Landwirt Marco Bentzien – Zurück zu den Wurzeln

Landwirtschaft und Tourismus in einem integrierten Konzept

Marco Bentzien neben einer Araukarie vor der Laguna Blanca beim Vulkan Tolhuaca.
Marco Bentzien neben einer Araukarie vor der Laguna Blanca beim Vulkan Tolhuaca.

 

«Farm & Friends»: Dieses Projekt hat Marco Bentzien zusammen mit Familie und Freunden auf einem 1.200 Hektar großen Areal im Süden von Chile bei Curacautín ins Leben gerufen. Der Landwirt baut gesunde Nahrungsmittel im Einklang mit der Natur an. Auch nachhaltige Forstwirtschaft und sanfter Thementourismus gehören zum Konzept.

 

Über den beeindruckenden Araukarien-Bäumen weht ein sanfter Wind. Ein Berg spiegelt sich in der glasklaren Laguna Blanca – wohl einer der schönsten Bergseen in Chile. Hier auf dem Fundo Laguna Blanca inmitten unberührter Naturwälder in der südchilenischen Region Araukanien hat ein junger Deutscher Großes vor: Er will dafür sorgen, dass der Beruf des Landwirtes wieder die ihm zustehende Würde und Anerkennung bekommt.

Qualität statt Quantität

Als Vorbild betrachtet Marco Bentzien die jungen Mosel-Winzer der 1990er Jahre. Diese haben sich auf alte Weinbautraditionen zurückbesonnen und mit fortschrittlichen Methoden verbunden. Dabei geht es verstärkt um Qualität statt um Quantität – auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Man hat sich wieder an den ursprünglichen Stärken der Region orientiert, lange brachliegende Steilhänge kultiviert und dort Wein angebaut. Denn Steillagen machen zwar die meiste Arbeit, bringen aber auch die beste Qualität hervor.

«Auch wir Bauern können schaffen, was die Winzer bereits erreicht haben», ist der 33-Jährige überzeugt. «Nämlich wieder zu Würde und Ansehen zu gelangen.» Denn er ist stolz auf seinen Berufsstand. Und er fügt hinzu – nach den Worten des deutschen Neurobiologen Gerald Hüther: «Wer die Würde der Natur verletzt, verletzt die eigene Würde.» Er hält absolut nichts von Fernsehformaten wie «Bauer sucht Frau», weil sie seiner Meinung nach den Ruf des Bauernberufs zerstören. Nun sei es an der Zeit, diesen wiederherzustellen. Und das gehe nur, wenn man in den Dialog mit Gleichgesinnten geht.

 

Gegenkonzept zu Landwirtschaftsindustrie und Massentourismus

Aus diesem Grund hat sich die Gründerfamilie neu ausgerichtet und das Projekt «Farm & Friends» auf die Beine gestellt. So wird beim Anbau darauf geachtet, dass die herrliche Natur des Fundo Laguna Blanca mit eingebunden wird und auch Permakultur eine Rolle spielt. Dabei geht es um innovative bio-dynamische Landwirtschaft, Produktion gesunder Nahrungsmittel – mit der Natur und nicht gegen sie. Zudem vernetzt die «Fundo-Familie» nachhaltige Forstwirtschaft mit einer grünen Energieproduktion. «So entsteht eine bäuerliche, biologische Kreislaufwirtschaft ganz bewusst als Gegenkonzept zur Landwirtschaftsindustrie», betont der engagierte Bio-Bauer.

Das «Friends» im Projektnamen steht für die Gäste auf Fundo Laguna Blanca. Die Besucher werden als Freunde betrachtet, die sich für das Konzept interessieren und Wert auf Ökologie und Nachhaltigkeit legen. Auch gesunde Ernährung, Bewegung und Erhaltung der Natur gehören zu den gemeinsamen Interessen. «Und das verbindet ungemein», erklärt der Landwirt. «Wir gehen hier alle sehr persönlich miteinander um, legen Wert auf menschliche Nähe – aber ohne aufdringlich oder missionierend daher zu kommen.»

Seminare über nachhaltige Landwirtschaft

Möglichkeiten für gemeinsame Unternehmungen und Erlebnisse gibt es viele – zum Beispiel wunderbare Wanderungen auf dem 50 Kilometer langen Wegenetz sowie Reit- oder Bergsteigerausflüge. Zudem versteht sich das Projekt «Farm & Friends» als Lern- und Musterbetrieb. So gibt es Seminare über nachhaltige Landwirtschaft, zur Persönlichkeitsentwicklung oder ein Kommunikationstraining mit Pferden. «Und wer nicht nur zuhören, sondern auch anpacken will, ist ebenfalls herzlich willkommen», sagt der Landwirt. Nach der Arbeit wird man im Restaurant «El Momento» mit gesundem Speisen verwöhnt oder kann von der gemütlichen Lodge aus den herrlichen Blick über das Tal genießen.

Marco Bentzien räumt ein, dass gesunde Nahrungsmittel mit hoher Qualität und ohne Chemie ihren Preis haben. Es liege also an den Verbrauchern, das zu erkennen und entsprechend die Bereitschaft aufzubringen, etwas mehr für wertvolle Produkte zu bezahlen. Gut gemeinte, aber letztlich nicht ernst zu nehmende Plädoyers würden nicht ausreichen.

Marco Bentzien möchte ein weltweites Netz zum Austausch mit Bauern mit ähnlichen Konzepten begründen. Zudem wünscht er sich Mitmacher, Investoren und Praktikanten für sein Herzensprojekt «Farm & Friends».

Infos:
marco@fundolagunablanca.com
www.fundolagunablanca.com
www.erfolgsgut.de

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