Eine Familie bringt die Sonne in Form

Peter Richard Horn, Geschäftsführer der Solarfirma Heliplast

Peter Horn Solarfirma Heliplast
Der Deutsche Peter Horn leitet die Solarfirma Heliplast in Chile.

 

Eine Mischung aus sakraler Kunst und unermüdlicher Pionierarbeit wurde Peter Richard Horn (55) in die Wiege gelegt: Sein Großvater war der bekannte Bildhauer Peter Horn und sein Vater der Elektroingenieur Christof Peter Horn, Gründer der ersten Solarfirma in Chile.

Von Petra Wilken

Ein wenig spiegelt der Name Heliplast das Erbe des Künstlers wider. Heli steht für Helios, Sonne auf Griechisch, während der Wortteil plast vom spanischen plasmar kommt, was bilden oder gestalten heißt. «Heliplast soll aussagen, dass der Sonne Form gegeben wird, nämlich die des elektrischen Stromes», erklärt Peter Horn, der Enkel, die Bedeutung der Firma, deren Geschicke er heute zusammen mit seinem Bruder Christof Albert leitet – er als Geschäftsführer und sein Bruder als Verkaufsleiter.

Ihr Vater gründete Heliplast 1984 zu Zeiten, in denen noch nicht viel auf Solarenergie gegeben wurde. Zunächst hatte Christof Peter Horn Destillatoren entwickelt, mit denen in abgelegenen Orten an der Küste im Norden Trinkwasser gewonnen werden konnte. Doch bald stellte er fest, dass die Fischer und Minenarbeiter nicht nur Wasser brauchten, sondern auch Strom. Er setzte auf Windkraft und dann auf Sonnenengie. Der erste Windgenerator, den er baute, hatte einen Propeller aus Holz. Er hängt heute hinter dem Schreibtisch von Peter Horn.

Doch zunächst zum Anfang der Geschichte: Der Deutsche Peter Horn studierte an der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München. 1932 kam er nach Chile, da er sich auf ein Stipendium beworben hatte, das vom Erzbistum La Serena ausgeschrieben worden war. Es stellte sich jedoch heraus, dass es sich gar nicht um ein Stipendium für einen Künstler handelte, sondern für jemanden, der sein Leben der Religion widmen wollte. So begann Peter Horn, sich das Geld für die Rückreise nach Deutschland mit sakraler Kunst zu verdienen.

Bis 1935 gestaltete er die Mariä-Empfängnis-Kapelle auf dem San Cristóbal in Santiago. Die Fresken und Figuren der Kapelle gehören wohl zu den bekanntesten Werken von Peter Horn. Später sollten noch andere hinzukommen. Doch zunächst ging der Bildhauer nach Deutschland zurück und erhielt an der Kunstakademie in München, an der er ausgebildet worden war, eine Professur. Dort lernte er die österreichische Kunststudentin Josefine Feja kennen, die er heiratete.   

Mit ihr reiste der Großvater erneut nach Chile. Das Ehepaar ließ sich 1937 in Osorno nieder, wo der Vater von Peter Richard Horn geboren wurde. Doch sie blieben nur zwei Jahre in Chile, weil es der Großmutter nicht gefiel. Sie gingen nach Deutschland zurück, wo kurz darauf der Krieg ausbrach. Der Großvater ging als Dolmetscher nach Paris und landete danach an der Front in Russland, wo er in Kriegsgefangenschaft geriet.

Nach seiner Rückkehr ins Nachkriegsdeutschland stellte er bald fest, dass es nicht die richtige Zeit für Künstler war. Er beschloss, endgültig nach Chile auszuwandern. 1950 kam das Paar erneut in Osorno an, diesmal mit sechs Kindern. In Osorno kam noch das siebte Kind zur Welt. Später zog die Familie nach Santiago.

Peter Horn machte sich in der deutsch-chilenischen Gemeinschaft einen Namen als begehrter sakraler Bildhauer. Er schuf zum Beispiel das Jesus-Kreuz in der evangelischen-lutherischen Lota-Kirche und den Kreuzgang in der Kathedrale von Chillán. Einer seiner Söhne trat das künstlerische Erbe an: Miguel Horn machte sich als Bildhauer einen Namen. Er lebt heute in Österreich.

Christof Peter Horn hingegen hatte andere Talente. Er studierte Elektrizität an der Technischen Universität Santa María von Valparaíso. «Während seines ersten Praktikums in der Mine El Soldado bei Quillota lernte er meine Mutter kennen, Margarita, eine Chilenin. Ich bin 1961 in Sewell geboren worden, da mein Vater dort in El Teniente arbeitete», erzählt Peter Horn. Als er vier Jahre alt war, bewarb sich sein Vater bei Siemens in München. Er bekam die Stelle.

Die Familie lebte in Deutschland, bis er zwölf Jahre alt war, dann wurde sein Vater von Siemens nach Sao Paulo versetzt. Anfang der 80er Jahre schickte ihn Siemens wieder nach Santiago. Als kurz darauf die große Wirtschaftskrise in Chile einsetzte, wollte ihn die Firma wieder nach Deutschland zurückholen, doch jetzt mochte die Familie nicht schon wieder das Land wechseln, und Christof Horn gründete Heliplast.

Sein Sohn Peter war unterdessen in Sao Paulo geblieben, um sein Studium in Angewandter Mathematik und Computerwissenschaften an der Universität Unicamp zu beenden. Er erinnert sich an die Ferien in Chile. Die Familie fuhr zusammen in den Norden, und die drei Brüder freuten sich auf Urlaub in Bahia Inglesa, aber sein Vater hatte vor, eine kleine Anlage zu montieren. Und die ganze Familie war mit von der Partie. «Meine Mutter erzählt eine Geschichte, wo sie in der Wüste am Meer waren. Es war stockfinstere Nacht, da hat mein Vater Licht mit Sonnenbatterien angemacht, und die Fischer sind von weit hergekommen und haben ihn gebeten, auch bei ihnen Licht zu machen. Sie haben ihn dann „El Señor de la Luz“ genannt.»

Heliplast war ein reines Familienunternehmen, in dem seine Mutter Margarita genauso mitarbeitete wie die Söhne. Auch Peter stieg nach Beendigung des Studiums mit ein. 1990 kam er mit seiner chilenischen Frau Monica, die er inzwischen geheiratet hatte, aus Brasilien zurück. «Es gab damals schon Solarmodule von Siemens in Chile. Die ersten Module von Siemens wurden 1986 an eine Fischereifabrik in Antofagasta verkauft», berichtet Horn.

Der Verkauf und die Installation von Photovoltaik-Anlagen zur Stromerzeugung gehörten zur Firma Siemens Ingelsac, die bald auf Christof Horn zukam, um seine Kenntnisse in dem Metier zu nutzen. Er arbeitete dort von Ende der 80er Jahre bis 2002 als technischer Leiter. Es war die Zeit, in der kleine Fotovoltaik-Anlagen in den entlegenen Winkeln von Chile Einzug hielten, wo es sonst keinen Strom gab.

Mit einem großen Solarmodul auf dem Fahrzeugdach fuhren die Eltern von Peter Horn durch ganz Chile. «Es gibt Fotos von meiner Mutter auf 5.200 Meter Höhe im Altiplano und in der Atacama Wüste», erzählt er. Grenzstationen wurden mit Solarstrom versorgt, und später ab 2000 die Handyantennen im ganzen Land.

Siemens verkaufte jedoch seine gesamte Photovoltaik-Produktion an Shell Solar und diese wiederum an Solarworld, deren Vertretung in Chile Heliplast 2003 übernahm. Der Boom des Solarstromes stand noch aus. Heute hingegen gehört die Solarworld AG weltweit zu den größten Solarkonzernen. Sie produziert im sächsischen Freiberg und in Arnstadt, Thüringen. Von dort aus bieten die Deutschen den Chinesen die Stirn, die heute etwa 95 Prozent des Marktes beherrschen.  

Aufgrund der gesunkenen Kosten für die Herstellung der Module hat der Photovoltaik-Boom 2014 auch in Chile Einzug gehalten. Er drückt sich jedoch hauptsächlich in großen Solarfeldern aus. Heliplast hingegen ist nach wie vor auf individuelle Lösungen spezialisiert und liefert zum Beispiel Stationen zur Energieversorgung an Bergbauunternehmen oder Solardächer für Firmengebäude oder Privathäuser.

Ob die nächste Generation auch ins Solargeschäft einsteigen wird, ist noch nicht klar. Tochter Sue Hellen ist klinische Psychologin, doch Sohn Mathias studiert Industriedesign. «Er hat das künstlerische Talent vom Urgroßvater geerbt, ist aber auch technisch wie der Großvater begabt», berichtet Peter Horn.  

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