«Nirgendwo haben wir ein so enges Netzwerk»

Andreas Klein, Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung Chile

Andreas Klein ist Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Chile.
Andreas Klein ist Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Chile.

Andreas Klein wurde 1972 in Freiburg geboren. Sein Vater war beim Militär, weshalb die Familie mehrmals umzog. Nachdem sie in Hamburg gelebt hatte, landete sie in Bonn, wo Klein sein Abitur machte und anschließend Politikwissenschaften, Geschichte und Iberoromanische Philologie studierte. Da ihn Lateinamerika anzog, schrieb er seine Magisterarbeit über den bolivianischen Staatspräsidenten Víctor Paz Estenssoro.

Nach dem Studium bewarb er sich bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, die ihn als erstes in die mazedonische Hauptstadt Skopje schickte. Dort lernte er seine Frau kennen, die Mazedonierin ist. Die Stationen für die Stiftung waren anschließend Berlin, Düsseldorf, Riga und Hamburg, bevor er im September 2016 als Büroleiter nach Santiago entsandt wurde. «Back to the roots», findet Klein. Oder endlich angekommen in Lateinamerika, könnte man auch sagen – mit seiner Frau und zwei Töchtern, sechs und neun Jahre alt, die beide eine Internationale Schule besuchen.

Cóndor-Redakteurin Petra Wilken sprach mit dem Leiter der politischen Stiftung über seine Arbeit.

 

Was macht die Konrad-Adenauer-Stiftung in Chile?

Die Stiftung unterhält 85 Auslandsbüros. Das in Chile ist das zweitälteste, es besteht seit 1962 und geht auf eine persönliche Einladung von Präsident Eduardo Frei Montalva zurück. Da war Adenauer noch Bundeskanzler. Damals, am Anfang der Stiftung, ging es um die Stärkung der christdemokratischen Gewerkschaften in Lateinamerika. Während der Diktatur in den 70er Jahren sind nicht wenige Chilenen mit einem Stipendium der Adenauer-Stiftung nach Deutschland gegangen.

Man trifft immer wieder ehemalige KAS-Stipendiaten in wichtigen öffentlichen Positionen – Botschafter, Politiker oder Akademiker. Sie haben eine enge Verbindung zu Deutschland und zur Stiftung. Nirgendwo haben wir ein so enges Netzwerk wie in Chile.

 

Hat die Stiftung Einfluss auf die Politik?

Über unsere Programme und die Projektarbeit geben wir unseren Partnern etwas mit auf den Weg in der Erwartung, dass sie daraus ihre Schlüsse ziehen. Im vergangenen Jahr ist Umweltminister Pablo Badenier, auch ein Ex-Stipendiat, zum Thema Klimaschutz und Energiewende nach Deutschland eingeladen worden. Er hat sehen können, welche politischen Vorgaben es gibt und wie die deutschen Unternehmen darauf reagieren und Anregungen dazu mitnehmen können, wie sich Chile noch besser im Umweltschutz und zum Beispiel nun auch beim Thema Recycling aufstellen kann.

 

Wer sind Ihre Kooperationspartner?

Unser natürlicher Partner ist die christdemokratische Partei, die Partido Demócrata Cristiano, PDC. Mit ihr stehen wir in engem Austausch. Dabei ist die Brückenbildung eine der Aufgaben der Stiftung. Die politischen Mandatsträger sollen mit Vertretern der Zivilgesellschaft zusammengebracht werden.

Da arbeiten wir mit einer Reihe von Nichtregierungsorganisationen, NGOs, zusammen. Mit Susténtate und Espacio Público kooperieren wir im Umweltschutz. Susténtate arbeitet in sozial schwachen Gemeinden und bezieht die Bevölkerung in ihre Projekte ein. Sie bepflanzen zum Beispiel Grünflächen in Form von Terrassenbau als Erosionsschutz. Das Projekt ist auf der COP21 in Paris ausgezeichnet worden.

Ein anderes Thema ist die Dezentralisierung, die wichtig ist für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Da arbeiten wir mit der privaten Stiftung Chile Descentralizado zusammen.

 

Was steht 2017 auf dem Programm?

Unser wichtigster Event findet im Juni unter der Schirmherrschaft des Umweltministeriums statt. Er heißt «Santiago Sustentable – Semana del Clima 2017». Chile ist vom Klimawandel besonders betroffen, und Klimaschutz betrifft jeden. Der Klimawandel macht nicht vor Staatsgrenzen halt. Mit einer Allianz aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft hoffen wir nachhaltig etwas zu verändern. In Chile gibt es Probleme mit Smog und der Wasserversorgung, es gehen aber auch die Energiepreise durch die Decke, und es muss die Wärmeisolierung der Gebäude verbessert werden. Wir wollen auch zeigen, dass man mit Klimaschutz im Endeffekt auch Geld verdienen kann.

In diesem Zusammenhang: Wir haben ein Projekt in der Bío-Bío-Region, bei dem ein Start-up Surfboards aus alten Fischernetzen bauen lässt. Die Verschmutzung der Ozeane ist eines der gravierenden Umweltprobleme heute.

 

2017 ist auch in Chile ein Wahljahr

Als KAS beobachten wir die Wahlen, das ist ein wichtiges Thema im November. Auch Holland, aktuell Frankreich und Deutschland stehen vor Wahlen. Die Welt ist so komplex geworden, dass die Menschen nach einfachen Lösungen suchen. Donald Trump ist so ein Beispiel. Die Leute meinen, jemanden gefunden zu haben, der einfache Antworten geben kann. Doch die Welt ist am Ende des Abends doch ein bisschen komplexer. Hier in Chile ist die Diktatur seit 27 Jahren vorbei. Aber vieles, womit sich die Politik auseinandersetzen muss, sind noch Altlasten dieses Systems – die Bildung, das Gesundheitssystem, das Rentensystem. Da sieht man keine Ergebnisse in vier Jahren Regierungszeit, das sind langfristige Prozesse.

 

Herr Klein, wir danken Ihnen für das Interview.

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