumstreifen im Wald und am See. Später wollte ich Ethnologin werden und unbekannte Völker kennen lernen.

2. Wenn Sie wieder auf die Welt kämen, würden Sie den gleichen Beruf ergreifen?
Eigentlich habe ich keinen Beruf, sondern setzte die verschiedensten Projekte um, was immer wieder neue Impulse bringt und mir sehr gefällt.

3. Wer war und ist Ihr Vorbild?
Persönlichkeiten, welche ihre Umgebung hinterfragen und Neues kreieren, über sich hinauswachsen und sich in der einen oder der anderen Art selber übertreffen. Ich bewundere Entrepreneurs und alle, die mit 80 noch jung bleiben.

4. Wofür sind Sie Ihren Eltern dankbar?
Ich wuchs in einer großen und sehr diversen Familie auf, einer Art Clan, was für die Schweiz doch eher außergewöhnlich ist. Jedoch wurden wir immer gefordert, selbstständig zu sein und uns zu behaupten. Wir reisten viel, verbrachten jedes Jahr mehrere Wochen am Walensee und in den Bergen. Das waren immer tolle Freiräume. Ich habe auch eine sehr gute Ausbildung erhalten, unter anderem durfte ich in Genf studieren.

5. Was war Ihr schlechtestes Schulfach?
Ich glaube Physik, wo wir einen Pedanten als Lehrer hatten.

6. Was macht Sie glücklich?
Vieles: die Natur, gute Gespräche, für meine Familie zu kochen, eine tolle, neue Lösung zu einem Problem zu finden, meine Freunde, ein Projekt erfolgreich abzuschließen, Musik, Volleyball…

7. Was macht Ihnen Angst?
Ich glaube, dass ich die Angst überwunden habe. Ich rede mir ihr und das hilft. Es geht ja vor allem darum zu merken und zu respektieren, dass wir über vieles einfach keine Kontrolle haben und eben unsere eigenen Erwartungen loslassen müssen.

8. Worauf könnten Sie verzichten?
Liebend gerne auf alle Arten von Komplikationen.

9. Was ist Ihnen peinlich?
Personen, welche andere nicht «erkennen» können, da sie immer mit sich selber beschäftigt sind.

10. Wen beneiden Sie?
Auf eine positive Art alle, die wochenlang frei nehmen und reisen können. Personen, die noch unberührte Flecken auf dieser Welt entdecken, Landschaftsfotographen, Dokumentarfilmer, Abenteurer, Lebenskünstler und Genießer.

11. Mit wem würden Sie nie tauschen wollen?
Präsident Obama, allgemein Politiker und Magnaten

12. Wen würden Sie gerne einmal treffen?
Malala Youzafzai, Mohammed Yunus, Matthieu Ricard

13. Was würden Sie niemals tun?
Ich habe gelernt, dass ich die wichtigste Person in meinem Leben bin. Dieses Konzept würde ich nie mehr aufgeben.

14. Was regt Sie auf?
Ungerechtigkeiten

15. Was ertragen Sie mit Humor?
Den Verkehr in Santiago, «normale» Verspätungen und Notlügen, immer vorausgesetzt, sie sind harmlos und kreativ.

16. Über welche eigenen Schwächen ärgern Sie sich?
Meinen immer noch starken Perfektionismus. An einem Punkt nimmt die Produktivität ab und es wird nur anstrengend.

17. Weshalb würden Sie nie aus Chile auswandern?
Mir gefällt Chile sehr, weil es hier immer noch viele Freiräume gibt. Aber wenn man einmal ausgewandert ist, kann man im Voraus nie sagen, ob man nicht doch noch einmal weiterwandert. Die Motivation müsste aber entsprechend groß sein.

18. Wenn Sie einen Tag Präsident wären, was würden Sie ändern?
Ich würde die Chilenen zusammensetzen, damit sie sich endlich gegenseitig kennenlernen und merken, dass in ihrer Diversität ein enormer Reichtum steckt.
19. Was sollten die Chilenen ernster nehmen?
Dass Chile ein großes Land ist. Heute hat mir ein Besucher klar gemacht, dass sich die Chilenen immer als kleines Land sehen und darstellen. Das hat klare Konsequenzen. Als großes Land könnte Chile problemlos eine Führungsrolle und damit auch mehr Verantwortung übernehmen.

20. Welches Buch lesen Sie gerade?
«La empresa consciente – Cómo construir valor a través de valores» von Fredy Kofman, ein Buch, welches toll zeigt, wie wir alle selber für die Gestaltung unseres Lebens verantwortlich sind, und dass Firmen oder Kollektive erst dann funktionieren, wenn sich alle so wertgeschätzt fühlen, dass sie ihr Bestes geben.

21. Was ist Ihr Lieblingsgericht?
Das Resultat einer Inspiration und dem, was noch im Kühlschrank ist. Ich koche sehr gerne und probiere auch Neues aus. Sehr wichtig ist es mir, diese Kreationen dann auch in guter Begleitung zu genießen.

22. Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?
Lesen und ausruhen, Freunde treffen, Sport.

23. Bei welchem Film haben Sie geweint?
Ich weine je länger je mehr. Vielleicht werde ich einfach sensibler, oder die Filme werden überzeugender, respektive überwältigender. Vor allem menschliche Dramen treffen mich sehr, das kann auch in den Nachrichten sein. Ich lache aber auch viel.

24. Welchen Männertyp finden Sie anziehend?
Intelligente Männer und Männer, die sich für das einsetzen, was ihnen wichtig ist.

25. Wem wollten Sie schon lange ein Kompliment machen?
Meinen Söhnen, für die tollen Personen, die sie geworden sind und dafür, dass sie mein Leben so bereichert haben.

26. Was sollte Ihnen später einmal nachgesagt werden?
Das ich eine gute Freundin und Kollegin war. Wie man früher gesagt hätte: zum Pferdestehlen.

27. Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Ich bin für mein Leben zuständig und kann auswählen, ob ich die positive oder negative Seite der Dinge erleben will. Das macht alles viel einfacher.

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