Marcelo Biasia, Geschäftsführer der Corporación Educacional Federico Froebel

«Ich war fasziniert von der deutschen Denkweise»

Marcelo Biasia, Geschäftsführer der Corporación Educacional Federico Froebel - Corpeduff
Marcelo Biasia, Geschäftsführer der Corporación Educacional Federico Froebel – Corpeduff

 

Der Argentinier Marcelo Biasia hatte rein gar nichts mit Deutschland zu tun. Heute spricht er fließend Deutsch, ist mit einer Deutschen verheiratet und Geschäftsführer der Corporación Educacional Federico Froebel. Was war da los?

 

Von Arne Dettmann

Schuld an allem, meint Marcelo Biasia ironisch, hat wohl die Deutsche Bank. Als 20-Jähriger machte der junge Mann aus Buenos Aires dort eine zweijährige Banklehre. «Ich war fasziniert von der deutschen Denkweise – nicht so eingeengt und abgeschottet wie damals Argentinien in den 80er Jahren.» Es waren nicht nur Pünktlichkeit und Verantwortungsbewusstsein, die Marcelo Biasia bei seinen Ausbildern und anderen Lehrlingen bewunderte. «Allein zu hinterfragen, weshalb man etwas tut, beeindruckte mich. „Weshalb arbeitest du bei einer Bank?“ – Diese Frage hätte ich mir früher nie gestellt. Ich wollte einfach nur einen Job.»

Wirklich nur einen Job? Zwei Jahre lang bezahlte die Deutsche Bank ihren Lehrlingen Deutschunterricht im Goethe-Institut, danach mussten sie selbst 50 Prozent der Kosten übernehmen, wenn sie weitermachen wollten. Der heute 50-Jährige paukte munter weiter. «Ich war wohl der einzige Schüler, der diesen Spracherwerb nicht als Last gesehen hat, sondern wurde vielmehr immer neugieriger auf Deutschland.»

 

Im Gepäck: eine deutsches Wörterbuch

Drei Jahre später war es soweit: Marcelo Biasia wechselte zur Unternehmensberatung Roland Berger nach Berlin und studierte parallel Betriebswirtschaftslehre an der European Business School mit Sitz in Hessen. Der Argentinier, dessen Vorfahren aus Italien, Spanien und Syrien stammen, lernte nun Deutschland kennen und lieben. Immer im Gepäck in Beruf und Freizeit: ein deutsches Wörterbuch, um neue Vokabeln aufzunehmen. «Es war unausweichlich, deutsch zu sprechen. Doch ich war hartnäckig und hatte es relativ schnell drauf.»

Es folgte 1995 der Gang zum Hamburger Konsumgüterkonzern Beiersdorf, wo er als Trainee im Bereich Finanzen und Controlling anfing und später ins Marketing einstieg. Ab 2004 wurde Marcelo Biasia Country Manager in Peru, dann Chile und schließlich Indonesien. «Zwölf Jahre lang war ich unterwegs.»

Doch trotz dieser internationalen Berufskarriere lag ein wichtiger kultureller Anker klar auf deutschem Boden. Im Jahr 1992 hatte Marcelo Biasia seine zukünftige Ehefrau Berit Einert aus Hannover kennen gelernt. Das Paar hat zwei Kinder: Enzo (11) wurde in Chile geboren, Milena (8) in Deutschland.

 

Natur, Berge und Küste – alles das gibt es in Chile

Doch warum zog es die Familie 2013 nach Chile, wenn vielleicht auch andere schöne Ecken auf der Welt zum Verweilen einladen? «Wir fühlen uns hier wohl. Es gibt Natur, Berge, die Küste», erzählt Marcelo Biasia, der mit seiner Frau schon den höchsten Berg Amerikas, den Aconcagua (6.962 m), und den höchsten Gipfel Europas, den Mont Blanc (4.810 m), erklommen hat. «Wir nutzen die Ski-Saison so lange, bis die Steine unter den Brettern kratzen.» Danach sattelt die Familie um aufs Fahrrad.

Auch beruflich erfolgte ein entscheidender Wechsel. «2016 war ein Transitionsjahr. Ich wollte etwas Neues wagen.» Damals noch Geschäftsführer von Beiersdorf für Chile und Peru, hörte Marcelo Biasia davon, dass der Corporación Educacional Federico Froebel (Corpeduff) jemanden für die gleiche Position suchte. Bewerbung, Interviews – seit Anfang 2017 ist Marcelo Biasia der gerente general, wie es auf Spanisch heißt.

Der gleiche Posten – doch ein völlig anderes Gebiet, wie Marcelo Biasia betont. Beiersdorf verkauft die Nivea-Creme, den Labello-Lippenstift und das «8×4»-Deo. «Da geht es nur darum, mehr zu verkaufen und besser als die Konkurrenz zu sein.» Eine Schule setze dagegen ganz andere Maßstäbe und Anforderungen. «Bildung ist ein langer Prozess, 14 Jahre lang begleiten wir einen Schüler, der im Mittelpunkt unserer Tätigkeit steht und eben exzellent gefördert werden soll.»

 

Corporación Educacional Federico Froebel – viele Institutionen unter einem Dach

Der Geschäftsführer der Korporation Federico Froebel die derzeit 2.100 Schüler zählt, muss sich auch um die DS Chicureo, das Insalco, die Immobilien der Dachorganisation Federico Froebel sowie den Import der deutschen Lehrbücher kümmern. Zu den Tätigkeiten zählt zudem die Koordination mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, die die DS Santiago unterstützt, sowie der deutschen Botschaft. Eltern, Lehrer, Verwaltung und chilenische Ministerien sind weitere «Stakeholder», also Anspruchsgruppen, wie es in der Wirtschaftssprache heißt. «Eine riesige Gemeinde – das macht meine Arbeit reizvoll.»

Seine Affinität zur deutschen Kultur hofft er auch an die eigenen Kinder weiterzugeben. «Ich halte es für wichtig, dass unser Nachwuchs nicht einfach nur international wird, sondern kulturell auch irgendwo verwurzelt ist, in diesem Fall im Deutschen.» Entsprechend sei die chilenische Hochschulzugangsprüfung PSU zwar akademisch wichtig, aber eben nicht das «Flaggschiff» der DS Santiago, meint Marcelo Biasia. «Unsere Ziele sind vielmehr die deutsche Sprache, Kultur und das Abitur und IB. Die Korporation Federico Froebel mit ihren Bildungseinrichtungen ist zudem klar – wie es im „Plan 21“ steht – auf den Schüler fokussiert, er befindet sich im Mittelpunkt. Lernmethoden und Innovationen richten sich danach aus, wobei pädagogische Qualität sowie finanzielle sowie infrastrukturelle Nachhaltigkeit stets zu optimieren sind. Daran mitzuarbeiten motiviert mich.»

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