Mehr Künstler auf mehr Bühnen für mehr Zuschauer

Harriet Eeles, Vorsitzende der Musikwochen Frutillar

Harriet Eeles: «Unser Hauptmerkmal wir immer die klassische Musik sein.» Foto: Walter Krumbach

 

Die gebürtige Engländerin lebt seit 1986 in Chile. Mit 20 ging sie nach Italien, wo sie an der FAO arbeitete. Danach war sie in Afganistan tätig und später ergab sich die Gelegenheit, in Mosambik an einem Forstentwicklungsprogramm teilzunehmen. Dort lernte sie mehrere Chilenen kennen, unter denen sich ihr späterer Ehemann befand. Ein gemeinsamer Chilebesuch hinterließ bei der jungen Britin tiefe Spuren: «Land und Leute haben mich fasziniert, ebenso die Natur und die Landschaften». Die jungen Eheleute erwarben bei Frutillar ein Gut und ließen sich dort nieder. Harriet Eeles hatte sich schon als Kind für klassische Musik interessiert. So war ihre Beteiligung an den Musikwochen, zunächst als Zuhörerin, eine Selbstverständlichkeit. Seit über 20 Jahren ist sie Vorstandsmitglied und nach Flora Inostrozas Tod wurde sie zur Vorsitzenden der Corporación Semanas Musicales gewählt. Während dem letzten Festival gewährte sie dem Cóndor ein Interview, in dem wir die Zukunft des mittlerweile angesehensten Musikereignisses der chilenischen Sommersaison unter die Lupe nahmen.

Von Walter Krumbach

Cóndor: Welches erachtest Du, vom persönlichen Standpunkt aus betrachtet, als die größte Herausforderung der Musikwochen?

Harriet Eeles: Wir müssen die Nachhaltigkeit der Körperschaft erreichen. Wir sind dazu auf dem Weg. In dieser neuen Phase sollte nicht die leitende Person die gesamte Verantwortung tragen. Es ist die Einrichtung, die sich in einem breiteren Kontext entwickeln muss. Meine Herausforderung besteht darin, eine bessere Integration mit der Frutillarer Gemeinschaft zu erreichen, damit diese die Musikwochen als etwas Eigenes betrachtet. Dazu sollte sie einen verstärkten Beitrag zur musikalischen Entwicklung der Gemenide und der Region leisten. Dafür haben wir bereits die Geschäftsstelle der Corporación nach Frutillar gebracht. Wir haben daher das Büro in Osorno schließen müssen.

Zum anderen forderte die UNESCO den Bürgermeister von Frutillar dazu auf, dass die Stadt sich bewerbe, um auf dem Gebiet der Musik zum  internationalen Netzwerk schöpferischer Städte zu gehören. Wir möchten an dieser Bewerbung teilnehmen. Allerdings finden wir, dass das Wichtigste dabei ist, dass wir einen Handlungsplan haben, der die gesamte Gemeinschaft auf dem Gebiet der Musikkreativität integriert und zusätzlich eine Vereinigung mit Netzwerken und Kulturkörperschaften beinhaltet, die diese Thematik bearbeiten. Das Ergebnis der Bewerbung wird vor Jahresende bekanntgegeben werden.

 

Die Musikwochen begannen unter Artur Junges Leitung als Chortreffen. Später kamen Instrumentalisten dazu und in diesem Jahr gibt es einzig ein Chorkonzert, die Aufführung der 9. Sinfonie Beethovens. Die Programmgestaltung hat sich verändert. Es wird nicht nur klassische Musik dargeboten, sondern auch Jazz und Musik, die in der chilenischen Folklore wurzelt, sowie Film- und Popmusik. Wie wird sich in Zukunft die Programmgestaltung des Festivals entwickeln?

Unser Hauptmerkmal wird immer die klassische Musik sein. Indessen müssen wir stets anderen Ausdrucksformen ein Fenster öffnen, vorausgesetzt, sie besitzen Qualität. In diesem Jahr haben wir zum Beispiel auf Wunsch unseres Publikums am 2. Februar zwei Jazzkonzerte angesetzt. Seit vielen Jahren arbeiten wir mit dem Blasorchester der Luftwaffe zusammen. Gemeinsam mit der Universidad de Chile ist für uns die Luftwaffe ein Eckstein, um die Musikwochen durchzführen. Ihr erstes Konzert hat immer einen klassischen Hintergrund und im zweiten widmen sie sich anderen Genres. In diesem Jahr etwa entschieden sie sich für Folklore, in Zusammenarbeit mit den Jaivas. Wir werden diese Erschließung anderer Musikgattungen beibehalten aber, wie gesagt, die Hauptachse wird stets die klassische Musik sein.

Und was die Chormusik anbetrifft: zum 50. Jubiläum im kommenden Jahr würde ich gerne mehr Werke jener Gattung aufführen. Wir möchten zudem die Gründung von Chören in unserer Gemeide und die zahlreichen Chorarbeiten, die das Teatro del Lago ausführt, fördern. Sie führen das Programm «Du kannst singen» durch, welches die Gründung von Chören in Schulen unterstützt und jedes Jahr ein Chortreffen veranstaltet.

 

Stichwort 50.-jähriges Jubiläum: Können wir schon etwas über das Programm des kommenden Jahres erfahren?

Ich würde mich dazu lieber noch nicht äußern. Erwähnen kann ich aber jetzt schon, dass wir auf mehr Bühnen als gewohnt auftreten möchten, um dem Festival einen nationalen Charakter zu geben. Wir wünschen ebenfalls, die Musikwochen um zwei Tage zu erweitern, das heißt, am 25. Januar statt am 27. zu beginnen, um mehr Konzerte im Theater anberaumen und um mehr Teilnehmer zusammenbringen zu können, sowohl Künstler als auch Zuhörer.

Außerdem möchten wir zum Jubiläum mehr Veranstaltungen anbieten können, zum Beispiel einige historische Schauplätze integrieren, wie die Deutsche Schule, die Gemeinde-Turnhalle, die schönen Kirchen beider Konfessionen. So sollen wir das, was in diesen 50 Jahren geschah, ins Gedächtnis zurückrufen. Wir haben jetzt bereits feststellen können, dass zahleiche Künstler im kommenden Jahr mit von der Partie sein wollen. Daher wollen wir ihnen diese Plattformen öffnen.       

 

Dabei wünschen wir Euch viel Erfolg! Besten Dank für das Gespräch.

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