Paula Laupheimer, DCB-Beauftragte für den Schüleraustausch

Sich neuen Kulturen öffnen, den Horizont erweitern

Paula Laupheimer: Seit ihrer frühesten Kindheit mit Deutschland verbunden. Foto: Walter Krumbach
Paula Laupheimer: Seit ihrer frühesten Kindheit mit Deutschland verbunden. Foto: Walter Krumbach

 

Seit Februar 2013 betreut sie den Schüleraustausch im Deutsch-Chilenischen Bund (DCB). Paula Laupheimer, von Beruf Betriebswirtin, hatte sich erfolgreich beworben, als ihre Vorgängerin angekündigt hatte, sich pensionieren zu wollen und deren Hilfskraft auf Schwangerschaftsurlaub ging.

 

Von Walter Krumbach

«Wir arbeiten mit 15 Deutschen Schulen aus ganz Chile zusammen», erzählt sie, «und je nach Schule haben die Jugendlichen im 2º oder 3º Medio die Gelegenheit, für neun Wochen nach Deutschland zu reisen». Im Gegenzug kommen deutsche Schüler nach Chile, deren Einreise, Aufenthalt und Schulbesuch ebenso vom DCB organisiert wird.

Die direkten Ansprechpartner Paula Laupheimers im Inland sind die Sachbearbeiter der verschiedenen involvierten Schulen. In Deutschland pflegt der DCB mit drei Organisationen Kontakt: dem VDA (Verein für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland), dem AFS (American Field Service) und Schwaben International. Sie suchen vor Ort Gastgeberfamilien für ihre chilenischen Besucher und richten deutschen Schülern ihre Chilereise ein. Dazu kommt Almut Ryssel, die am Schreibtisch nebenan sitzt und «eine Art vierte Organisation ist, die über die Schulen in Deutschland Familien ausfindig macht».

 

Knifflige Details beim Organisieren einer Reise

Jedes Jahr fliegen um die 230 15- bis 17-jährige chilenische Austauschschüler nach Deutschland. Umgekehrt kommen im gleichen Zeitraum etwa 60 deutsche Jugendliche nach Chile. Diese große Anzahl Reisen zu organisieren und jeden Teilnehmer dabei zu beraten, ohne dass knifflige Details unter den Tisch fallen, mag kein leichtes Unterfangen sein. Paul Laupheimer sieht das anders: «Die Zahl 230 mag einschüchternd wirken, aber da jede Schule ihren Sachbearbeiter hat, wird jeder Einzelfall gesondert behandelt und gelenkt». Es ist damit zwar ein großer Arbeitsaufwand verbunden, «aber ich bin schon so daran gewöhnt, dass es nicht so schlimm ist».

Freilich entstehen oft Schwierigkeiten, die zunächst unlösbar zu sein scheinen: «Wenn etwa der Reisetermin heranrückt und 30 Schüler noch keine Unterkunft haben, dann wird man nervös und hat einige schlaflose Nächte», gibt sie zu, «aber im Endeffekt lösen sich solche Probleme immer». Einmal passierte es, dass ein Schüler bereits den Atlantik überquerte, ohne eine Gastfamilie zu haben. Paula Laupheimer musste sich einen Plan B einfallen lassen: Er wurde nach der Landung in Deutschland in einem Hotel einquartiert, bis – 48 Stunden später – das Problem gelöst werden konnte.

 

Erfahrungen im fernen Europa

Beim Bilanzziehen herrschen jedoch eindeutig die positiven Erfahrungen vor: «Sobald die Kinder im Flugzeug sitzen, stellt sich ein beruhigendes Gefühl ein», versichert sie, «und wenn sie zurückkommen und von ihren Erfahrungen im fernen Europa erzählen oder wenn sie einem einen Dankesbrief schreiben, dann weiß man, dass die Arbeit sich gelohnt hat».

Die Jugendlichen halten sich neun Wochen in Deutschland auf, während denen sie eine Schule besuchen müssen. Einige unternehmen danach eine 10-tägige Rundreise.

Nicht unwichtig ist das Feedback, das von den deutschen Schülern nach ihrem Chile-Aufenthalt herüberkommt. «Wir holen sie bei der Ankunft immer am Flughafen ab und begleiten sie ebenfalls bei der Rückreise», erzählt Paula Laupheimer, «wir lernen sie also kennen, sobald sie chilenischen Boden betreten, und können somit nachher beim Abschied feststellen, was für einen Unterschied der Chile-Aufenthalt für sie ausgemacht hat».

 

Schüleraustausch – Spanisch ist groß im Kommen

Was veranlasst einen deutschen Jugendlichen, einen Schüleraustausch zu unternehmen und Chile zu besuchen? «Zunächst einmal, die spanische Sprache zu erlernen beziehungsweise die Spanisch-Kenntnisse zu verbessern», hat sie feststellen können. «In den Schulen Deutschlands ist Spanisch groß im Kommen. Dazu kommt ihre Neugierde auf dieses einzigartige, langgestreckte Land, in dem alles vorhanden ist: das Meer, die Anden, die Wüste, die Wälder und alle erdenklichen Klimazonen».

Das Interesse am Schüleraustausch von chilenischer Seite nimmt zu, wie der DCB in den letzten Jahren hat feststellen können. Der DCB nimmt dies nicht nur mit Freude zur Kenntnis, sondern fühlt sich dadurch auch verpflichtet, sich dem anzupassen und den wachsenden Forderungen gerecht zu werden. Paula Laupheimer gibt zu bedenken, «dass dementsprechend mehr Gastfamilien gefunden werden müssen».

Diese erhöhte Nachfrage ist ohne Zweifel auf die positiven Erfahrungen zurückzuführen, die die deutsch-chilenischen Jugendlichen in den letzten Jahren gehabt haben: «Da ist zunächst ihr Fortschritt in der deutschen Sprache», unterstreicht die Beauftragte, «der sich jedes Mal automatisch einstellt und zweitens ist da ihr Gedeihen als Person: Sie werden selbstständiger, gewinnen an Selbstvertrauen und lernen einen besseren Umgang mit ihren Mitmenschen. Dazu kommt, dass sie sich neuen Kulturen öffnen und somit ihren Horizont erweitern». Etliche Austauschschüler entschließen sich später zu einem Studium in Deutschland oder besuchen ihre Gasteltern erneut. So bilden sich Freundschaftsbande, die mitunter ein Leben lang halten können.

 

Verbindung zu Deutschland

Paula Laupheimer ist eine gebürtige Santiaguinerin. Ihre Verbindung zu Deutschland besteht seit ihrer frühesten Kindheit. Bereits zwischen ihrem ersten und dem vierten Lebensjahr lebte sie infolge der Arbeit des Vaters dort. Nachdem die Familie zurückkehrte, besuchte sie die Deutsche Schule Santiago, um anschließend an der Universidad Andrés Bello Betriebswirtschaft zu studieren. Kurz vor Beendigung der Laufbahn machte sie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz einen Lehrgang über Finanzen, um sodann ihr Diplom entgegenzunehmen.

Ihre ersten beruflichen Erfahrungen konnte sie an der Gemeindeverwaltung Lo Barnechea und an zwei Banken sammeln, bis sie vor fünfeinhalb Jahren zum DCB kam. Eine ihrer Lieblingsfreizeitbeschäftigungen ist es, einen guten Film zu sehen. «Ich gehe zwar nicht oft ins Kino», verrät sie, «aber ich gehöre zu denjenigen Frauen, denen es nichts ausmacht, alleine hinzugehen». Dieses nicht alltägliche Unabhängigkeitszeugnis ist jedoch keine Neigung zur Isolierung. Im Gegenteil: Paula liebt es, mit ihren Verwandten im Elternhaus am Pazifik die Wochenenden zu genießen oder mit ihren Neffen zu spielen. Kinder hat sie nämlich besonders gern.

Aber nicht nur der gute Umgang mit den Menschen, die ihr nahestehen, ist ihr wichtig. Überhaupt hält sie sich «manchmal etwas übertrieben» an die Regeln der Gesellschaft. So gesteht sie belustigt: «Ich kriege schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich bei Gelb an einer Verkehrsampel vorbeifahre!»

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