Natacha Galarce, Leiterin der Deutschen Schule Osorno

Managerin voller Enthusiasmus und Tatendrang

Seit sechs Jahren unterliegt das Management der Deutschen Schule Osorno der Chilenin Natacha Galarce. Der Cóndor sprach anlässlich der 165-Jahr-Feier der DSO mit ihr über die bilinguale Alphabetisierung und das Erfolgsrezept der ältesten deutschen Schule Südamerikas.

Natacha Galarce, Leiterin der Deutschen Schule Orsono. Foto: Petra Wilken

Die Lehrer waren reichlich nervös, als der Moment gekommen war und sie der Elternschaft des Kindergartens das Projekt der bilingualen Alphabetisierung vorstellen mussten. Wie würden es die Eltern finden, dass ihren Kindern von klein auf deutschsprachiger Unterricht zugemutet werden sollte? Und wenn sie es ablehnten? Ihre Direktorin Natacha Galarce beruhigte sie: Die Schule habe ihre Argumente gut vorbereitet. Und was passierte? Es gab gar keinen Widerstand. Vielmehr gratulierten die Eltern der Schule zu dem Vorhaben, das sie sich schon lange für ihre Kinder gewünscht hätten.

Natacha Galarce erzählt im Gespräch mit dem Cóndor von dem Ereignis auf ihre persönliche Art – voller Enthusiasmus und Tatendrang, überzeugend und nicht ohne Stolz. Stolz auf die Erfolge der Schule und stolz darauf, Teil einer 165-jährigen Geschichte zu sein, der der ältesten deutschen Schule Südamerikas.

«Jemand, der gut managen kann»

Vor sechs Jahren hat sie die Schulleitung in Osorno übernommen. Damals hatte die DSO (Deutsche Schule Osorno) 720 Schüler, heute sind es 950. Ein Anteil von 30 Prozent der Schüler ist deutscher Abstammung. Sie selbst hingegen hat italienische Vorfahren und spricht kein Deutsch. «Die Schule suchte jemanden, der gut managen kann», erklärt die Chilenin, die vorher lange Jahre an einer englischsprachigen Schule in Valdivia gearbeitet hatte.

Den Wechsel habe sie nie bereut. Vielmehr ist sie ein großer Fan ihrer Arbeitsbedingungen in Osorno und schwärmt von der «calidad humana» in ihrem Direktorium. «Mit ihm kann man sich Ziele setzen und vieles erreichen», meint sie. Für sie hat das etwas damit zu tun, dass die Mehrzahl der Mitglieder des Vorstandes deutscher Abstammung ist, weshalb sie großes Interesse am Erhalt der Kultur hätten.

Auch das stringente konservative Regelwerk – keine langen Haare für die Jungen, keine gefärbten Haare für die Mädchen, keine Piercings und natürlich die obligatorische Uniform – gefällt Natacha Galarce. Sie hält die Einhaltung dieser Ordnung für eine gute Basis des schulischen Zusammenlebens. Andererseits erziehe die DSO mit dem Angebot des International Baccalaureate IB die Schüler zu Weltbürgern, wie sie es ausdrückt.

Natacha Galarce ist davon überzeugt, dass die Elternschaft diese Eckpfeiler wertschätzen. Dazu käme aber auch die attraktive Infrastruktur, die die Schule bieten kann: So ist da das Refugio Antillanca. Schon im Vorschulalter fahren die Kinder in die Skihütte und ab der 2. Klasse haben sie Skiunterricht. Das klingt schon sehr nach deutscher Kultur. Ebenso wie Schwimmunterricht, den die Schule ab der 6. Klasse als festes Fach eingerichtet hat. Sogar Hydrotherapie wird angeboten. «Das hat sich als besonders wirksam für Schüler mit einem gewissen Grad an Asperger erwiesen», erzählt Natacha Galarce.

80 Prozent bestanden A1-Sprachtest

Das Projekt der zweisprachigen Alphabetisierung wurde vor vier Jahren begonnen. Da die Kinder an der DSO bereits mit zwei Jahren aufgenommen werden und immer Deutsch hören, ist der Übergang mit sechs Jahren nicht übermäßig schwierig. Ab der 1. Klasse haben die Schüler 60 Prozent der Fächer auf Deutsch: Mathematik, Deutsch, Gemeinschaftskunde, Kunst und Musik. «Unsere Lehrer sprechen in diesen Fächern nie Spanisch», erläutert Natacha Galarce. Mit dem Ergebnis ist sie sehr zufrieden. Kürzlich absolvierte das vierte Schuljahr den A1-Sprachtest, der von 80 Prozent der Kinder bestanden wurde.

Um die Zweisprachigkeit garantieren zu können, arbeiten mehr als 20 deutschsprachige Lehrer an der Schule. Zudem gibt es ein Abkommen mit der Schweiz, die einen Lehrer an die DSO schickt. Seit Kurzem hat die Schule zudem personelle Unterstützung durch die deutsche Zentralstelle für das Auslandsschulwesen ZfA erhalten. Die ZfA ist für die Supervision der zweisprachigen Alphabetisierung zuständig, und Natacha Galarce versteht es als Prämie, dass die deutsche Lehrkraft Helen Fürniß in ihrer Schule angesiedelt wurde. Sie unterstützt die DSO drei Tage die Woche und arbeitet die anderen beiden Tage mit der ZfA-Fachberaterin für Deutsch in Chile, Anna Hendrischk-Seewald zusammen.

«Ich freue mich darauf, die Ergebnisse unserer bilingualen Alphabetisierung zu sehen, wenn es soweit ist, dass das die Abschlussjahrgänge das Sprachdiplom absolvieren», meint die Schulleiterin. Solange möchte die 59-Jährige weiterhin pädagogisch tätig sein.

Die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen kann sich einen Ruhestand kaum vorstellen, aber es gibt dennoch einen handfesten Grund, ihn in den kommenden Jahren anzustreben: Sie ist seit 18 Jahren mit einem US-Amerikaner verheiratet und lebt eine Ehe auf Distanz. In absehbarer Zeit möchte sie zu ihrem Mann nach Texas ziehen. Doch zunächst hat sie noch so einiges an der DSO zu tun: In diesem Jahr gibt es kaum eine Ruhepause, denn das Jubiläumsprogramm zum 165-jährigen Bestehen ist eng gedrängt. Der Höhepunkt ist für den 25. Oktober eingeplant, mit Events in der Schule und im deutschen Kulturzentrum Sofia Hott in der Innenstadt von Osorno sowie mit einem Konzert.         

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