Maren Biener als beste Austauschschülerin vom Rotary Club ausgezeichnet

«Ich habe mich in meiner chilenischen Klasse sofort willkommen gefühlt»

Maren Biener hält stolz die Ehrung des Rotary Clubs in der Hand: Sie wurde als beste Austauschschülerin von insgesamt 70 Teilnehmern bei einem zehnmonatigen Programm ausgezeichnet.
Maren Biener hält stolz die Ehrung des Rotary Clubs in der Hand: Sie wurde als beste Austauschschülerin von insgesamt 70 Teilnehmern bei einem zehnmonatigen Programm ausgezeichnet.

 

Der Preis kam für Maren Biener völlig überraschend – der Rotary-Club Providencia zeichnete die 15-Jährige im Juni als beste Austauschschülerin aus. 70 ausländische Schüler hatten an dem zehnmonatigen Programm des Rotary Clubs teilgenommen.

 

Von Silvia Kählert

«Das Colegio San Juan Evangelista bezeichnete Maren als beste Austauschschülerin, die jemals die Schule besuchte», begründet Gilberto Rudolph Vivanco, Präsident des Rotary Clubs Providencia, die Auszeichnung. «Der Rotary-Jugenddienst möchte mit diesem Austauschprogramm zur Völkerverständigung, und letztlich auch zum Frieden zwischen den Ländern beitragen. Die jungen Menschen erleben so hautnah, Sitten, Bräuche, die Mentalität sowie die Sprache und Kultur der Landesbewohner kennen. Gleichzeitig sind sie Botschafter ihres eigenen Landes.»

Besonders gut ist dies Maren Biener gelungen. Wie es sich überhaupt ergab, dass die aus Baden-Württemberg stammende Schülerin nach Chile kam, erklärt sie so: «Es besteht schon länger ein Kontakt zwischen dem Rotary Club und meiner Ganztagesschule in Heidenheim. Das ist sehr praktisch für das Programm, da so die Austauschschüler den ganzen Tag betreut werden.» Als Maren erfuhr, dass bei dem Programm noch Plätze frei sind, hat sie gleich gewusst: «Das ist etwas für mich.» Auch ihre Eltern, die selber gerne reisen, waren sofort einverstanden.

 

«Chile war beste Wahl»

Das war nicht selbstverständlich, da Maren mit 15 Jahren bei Antritt der Reise eine der jüngsten Teilnehmerinnen war. Im Nachhinein sieht sie ihr Alter als Vorteil: «Ich hatte den Eindruck, dass es mir leichter fiel die neue Sprache zu lernen. So komme ich auch früher wieder nach Deutschland in meine Schule und habe mehr Zeit mich auf das Abitur vorzubereiten.»

Zuerst hatte sie sich überlegt, als Ziel die USA anzugeben. Da es nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen gab und die USA sehr beliebt sind, entschied sie sich aber für Südamerika. Inzwischen ist Maren der Meinung: «Chile war die beste Wahl. Englisch kann ich sowieso schon sprechen. Nun habe ich auch noch Spanisch gelernt.»

 

Mit Sprache kam Integration

In ihrer Schule in Deutschland hatte sie bis dahin außer Englisch nur noch Russisch als Fach. Wie konnte sie so schnell die fremde Sprache erlernen? «Das kam vor allem daher, weil ich ganz viel Glück mit meiner chilenischen Klasse hatte», ist sie überzeugt. «Ich habe mich in meiner Klasse sofort willkommen gefühlt. Meine Mitschüler waren sehr geduldig, als ich am Anfang noch nicht so gut sprechen konnte», erzählt Maren strahlend, wenn sie sich an die erste Zeit im Colegio erinnert.

Während ihres Aufenthalts besuchte das deutsche Mädchen das katholische Colegio San Juan Evangelista. Schnell habe sie unter den 32 Schülern eine Gruppe von fünf guten chilenischen Freundinnen gefunden, mit denen sie auch eine Reise unternahm. Wichtig sei für sie gewesen, «rund um die Uhr nur Spanisch zu hören und zu sprechen». Zwar habe sie regelmäßig Kontakt zu ihrer Familie per Skype oder Whatsapp gehabt, aber nur alle paar Wochen.

 

Beste Austauschschülerin des Colegios

Die gute Integration Marens in die Klasse, das schnelle Erlernen der Sprache und die ausgezeichneten Leistungen im Unterricht fielen den Lehrern auf. Daher wendete sich der Schulleiter des Colegios, César González, an die für das Austauschprogramm in dem Distrikt zuständige Jessica Bustos. Sie und Gilberto Rudolph Vivanco entschieden, dass der Rotary-Club dieses Jahr erstmals einen Preis an die beste Austauschschülerin verleihen werde.

Insgesamt gliedert sich der Rotary Club weltweit in rund 34.000 Clubs, davon befinden sich 55 im Rotary Distrikt 4.340, der die Region Metropolitana umfasst. Mit Maren kamen im Juli letzten Jahres noch zwei Deutsche, eine Französin und zwei US-Amerikaner in den Club Providencia. Jede Familie, die einen ausländischen Jugendlichen aufnimmt, schickt selber auch ein Kind über das Programm in ein anderes Land.

 

Mit Spätzle und Kuchen Herzen erobert

Nacheinander lebte die Süddeutsche in zwei verschiedenen Gastfamilien, wie es bei dem Programm üblich ist. «Ich habe mich wohlgefühlt. Auch wenn es nicht immer einfach war, mich an die Regeln und Gewohnheiten in jeder Familie zu gewöhnen. Zuhause war ich sehr selbständig», berichtet Maren. Was ihr die Aufnahme in die Gastfamilien sicherlich erleichtert hat, sind ihre Backkünste: «Mein Apfelkuchen, der Marmorkuchen und die Plätzchen sind hier gut angekommen. Und auch meine Spätzle waren ein voller Erfolg. Die ich habe das erste Mal mit der mitgebrachten Spätzle-Presse gekocht», erklärt sie stolz.

Einige Regionen Chiles lernte Maren durch die vom Rotary-Club organisierten Reisen kennen. «Das war toll! Bei unseren Ausflügen von San Pedro aus, habe ich die vielen verschiedenen Landschaften der Atacama- Wüste gesehen. Und im Nationalpark Torres Del Paine die wieder ganz andere Natur im Süden des Landes.»

Mitte Juni hieß es für Maren nun wieder Abschied nehmen. «Heimweh hatte ich keins, aber nun freue ich mich doch wieder nach Hause zu kommen», gibt sie zu. Ihre chilenische Klasse organisierte für sie eine Abschiedsparty und ihre Freundinnen begleiteten sie zum Flughafen: «Sie wollen mich auch in Deutschland besuchen.»

Der Abschied fiel ihr nicht ganz so schwer, weil sie zuhause der chilenische Gastschüler Vicente in ihrer eigenen Familie in der Schwäbischen Alb erwartete. «Das war für uns beide sehr schön, dass er aus Chile stammt. Bei dem Programm ist es möglich, dass in die eigene Familie auch ein Schüler aus einem ganz anderen Land kommt», freut sich Maren über den glücklichen Zufall. Bis er wieder im Juli in seine südamerikanische Heimat zurückkehrte, konnten sie sich noch über ihre Erlebnisse austauschen – und das sowohl auf Deutsch als auch auf Spanisch.

 

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