Ein Treffpunkt für die deutsch-chilenische Gemeinschaft in Concepción

Klaus Bornhardt im Gespräch mit dem Cóndor

Ein Treffpunkt für die deutsch-chilenische Gemeinschaft: Klaus Bornhardt sitzt auf der Terrasse des Deutschen Sportvereins von Concepción. Er genießt nicht nur das Bier in sein Stammtischkrug, sondern vor allem den herrlichen Blick auf die Laguna Chica. Foto: Arne Dettmann
Ein Treffpunkt für die deutsch-chilenische Gemeinschaft: Klaus Bornhardt sitzt auf der Terrasse des Deutschen Sportvereins von Concepción. Er genießt nicht nur das Bier in seinem Stammtischkrug, sondern vor allem den herrlichen Blick auf die Laguna Chica. Foto: Arne Dettmann

 

Klaus Bornhardt war an der Modernisierung des Deutschen Sportvereins von Concepción maßgeblich beteiligt. Sein nächster Wunsch: Wenn neben der Deutschen Schule auch zukünftig die evangelisch-lutherische Kirche und ein Seniorenheim Platz finden könnten.

 

Von Arne Dettmann

Die deutsch-chilenische Gemeinschaft in Concepción ist wohl ein gelungenes Beispiel dafür, wie verschiedene Institutionen erfolgreich Synergien nutzen. Vor zehn Jahren verkaufte der Deutsche Sportverein in San Pedro ein Grundstück an die Schule, die dort einen modernen Bau schuf und schließlich ihren alten Standort in der Innenstadt von Concepción verließ. Der Verein wiederum investierte in den Bau von drei Sporthallen, Hockey- und Fußballplatz, Tennisplätze, einem Schwimmbecken und ein neues Clubhaus. Die Sportanlagen werden dank eines Kooperationsvertrages zwischen Schule und Verein für den Sportunterricht genutzt.

«Die Modernisierung des Vereins war eine große Teamarbeit», erklärt Klaus Bornhardt, der im Sportverein die entsprechende Projektkommission leitet, und fügt hinzu: «Mein Auftrag war, mit wenig Geld möglichst viel zu realisieren.» Und als Beispiel hebt er einen Bierkrug hoch, auf dem sein Name steht. Der Hintergrund: Als das Einrichten der Bar im neuen Clubhaus das Budget sprengte, kam er auf die Idee, 30 Stammtischbierkrüge zu versteigern, um somit das nötige Geld aufzubringen. Das funktionierte, und die großzügigen Spender von einst greifen heute neben der Theke zu ihrem Namenskrug.

 

Deutscher Treffpunkt

Nach Errichtung der Anlagen, in denen inzwischen über 1.000 Sportler aktiv sind, wurde das neue Clubhaus fertig gestellt, das als Ersatz für den ehemaligen Deutschen Verein der neue Treffpunkt der Deutsch-Chilenischen Gemeinschft in Concepción werden soll. Das Gebäude mit der wunderschönen Sicht auf die Laguna Chica verfügt über ein Stockwerk für die Mitglieder sowie ein Restaurant im zweiten Stock, das auch Gästen von außerhalb offen steht und wo große Veranstaltungen stattfinden können.

Um das Vereinsleben zu stärken, organisiert Klaus Bornhardt seit vergangenem Jahr zweimal im Monat Skatrunden. An drei bis fünf Tischen versammelt sich die fröhliche Runde, Neueinsteigern wird das Kartenspiel beigebracht.

Doch auch andere Institutionen könnten sich hier in diesem Viertel zukünftig ansiedeln. «Warum nicht die evangelisch-lutherische Kirche und ein Seniorenheim der Krautmacher-Stiftung?», fragt Klaus Bornhardt, der derzeit Präsident der Krautmacher-Stiftung ist.

Diese betreut aktuell ältere Menschen, beispielsweise bei Behördengängen, sieht aber laut Satzung die Einrichtung eines richtigen Heimes vor. «Unser Vorbild ist Temuco, wo Altersheim, Schule und Sportverein dicht beieinander liegen und somit den Besuch von Schülern und deren Eltern bei der älteren Generation problemlos erlauben.» So etwas ginge sei natürlich auch in Concepción möglich. «Hier soll der Treffpunkt unserer deutsch-chilenischen Gemeinschaft sein.»

 

Landleben

Klaus Bornhardt kennt die deutsch-chilenischen Institutionen von der Pike auf. Der Sohn deutscher Einwanderer wurde in Mulchén bei Los Ángeles geboren. Die Mutter war Lehrerin aus Deutschland und unterrichtete den Sohn zunächst Zuhause auf dem Land, bevor er im 5. Schuljahr im Schülerheim der DS Los Ángeles wohnte, welche zu der Zeit nur bis zum 6. Schuljahr ging. Danach war er drei Jahre lang auf der DS Temuco und die letzten drei Jahre im Liceo Alemán del Verbo Divino in Los Ángeles.

Der Kontakt zu seinen ehemaligen Mitschülern aus Los Ángeles und Temuco hat bis heute, 41 Jahre nach dem Abschluss, gehalten. Im vergangenen Jahr beteiligte er sich bei der Organisation zur 40-Jahrfeier beider Klassentreffen – ein gemeinsames Wochenende «wie in alten Zeiten»: mit der DS Temuco am Pirihueico-See und dem LA Los Ángeles in der Zone Los Altos del Biobio. Es waren große Feiern, zu der fast alle Ex-Schüler kamen.

Übrigens: Diese alte Schulfreundschaft wird nur noch von seiner Ehe mit Elisabeth Daube übertrumpft, die jetzt 42 Lenze zählt.

An der Universidad de Concepción studierte Klaus Bornhardt Elektrotechnik und wohnte während dieser Zeit bei der Burschenschaft Montania, in der er sich unter anderem als erster Sprecher und Vorsitzender des Bundes Chilenischer Burschenschaften engagierte. Anschließend wurde er Hochschuldozent und ging mit seiner Familie von 1986 bis 1990 nach Deutschland, wo er an der Technischen Universität Darmstadt in Leistungselektronik und Antriebsregelung promovierte. In Deutschland wurden zudem die drei Kinder des Ehepaares geboren.

 

Innovationen

Zurück an der Universität von Concepción widmete sich Klaus Bornhardt verstärkt den Bereichen Forschung und Entwicklung und begann nebenbei auch Projekte für die Industrie abzuwickeln. Doch zweigleisig zu fahren ging auf lange Zeit nicht gut: Er entschied sich für die Privatwirtschaft und stieg beim chilenischen Holzwerkstoffkonzern Masisa ein. Zu seinen Aufgaben zählten dort die Automatisierung der Anlagen, Mitwirkung im Aufbau von neuen Anlagen in Argentinien und Brasilien, sowie das Supply-Chain-Management, also die Betreuung der gesamten Wertschöpfungs- und Lieferkette bis zum Endkunden.

Nach 20 Jahren entschloss sich Klaus Bornhardt zu einem Wechsel: Zusammen mit einem Kollegen baut er derzeit die Abteilung für Holzplatten in Bioforest auf, dem Forschungs- und Entwicklungszentrum vom Arauco-Konzern. Für diese Aufgabe suchten sie acht junge Ingenieure aus, die zur Fortbildung an die Hochschule für angewandte Wissenschaften in Rosenheim geschickt wurden, wo sie einen Masterstudiengang in Holzbau absolvierten. Zuvor machten sie einen Deutsch-Intensivkursus am Goethe-Zentrum in Concepción, dessen Vorsitzender Klaus Bornhardt seit diesem Jahr ist. Zum Programm dieser Einrichtung zählen Sprachkurse, Ausstellungen und Kultur-Veranstaltungen.

Sein Engagement im Goethe-Zentrum ist übrigens kein Zufall: Seine Mutter hatte die Goethe-Niederlassung in Los Ángeles gegründet. «Ich fühlte mich daher verpflichtet, nun selbst mitzuhelfen.» Klaus Bornhardts Mutter war auch Chorleiterin in der DS Los Ángeles und rief dort den Erwachsenenchor ins leben, der heute Gustavo-Wyneken-Chor heißt. In Concepción beteiligt sich der Sohn zusammen mit seiner Frau beim Martin-Luther-Chor der Kirche, der dieses Jahr zur Feier 500 Jahre Reformation auch in Santiago auftreten wird.

 

Natur, Wald und Berge

Die produktive Nutzung des Bodens ist sein Wochenendhobby auf dem 140 Hektar großen Land, das er bei Los Ángeles mit seiner Frau besitzt. Dort betreibt er Samenaufzucht von Sonnenblumen und Canola wie auch Zuckerrüben, Chicorée, Erbsen, Grünen Bohnen und andere Sorten. Dieser Beschäftigung will er im Ruhestand verstärkt nachgehen. «Mir gefällt der Landzyklus von Anbau und Ernte. Mal läuft es gut, mal etwas schlechter. Man merkt dabei, dass der Mensch nicht allmächtig, sondern abhängig von Gott ist.»

Die Liebe zur Natur liegt in seiner Kindheit und Jugend begründet. Zu Pferd ging es damals übers Land, «die Wege waren schlecht und bei Regen in einem schlimmen Zustand». Seine Großmutter war Doktorin in Botanik, der deutschstämmige Vater – hier in Chile geboren – hatte Agrarwirtschaft studiert. Das Leben sowohl im Haus als auch außerhalb im Freien war also geprägt von Pflanzen, Tieren und Wald. «Ich habe die Zone sehr gerne. Noch heute überkommt mich ein wohliges Gefühl, wenn ich von Concepción über die Küstenkordilleren fahre und die Vulkane Antuco und Chillán sowie die Sierra Velluda erblicke.»

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