Sogar James-Bond-Darsteller gönnte sich Vainille-Eis

Moritz Fried war 35 und arbeitete bei einer US-amerikanischen Bank in Belgrad, als ihm klar wurde, dass er sich selbstständig machen würde. Er wusste nur noch nicht, womit. Es sollte ein spannendes Produkt sein, eines, das mit Kommunikation zu tun hat, es sollte aber auch auf ehrlicher Landwirtschaft basieren. Der Oberösterreicher kreierte «Moritz Eis», das bereits Tennisstar Boris Becker und James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan anlockte.

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Von Petra Wilken

Früher hätte man gesagt, er machte eine Eisdiele auf. Aber das würde zu kurz greifen. «Wir verkaufen Eis plus Lifestyle und Kultur», erklärt Fried. 2012 machte er die erste Filiale in der serbischen Hauptstadt Belgrad auf. Jetzt zieht die Eis-Marke mit dem deutschen Namen und minimalistischen Design in die neue Mall Casa Costanera in Vitacura ein, die am 24. Oktober eröffnet wird. Serbien / Montenegro / Rumänien / Chile stehen nun auf der Visitenkarte.
Nach Filialen in Belgrad, Novi Sad, Bukarest und in der Bucht von Kotor – 50 Kilometer südlich von Dubrovnik – nun also Chile. Nach der Firmengründung auf früheren Gebieten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie erscheint Chile nicht der unmittelbarste Ort für eine Geschäftsexpansion zu sein, hat aber zwei gute Gründe. Der erste hat mit deutscher Kultur und Geschichte zu tun und der zweite mit einer Begegnung, die für den Sprung in die Selbstständigkeit ausschlaggebend wurde.
Doch zunächst zur Verbindung mit dem Deutschen: «Das Wort Eis ist auf dem Balkan besser angesehen als das italienische „Gelato“», meint Fried. Und warum nun Chile? Moritz Fried lernte 2010 in einem Dorf in Siebenbürgen – historisches deutsches Siedlungsgebiet im heutigen Rumänien – Douglas Tompkins kennen. Der US-amerikanische Millionär und Umweltaktivist hat in Patagonien Hunderttausende Hektar Land gekauft und als Naturschutzgebiet deklariert. Er lebt in Patagonien, wo er Landbesitz sowohl in Chile als auch in Argentinien hat.
Von der Begegnung mit Douglas Tompkins erzählt Moritz Fried, dass der Natur- und Tierschützer in Siebenbürgen von der archaischen Lebensweise der deutschstämmigen Siedler begeistert gewesen sei. «Dort ist die Zeit stehengeblieben. Die Landwirtschaft wird immer noch mit Pferdegespannen betrieben. Und die Menschen nehmen von der Natur nur das, was sie brauchen», berichtet Fried. Offensichtlich lagen beide auf einer Wellenlänge, denn Tompkins lud ihn ins Valle Chacabuco ein. Dort, 2011 im Süden Chiles, in der überwältigenden Naturlandschaft, fiel die Entscheidung: Er würde sich selbstständig machen. Tompkins bekräftigte ihn dabei – moralisch und auch materiell.
Moritz Fried hatte für mehrere internationale Banken gearbeitet, zum Beispiel in London für J.P. Morgan, nun war er in Belgrad bei einer Bank angestellt. «Ich habe nicht mehr an die Finanzwelt geglaubt, wollte mein eigenes Wertesystem umsetzen. Ich hatte andere Vorstellungen davon, wie man mit Mitarbeitern umgeht. Aber dafür musste ich mich selbstständig machen.» Also begann er, an seiner Geschäftsidee zu feilen. «Ich wollte ein ganz neues Produkt, etwas von Grund auf Neues machen, das es noch nicht gab.» Eis gibt es natürlich schon etwas länger und wohl auch fast überall auf der Welt. Gerade deshalb gefiel es ihm so gut. «Jeder mag Eis, egal ob alt oder jung, und es wird in allen Kulturen gegessen. Es ist ein total inklusives Produkt», begeistert er sich.
Die Augen des smarten Österreichers aus Gmunden strahlen, wenn er von seinem Marketingkonzept erzählt: «Wir verwenden nur rein natürliche Zutaten, keine Halbfertigprodukte, keine Essenzen, keine Farbstoffe.» Die Marke «Moritz Eis» ist Mitglied der europäischen Slow-Food-Bewegung. «Wir werden natürlich keine tropischen Früchte hierhertransportieren. Zum Glück ist Chile ein Land mit sehr vielen sehr leckeren Früchten». Doch nicht nur beim Produkt selbst wollte Fried innovativ sein, sondern ebenso beim Drumherum. «Design ist uns sehr wichtig», betont er. So ist die Aufmachung der Geschäfte ganz in Weiß gehalten und minimalistisch. Auch das Logo und die Typografie sind dem Wiener Jugendstil entlehnt.
In den Filialen sind im unteren Stockwerk die Wände und die gesamte Einrichtung weiß, nur die Eisbecher setzen Farbklekse. Die oberen Stockwerke sind Galerien, die mit individuellen Möbeln ausgestattet werden. Fernsehen gibt es nicht, dafür gute Musik. Jeden Sonntag werden Matineen mit klassischer Musik angeboten. Einheimische Künstler haben die Möglichkeit, sich in entspannter Atmosphäre zu präsentieren. «Eintritt gratis. Man muss nur ein Eis essen», so Moritz Fried. Oder einen Kaffee trinken. In Belgrad seien es Musiker der Belgrader Philharmonie, die die Matineen bestreiten. Fried geht davon aus, auch hier in Chile renommierte Künstler gewinnen zu können. «Wir bieten ein gutes Produkt plus gute Energie plus Kultur», so der Unternehmer. Und er fügt hinzu: «Das ganze Jahr geöffnet und immer freundliche Bedienung».
Neben dem permanenten Geschäft in Vitacura wird es mehrere Filialen zur Sommerzeit in den Regionen geben: in Zapallar, Cachagua, Maitencillo, Viña del Mar, Frutillar und Puerto Varas. Schon seit vergangenem Sommer gibt es in Chicureo einen Kiosk. Zudem soll bei Events ein «Triciclo» eingesetzt werden. In Montenegro wird das Eis sogar mit einem Motorboot zu den Jachten gefahren, die dort vor der Küste liegen.
In Europa hat der Innovationsgeist von Moritz Eis bereits Früchte getragen. «Alle mögen Eis», so der 38jährige unverheiratete Firmengründer. Fotos im Facebook scheinen dies zu bestätigen. Auch Stars haben sich bereits vom Lifestyle der Marke begeistern lassen. So kam Pierce Brosnan, bekannt vor allem als James-Bond-Darsteller, während der Dreharbeiten für einen Film jeden Tag ins Geschäft in Belgrad. «Er hat immer dieselbe Sorte bestellt. Vanille», verrät Fried. Boris Becker hat bei der Hochzeit von Tennis Nummer eins Novak Djokovic im Juli 2014 in Montenegro Selfies mit «Moritz Eis» gemacht. Selbst Prinz Charles hat sich schon mit der Eismarke aus Österreich fotografieren lassen.

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