«Die Qualität aus Europa ist unübertroffen»

Er ließ sich als Dolmetscher mit Schwerpunkt Englisch ausbilden, arbeitet heute jedoch erfolgreich als Sportwaffenhändler. Christian Jünemann ist zudem Schusswaffensammler und begeisterter Jäger und Fischer. Auf diese Freizeitbeschäftigung stieß er bereits in jungen Jahren, als er seinen Vater im Süden des Landes auf die Pirsch begleitete. Im Cóndor-Gespräch erzählt er von seinem seltenen Beruf und seinem aufregenden Hobby.

Christian Jünemann mit einer Walther-PPK in der Hand. Die Waffe ist berühmt, wird sie doch von Filmagent Jamens Bond 007 benutzt.

 

Cóndor: Wie kam es, dass Sie als Übersetzer zum Waffenhandel wechselten?

Christian Jünemann: Ich habe 35 Jahre für General Motors gearbeitet. Da verkaufte ich Automobile, ging aber schon dem Hobby des Scheibenschießens nach. Da ich der englischen Sprache mächtig bin, bat mich eines Tages einer der großen chilenischen Schützen, ein Herr Huerta, für ihn einen Walther-Karabiner zu importieren. Es handelte sich um eine Sportwaffe. Das war so um 1999. Ich besorgte sie ihm und nach etwa sieben Monaten erhielt ich von der Firma Walther aus Deutschland einen Provisionsscheck über 20 DM.

 

Damit hatten Sie nicht gerechnet.

Nein, durchaus nicht. Und ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass ich drei Jahre später einen Anruf der Sekretärin des Verkaufsleiters von Walther beantworten würde. Sie teilte mir mit, dass ihr Chef in Chile eine Militärwaffenmesse besuchen würde, und dass er mich treffen wollte, um mir die Vertretung der Firma für unser Land anzubieten. Ich übernahm also die Vertretung von Walther für vier Jahre.

Die Deutschen wollten aber mehr Umsatz haben. Wir befanden uns in dem extrem wettbewerbstüchtigen Markt der Handfeuerwaffen. Unsere Konkurrenz waren chinesische und brasilianische Firmen, sowie ein Joint Venture von Famae und einem asiatischen Unternehmen. Später kam Glock aus Österreich dazu.

Damals hatte ich Gelegenheit, die IWA in Nürnberg zu besuchen, das ist die größte Jagd- und Outdoors-Messe, die es in Deutschland gibt. Ich gehe übrigens lieber auf die IWA nach Deutschland statt zur Shot-Show in die USA, denn auf der Shot-Show zieht man zwar schöne Beine, aber keine Qualität. So ist es nun einmal: die europäische Qualität ist heute wie früher unübertroffen. Ich habe mich also dazu entschlossen, Steyr-Druckluft-Waffen einzufahren, Karabiner und Pistolen.

 

Wozu werden diese Waffen eingesetzt?

Es sind Jagdwaffen. Heutzutage haben Druckluftwaffen nicht so viele Einschränkungen wie Feuerwaffen. Um eine Feuerwaffe zu erwerben, muss man etliche Prüfungen bestehen, sowohl schriftlicher als auch psychiatrischer Art, was übrigens sehr richtig ist. Mit den Druckluftwaffen ist dies aber nicht der Fall.

Ich habe mich auf diese Waffen spezialisiert, weil in Zukunft der Einsatz von Feuerwaffen immer mehr eingeschränkt sein wird. Außerdem importiere ich Swarovski-Ferngläser, da ich unter den Ornithologen zahlreiche Kunden habe. Übrigens betreibe ich eine Webseite, www.optika.cl, die Themen der Naturbeobachtung gewidmet ist.

 

Wie kamen Sie auf den Gedanken, Waffen zu sammeln?

Das geschah, als ich feststellte, dass es einen Markt von Sammlern gibt. Die Sammler folgen meist nicht bestimmten Richtlinien, sondern sie häufen auf, was sie bekommen. Sie kaufen und kaufen und kaufen. Besser ist es, sich auf bestimmte Erzeugnisse zu konzentrieren, zum Beispiel die Walther-PPK-Gruppe. Als ich Vertreter von Walther wurde, habe ich meinem Vorgänger eine PPK-Pistole Kaliber 9 abgekauft. Die Waffe war damals berühmt, weil James Bond sie benutzte. Daher habe ich mich auf Walther spezialisiert.

 

Findet man solche Waffen in Chile?

Sicher. Unser Heer und unsere Marine haben seinerzeit Walther-Pistolen für ihre Offiziere erworben. In der Tat haben etliche dieser Waffen das Signet «Ejército de Chile» oder «Armada de Chile» eingraviert.

 

Aus welcher Zeit stammen diese Sammelobjekte?

Sie stammen ab 1910 bis zum Zweiten Weltkrieg. Außerdem interessieren mich die neueren Steyr-Produkte. Heute sind wir an der Luft angelangt.

 

An der Luft?

Ja, ich meine die Luftdruckwaffen.

 

Was machen Sie mit Ihren Sammlerstücken? Heben Sie sie schön auf oder üben Sie damit etwa mit Ihren Freunden Scheibenschießen?

Nein, sie sind wie ein Gemälde, das man anschaut, aber nicht anrührt. Dabei ist man immer wieder von der Technologie beeindruckt, die in vergangenen Zeiten bei der Herstellung angewandt worden ist. Die deutsche Handarbeit ist hochqualifiziert. Die Walther-PPK aus dem Jahr 1940 zum Beispiel besitzt ein unglaubliches Design. Dazu kommt die Qualität des Stahls und der Fertigstellung – sie sind einmalig!

 

Sie verglichen ihr Hobby mit dem eines Gemäldesammlers. Wer Kunst kauft, weiß, dass nach einem gewissen Zeitraum seine Werke an Wert gewinnen werden. Sie stellen eine Investition dar. Wie verhält es sich mit den Schusswaffen?

Es ist der gleiche Fall. Allerdings ist es heute besser, statt Waffen Gemälde zu besitzen. Natürlich kommt es auch darauf an, von welcher Region wir reden. Die Nordamerikaner etwa sind verrückt nach Waffen und sie wissen genau, dass die Qualität der deutschen Erzeugnisse besser ist als ihre eigenen, ohne diese unterschätzen zu wollen.

Da passieren kuriose Dinge: Winchester-Gewehre wurden millionenfach hergestellt. Hier sind sie nichts wert. Aber in den USA kosten sie tausende von Dollars, weil sie ein Teil des Erbes der Nation sind.

Kürzlich war ich in Deutschland. Dort habe ich feststellen können, dass man bevorzugt Qualität kauft. Die Deutschen wissen, dass es mit dem Waffengeschäft abwärts geht. Deshalb kaufen sie auf und exportieren nach den USA. Man kann heute in Deutschland relativ preiswert einkaufen, aber es ist kompliziert, denn sie können nur mit einer Sonderlizenz nach Chile ausgefahren werden, und die Einfuhr ist bei uns auch mit Behördengängen verbunden – eine langwierige Geschichte. Aber da wir Spaß daran haben, sind wir bereit, zu warten.

 

Haben Sie als Sammler noch einen unerfüllten Traum?

Schwer zu sagen, denn es sind schon fast alle durch meine Hände gegangen (lacht). Es wäre interessant gewesen, eine der ersten Walther-PPK zu besitzen.

 

Wann wurden die hergestellt?

Im Jahr 1924.

 

Sie meinten, es sei «schon fast alles» durch Ihre Hände gegangen. Bedeutet das, dass Sie einige fortgegeben haben?

Ja, als Automobilverkäufer hatte ich kein regelmäßiges Einkommen. Es ging auf- und abwärts, da war ich gezwungen, mich einiger Sammelobjekte zu entledigen.

 

Herr Jünemann, haben Sie besten Dank für dieses Gespräch.

 

Die Fragen stellte Walter Krumbach.

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