Kurzinterview: Anne Litzbarski, Leiterin Germany Trade and Invest in Chile

4184_p16_1

Anne Litzbarski wurde in Tübingen am Neckar, dem geografischen Mittelpunkt von Baden-Württemberg, geboren. Seit 2005 arbeitet sie bei Germany Trade & Invest als Referentin, Stabsstellenleiterin und Senior Manager. Seit Mai 2014 lebt die 37-Jährige in Chile und ist hier Direktorin vom GTAI.

Bitte eine kurze Beschreibung des Unternehmens, in dem Sie tätig sind
Germany Trade & Invest ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. GTAI informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte, wirbt für den Wirtschaftsstandort Deutschland und begleitet ausländische Unternehmen bei der Ansiedlung. Wir analysieren an etwa 50 Standorten weltweit die Trends und Entwicklungen auf allen strategischen Wachstumsmärkten. Die meisten der 360 Mitarbeiter arbeiten in den beiden Zentralen Berlin und Bonn. Dort haben wir auch Juristen und Zollexperten. Unter den Korrespondenten sind viele Volkswirte mit bestimmten Regional- und Sprachkenntnissen.

Was wollten Sie als Kind werden?
Fotografin

Wenn Sie wieder auf die Welt kämen, würden Sie den gleichen Beruf ergreifen?
Wenn ich wieder nicht überragend singen könnte: ja. In jedem Land bekommen wir einen Einblick in die wichtigsten Wirtschaftssektoren.

Wer war und ist Ihr Vorbild?
Suu Kyi aus Myanmar und Nelson Mandela

Wofür sind Sie Ihren Eltern dankbar?
Dafür, dass sie mich mit Liebe zu Selbstständigkeit und Weltoffenheit erzogen haben. Wenn ich mich in der Schule gelangweilt habe, habe ich mich für jeden Chor- und Sprachkurs-Austausch beworben, möglichst während der Unterrichtswochen. Zuhause lebten oft Austauschschüler, auch aus Ländern, deren Sprachen wir gar nicht sprachen.

Was war Ihr schlechtestes Schulfach?
Chemie

Welche Position üben Sie im Moment aus?
GTAI Direktorin für Chile, Peru und Ecuador

Was mögen Sie am meisten in Ihrer Arbeit, was motiviert Sie?
Der Austausch mit lateinamerikanischen und deutschen Geschäftsleuten, Diplomaten, Politikern. Und dass ich oft direkt erfahre, welche Analyse beim Markteinstieg geholfen hat. Vor und nach den Reisen in meine zwei anderen Länder, Peru und Ecuador, steigt die Arbeit zwar nochmal an, aber die Gespräche bringen mir viel für die Artikel. Wir sollten möglichst so über unsere Region berichten, dass wir vor allem deutsche Unternehmen, die neu ankommen, informieren. Viele fangen zum Beispiel in Chile an und nehmen sich als nächstes den peruanischen Markt vor.

Was nervt Sie manchmal in der Arbeit?
Reisekostenabrechnungen und dass ich oft nicht dazu komme, über zusätzliche Themen zu schreiben wie Meeresenergie – eine der vielen Quellen, mit denen meine drei Länder gesegnet sind.

Weshalb würden Sie nie aus Chile auswandern?
Spätestens 2019 ist hier Schluss für mich, weil wir maximal fünf Jahre in einem Land bleiben.

Wenn Sie einen Tag Präsident von Chile wären, was würden Sie ändern?
Neben Chancengleichheit und sozialer Gerechtigkeit vor allem bei Gesundheit und Bildung. Und eine Kampagne, mehr aufeinander zu achten: In Kanada halten auch Frauen Männern die Tür auf und man wird selbst in Menschenmassen nicht angerempelt. Viele Chilenen und Deutsche sind so sehr mit dem Telefon beschäftigt, auch beim Autofahren, dass sie Fußgänger übersehen. Oder bei einem Rad erschrocken zur Seite hüpfen – meistens in die Fahrbahn. Ich war geschockt, wie viele Verkehrstote es nach jedem langen Wochenende gibt!

Was wollten Sie den Chilenen schon immer mal sagen?
Dass der Start hier wegen ihrer Hilfsbereitschaft angenehmer war als gedacht. Manche Freunde habe ich zufällig kennengelernt, zum Beispiel die Vormieterin bei einer Wohnungsbesichtigung, die eine Woche später mit ihrer Schwester ins Café kam.

Was sagen die Chilenen über Sie?
Dass Deutsche ja doch Humor haben – das Klischee hält sich wohl. Geniale Kabarettisten wie Dieter Hildebrand, Loriot, Uli Keuler, Harald Schmidt oder Carolin Kebekus sind natürlich auch schwer übersetzbar.

Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit (Hobbys)?
Mit dem Mountainbike fahren, mit Freunden wandern und danach grillen, neue Seen, Stadtteile oder Restaurants kennen lernen. Und Fußball anschauen – bin froh, dass die Champions League übertragen wird – und das Spitzenspiel am Wochenende, auch wenn mein VfB Stuttgart selten dabei ist.

Wen beneiden Sie und in wessen Haut möchten Sie nicht stecken?
Bildhauer, Komponisten, Profisegler und -surfer; in der Haut all derer, die unter Krieg oder Hunger leiden

Was würden Sie niemals tun?
Bei meiner Lieblings-noch-lebenden-Band Mumford&Sons das Radio ausmachen. Und unserem Sohn zur Geburt ein FC-Bayern-Trikot schenken, in der Hoffnung, dass er sich da nicht auf die Seite meines Mannes schlägt. Das wird ein harter Konkurrenzkampf.

Was sollte Ihnen später einmal nachgesagt werden?
Dass ich solidarisch für Freunde und Familie da war und hoffentlich auch ein paar anderen helfen konnte.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Seit ich in Köln studiert habe, versuche ich, nach dem Rheinischen Grundgesetz zu leben. Auch die Ergänzungen sind gut:

«Wohlstandsgesetz»: Mer muss och jönne könne!
(«Man muss auch gönnen können.»)
Sei weder neidisch noch missgünstig!
Mäht nix!
(«Es macht nichts.»)
Jede Jeck is anders!
(«Jeder Narr ist anders!»)

Übe Toleranz und Nachsicht dem anderen gegenüber, im Wissen um die eigene Unvollkommenheit.

Levve und levve losse!
(«Leben und leben lassen!»)

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*