Max von Igel – Regionaldirektor des Marktführers für Umwelttechnologie Huber S.E.

«Ich war keine Leuchte in der Schule»

Max von Igel
Max von Igel ist Regionaldirektor von Huber S.E., ein Unternehmen der Umwelttechnologie. Foto: Petra Wilken

 

Max von Igel ist zwar schon im September 50 geworden, doch das große Fest steigt jetzt im November. Da ist es sommerlicher, und der Chef kann aus Deutschland echte Weihnachtskerzen mitbringen. In seinem Büro in Vitacura erzählt der Regionaldirektor von Huber Latin America locker und entspannt, wie seine Eltern nach Chile kamen, von seiner eigenen Familie, der Pflege deutscher Bräuche und wie er den lateinamerikanischen Markt für das weltweit führende bayerische Umwelttechnik-Unternehmen aufgebaut hat.

 

Von Petra Wilken

Seine Eltern Juliane Grisar und Wolf Botho von Igel gehören beide zur Generation der Kriegskinder. Ihre Familien wanderten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Chile und Argentinien aus. Als Erwachsene führte sie das Schicksal 1967 in Santiago zusammen. Sie bekamen fünf Kinder, Max ist das Älteste. Sein Vater arbeitete 35 Jahre lang als Geschäftsführer von Schering in Santiago, seine Mutter, künstlerisch hoch begabt, war und ist die Hüterin der deutschen Bräuche in der Familie.

 

Weihnachten auf Deutsch

«Kennen Sie Eierkullern?» Lebhaft beschreibt Max von Igel, wie die Familie am Karfreitag stundenlang hartgekochte Eier bemalt, seine Mutter dann am Ostersonntag ein Speerholzbrett über mehrere Bücher legt und jeder Spielteilnehmer seine Eier herunterkullern lässt. Wer andere trifft, darf sie behalten und essen. «Heute hat meine Mutter 14 Enkelkinder, die mit Begeisterung dabei sind.» Zu Weihnachten wird eine echte Tanne aufgestellt, mit echten Kerzen geschmückt, und dann führen die Enkelkinder Krippenspiele auf. Auf Deutsch? Ja natürlich. «Wir hatten ein sehr deutsches Elternhaus, es wurde nur Deutsch gesprochen», so von Igel.

Keine Frage – er und seine Geschwister gingen auf die Deutsche Schule Santiago. Als er 17 war, wollte er Pilot bei Lufthansa werden. Da er wusste, dass die Aufnahme nicht einfach war, überlegte er zunächst zwei Jahre Ingenieurswesen in Chile zu studieren, um sich besser vorzubereiten. «Doch ich war keine Leuchte in der Schule», gibt von Igel unumwunden zu. «Die Prueba de Aptitud Académica fiel miserabel aus.» Das Ergebnis reichte für ein Bauingenieurs-Studium an der Universidad Central in San Bernardo. «Mein Vater sagte mir: ‘Das machst du jetzt fertig’. Und nach einiger Zeit hat es angefangen mir großen Spaß zu machen.»

 

Mit 3.000 DM und zwei Koffern losgezogen

Nach dem Abschluss begab er sich auf Arbeitssuche in Deutschland. «Ich bin mit 3.000 D-Mark und zwei Koffern losgezogen und habe mein operatives Lager bei meinem Onkel in Mainz aufgeschlagen. Er bekam eine Anstellung bei der Firma Dyckerhoff & Widmann in München. «Ein Riesenbau-Unternehmen mit 20.000 Mitarbeitern weltweit. Als erstes wurde ich zum Bau einer Malzfabrik nach Ungarn und dann für den Bau des Staudamms Puclaro im Valle del Elqui nach Chile geschickt.»

An dieser Stelle seiner Geschichte kam der Moment der eigenen Familiengründung. Er kannte Karin Saumann schon aus der Schule. Auch sie hat deutsche Vorfahren. «Während meiner Unizeit hatten wir ein langes Pololeo, aber ich habe es abgebrochen, als ich nach Deutschland ging, weil ich meine Freiheit haben wollte», erzählt er freizügig. Genauso offenherzig räumt er ein, dass die Rechnung nicht aufging und er Karin bald bat, ihn in Deutschland zu besuchen. 1995 heirateten sie.

Während des Einsatzes in La Serena wurden ihre beiden Töchter geboren. Magdalena ist heute 20 und studiert Medizin, während Amelie (19) noch auf die Ursulinenschule geht. Sie ist mit einer geistigen Behinderung zur Welt gekommen. Auch hierüber spricht Max von Igel in seiner offenen Art. «Ich wurde 2000 nach Nicaragua versetzt, und da merkten wir, dass Amelie ein Kind mit besonderen Bedürfnissen ist. Wir waren zu unzähligen Untersuchungen in Miami und Santiago, aber man konnte nicht feststellen, was sie hat», erzählt er.

Seine Arbeit hat es ermöglicht, seiner Tochter die modernsten Therapien anzubieten: Sie waren mit ihr zur Delfintherapie in Südflorida, zur Reit- und Musiktherapie in Deutschland. «Wenn man keine Diagnose hat, weiß man auch nicht, was hilft. Aber sie hat viel Liebe und Zuneigung bekommen, und das hat auf alle Fälle geholfen. Wir haben auch viel gelernt, was Integration angeht. An der Ursulinenschule haben wir dazu beigetragen, dass es dort heute eine professionelle Integration gibt.»

 

Nicaragua, Deutschland, Chile

Doch das war erst später. Die berufliche Entwicklung führte die Familie anschließend von Nicaragua nach Deutschland, wo er seinen Job bei Huber S.E. in Berching in der Oberpfalz begann. Das 1872 gegründete Familienunternehmen, in sechster Generation in der Hand eines Hubers, ist heute weltweit führend in Umwelttechnologie mit Fokus auf Edelstahlmaschinen und Technologien für die Fest-Flüssigtrennung, also die Behandlung von Abwässern und Klärschlamm. Über die Tochterfirma Slude2Energy wird heute sogar aus getrockneten Schlämmen Energie gewonnen und ins Netz eingespeist oder für den Eigenbedarf benutzt.

Im Jahr 2005 stand bei Huber die Frage an, wo in Lateinamerika eine Niederlassung gegründet werden sollte. Die Wahl fiel auf Chile, von wo aus Max von Igel nun seit 13 Jahren die Geschäfte für Lateinamerika und die Karibik leitet. Inzwischen gibt es auch in Brasilien und Mexiko Niederlassungen. Das von Santiago aus gemanagte Netz von Vertretungen wird immer größer. «Alle Kläranlagen der Hauptstädte Lateinamerikas sind mit Huber-Technologie ausgerüstet. Im Moment bauen wir die erste und größte thermische Schlammtrocknung Lateinamerikas in Medellín», so von Igel.

«Chile ist in Umwelt- und Abwasserbehandlung anderen Ländern in Lateinamerika mit Abstand voraus. In Ländern wie Paraguay gibt es keine einzige Kläranlage. In Ecuador in etwa nur 40 bis 50 Prozent der Städte. Wasser ist und bleibt ein Riesengeschäft», weiß Max von Igel.

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