Rudolf Schwinghammer, Leiter der Deutschen Kaufmännischen Berufsschule

Rudolf Schwinghammer wurde in München geboren, ist Diplom-Handelslehrer und derzeit Leiter des Instituto Superior Alemán de Comercio (Insalco). Er ist 58 Jahre alt und verheiratet.

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1. Was wollten Sie als Kind werden?

Winnetou, Dorfpolizist, Engländer – hat alles nicht geklappt! Jetzt bin ich Leiter eines Berufsbildungszentrums in Chile. Hätte ich mir als Kind wirklich nicht träumen lassen.

 

2. Wenn Sie wieder auf die Welt kämen, würden Sie den gleichen Beruf ergreifen?

Ich glaube schon, auch wenn es manchmal Moment geben mag, in denen ich anderer Meinung bin. Der Lehrberuf gewährt in hohem Maße Gestaltungsspielräume. Und es ist immer wieder faszinierend zu erleben, wie junge Leute sich entwickeln können.

 

3. Wer war und ist Ihr Vorbild?

Mein Onkel Heini – für seine gelassene Lebensfreude, seine Gastfreundschaft, selbstverständliche Hilfsbereitschaft und seine Weltoffenheit.

Und mein Vater – für sein Verantwortungsbewusstsein, seine Besonnenheit und sein Durchhaltevermögen.

Leider sind beide längst verstorben.

 

4. Wofür sind Sie Ihren Eltern dankbar?

Dass ich mich an Ihnen reiben konnte und sie mich doch meinen eigenen Weg finden ließen. Und dass sie mich nie festgehalten haben.

 

5. Was war Ihr schlechtestes Schulfach?

In der Grundschule (damals Volksschule) eindeutig Schönschrift.Später dann abwechselnd Latein und Mathe.Heute wär´s wohl wieder Schönschrift.

 

6. Was macht Sie glücklich?

Oft schon ein Lächeln. Und immer das Lächeln meiner Frau.

 

7. Was macht Ihnen Angst?

Die unter einer sehr dünnen Decke der Zivilisation lauernde Gewaltbereitschaft vieler Menschen – und der Gedanke an einen Atomkrieg!

 

8. Worauf könnten Sie verzichten?

Auf mein Handy!

 

9. Was ist Ihnen peinlich?

Dass ich in der Musik immer einen anderen Rhythmus höre als der Rest der Welt. Aufs Tanzparkett traue ich mich daher nur mit sehr wagemutigen Damen.

 

10. Wen beneiden Sie?

Charismatische Menschen.

 

11. Mit wem würden Sie nie tauschen wollen?

Mit allen Menschen, die so sehr in der Öffentlichkeit stehen, dass sie kaum noch privat normal leben können.

 

12. Wen würden Sie gerne einmal treffen?

Michelle Bachelet. Ich würde gerne ihre Vision von einer gerechteren Gesellschaft kennenlernen und mit ihr über den Aufbau eines fundierten Berufsausbildungssystems diskutieren wollen.

 

13. Was würden Sie niemals tun?

Menschen auf Grund ihres Aussehens, ihrer Hautfarbe oder ihrer sozialen Herkunft verachten.

 

14. Was regt Sie auf?

Lautstarke Dünnbrettbohrer! Und Zeitgenossen, die immer nur ihren eigenen Vorteil suchen.

 

15. Was ertragen Sie mit Humor?

Gezwungenermaßen vor allem mich selbst.

 

16. Über welche eigenen Schwächen ärgern Sie sich?

Meine immer stärker werdende Ungeduld und meine Zerstreutheit.

 

17. Weshalb würden Sie nie aus Chile auswandern?

Die Frage passt für mich nicht ganz, da ich hier nur zu Gast bin und eines Tages in meine Heimat Bayern zurückkehren werde.Aber es gäbe sicher viele Gründe hier zu bleiben – nicht nur der Sonne und der fantastischen Landschaften, sondern auch der Dynamik der Veränderung wegen und der Chancen, dabei einen Beitrag zu leisten. Chile lebt gerade eine spannende Epoche.

 

18. Wenn Sie einen Tag Präsident wären, was würden Sie ändern?

Ich fürchte, an einem Tag lässt sich nicht viel verändern. Aber wahrscheinlich würde ich den Tag zum handylosen Tag erklären – vielleicht wird manchem dann wieder klarer, dass es doch unendlich viel gewinnbringender ist, sich mit Anwesenden auszutauschen als auf das nächste eintreffende What´s App zu starren.

 

19. Was sollten die Chilenen ernster nehmen?

Den Wert und die Notwendigkeit einer fundierten Berufsausbildung – unabhängig von irgendeinem akademischen Titel.

 

20. Welches Buch lesen Sie gerade?

Im Moment liegt «Todo Santiago» von Roberto Merino auf meinem Nachttisch. Interessante kurze Essays, Einblicke und Perspektiven zu der Stadt, in der ich gerade lebe und die ich verstehen lernen möchte. Leider finde ich seit Wiederbeginn der Schulzeit viel zu wenig Muße, um zu lesen.

 

21. Was ist Ihr Lieblingsgericht?

Spaghetti all‘ Árrabiata.Außerdem: Spiegeleier mit Bratkartoffeln und Spinat.Und hier in Chile liebe ich Cazuela und Caldillo de Congrio.

 

22. Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?

Immer wieder mal Neues in Santiago entdecken. Beispielsweise kürzlich zuletzt das Concha-y-Toro-Viertel. Und samstags gehe ich gerne auf eine Cazuela in den Mercado Central.

Und Fußball! Leider nur passiv. Hin und wieder gehe ich ins Stadion – zu welchem Verein, verrate ich lieber nicht.

 

23. Bei welchem Film haben Sie geweint?

Der letzte, den ich gesehen habe, war der Film über Violeta Parra. Da hatte ich tatsächlich feuchte Augen.

 

24. Welchen Frauentyp finden Sie anziehend?

Ich finde, irgendwie haben fast alle Frauen etwas Anziehendes.

 

25. Wem wollten Sie schon lange ein Kompliment machen?

Allen, die mich und meine Eigenheiten mit Humor ertragen

 

26. Was sollte Ihnen später einmal nachgesagt werden?

Er war in Ordnung.

 

27. Wie lautet Ihr Lebensmotto?

«Es geht immer irgendwie weiter» und – geprägt durch meine bayerische Heimat – «Leben und leben lassen».

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