Katharina Nagel, Produktmanager im Strategiebereich von Direct TV

Katharina Nagel würde in Bietigheim-Bissingen, im Schwabendland geboren. Sie studierte Internationale Betriebswirtschaft in Frankfurt an der Oder und lebte jeweils ein Jahr lang in New York, Madrid und im argentinischen Córdoba. Nunmehr ist sie seit acht Jahren in Chile. Die 37-Jährige hat gemeinsam mit ihrem chilenischen Partner zwei Kinder.

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  1. Was wollten Sie als Kind werden?
    Lehrerin, Pilotin oder Richterin. Am Ende bin ich jedoch froh, dass nichts daraus wurde. Meine Schwester ist heute Lehrerin und ich bewundere sie für ihre Geduld. Als Pilotin wäre die Familienplanung sicherlich schwierig geworden. Und als deutsche Richterin hätte ich wohl hier in Chile kaum Arbeit gefunden.
  2. Wenn Sie wieder auf die Welt kämen, würden Sie den gleichen Beruf ergreifen?
    Wer weiß, als was ich wieder auf die Welt kommen würde.
  3. Wer war und ist Ihr Vorbild?
    Ich bewundere meine beiden Omas, die während und nach dem Krieg eine mehrköpfige Familie teils alleine oder mit einem verwundeten Ehemann großgezogen, ein eigenes Unternehmen gemanagt und nebenbei noch ein ganzes Land wieder aufgebaut haben. Dank dieser Generation ist Deutschland heute eines der entwickelsten Länder der Welt.
  4. Wofür sind Sie Ihren Eltern dankbar?
    Besonders dankbar bin ich meinen Eltern für meine glückliche Kindheit und dass ich lange Kind sein durfte, sicher behütet in einer «rosa Wolke» (frei von wirklichen Sorgen und Problemen). Auch dafür, dass sie uns bewusst gegen jeglichen Konsumwahn erzogen haben, bei uns gab es keine Markenkleidung und kein großes protziges Auto, stattdessen haben wir Kleidung von größeren Nachbarskindern weiter getragen und sind mit dem Fahrrad überall hingedüst. Sehr dankbar bin ich auch für den so wichtigen engen Familienband aus Geschwistern, Großeltern, Tanten, Onkeln, Cousinen, etc. mit denen wir aufgewachsen sind. Und zu guter Letzt auch dafür, dass sie uns Kinder zu selbstständigen, neugierigen und weltoffenen Menschen erzogen haben, denen alle Türen und Möglichkeiten offen standen, unsere Fähigkeiten zu entwickeln und diese Welt zu entdecken.
  5. Was war Ihr schlechtestes Schulfach?
    Chemie, ich hätte wohl von Anfang an die Formeln lernen sollen, irgendwann hatte ich dann den Anschluss verloren.
  6. Was macht Sie glücklich?
    Das lachende Gesicht meiner kleinen Tochter mit ihren ersten großen Zähnchen und mein fünfjähriger Sohn, wenn er mir von seinen tollen Abenteuern erzählt, die er tagsüber mit seinem Papa erlebt hat.
  7. Was macht Ihnen Angst?
    In letzter Zeit gab es im Umfeld mehrere Fälle von krebskranken Kindern; das ist wohl das Schrecklichste, was einem passieren kann.
  8. Worauf könnten Sie verzichten?
    Hätten wir nicht alle auf die zweite Halbzeit gegen Brasilien nach dem 5:0 verzichten können?
  9. Was ist Ihnen peinlich?
    Wenn Deutschland 7:1 gewinnt und unser brasilianischer Direktor mir gratuliert, das war mir schon etwas peinlich, wenngleich ich meinen Jubel schwer unterdrücken konnte.
  10. Wen beneiden Sie?
    Ich bin glücklich mit dem, was ich bin und habe, wüsste nicht wen ich beneiden sollte.
  11. Mit wem würden Sie nie tauschen wollen?
    Mit einem Soldaten, der in den Krieg ziehen muss. Wenn ich mich daran erinnere, was mir mein Opa vom erlebten Krieg erzählt hat und bis zu seinem Lebensende verarbeiten musste, das wünsche ich niemandem.
  12. Wen würden Sie gerne einmal treffen?
    Ich habe wohl in meinem Leben schon so viele bewundernswerte Menschen getroffen, dass ich es vorziehen würde, lieber bald wieder diejenigen zu treffen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, insbesondere meine Familie und Freunde in der deutschen Heimat.
  13. Was würden Sie niemals tun?
    Ich erinnere mich bis heute an einen Spruch, den mir mein Onkel als Kind ins Poesie-Album geschrieben hat: «Sag niemals nie.» Das ist sehr weise.
  14. Was regt Sie auf?
    Wenn ich mit meinen Kindern am Fußgängerüberweg stehe, es für uns grün wird und wie so oft in Chile bei rot noch ein Auto durchfährt. Das sollte bestraft werden.
  15. Was ertragen Sie mit Humor?
    Letztens haben wir mit den Kindern die «Granja Aventura» besucht. Im Schafstall bin ich unglücklich in ein Loch gestürzt, das voller Schafmist war. Zum Glück war es ein herrlich warmer Tag, ich konnte die Kleider und Schuhe mit Wasser reinigen und herzlich drüber lachen.
  16. Über welche eigenen Schwächen ärgern Sie sich?
    Ich hab eine Schwäche für Schokolade, ärgern tu ich mich nicht drüber.
  17. Weshalb würden Sie nie aus Chile auswandern?
    Bin ich in Chile jemals eingewandert? Der Umzug vor acht Jahren von Deutschland nach Chile war für mich nie eine Auswanderung. Bis heute fühle ich mich emotional mit beiden Ländern verbunden. Deutschland ist und bleibt meine Heimat. Chile und insbesondere Santiago nenne ich heute mein zu Hause, hier sind meine Kinder und mein Mann geboren, hier fühle ich mich wohl und kann mir momentan kein anderes Leben vorstellen. Aber wer weiß, was das Leben bringt und ob es uns eventuell in der Zukunft vielleicht noch woanders hin verschlägt.
  18. Wenn Sie einen Tag Präsident wären, was würden Sie ändern?
    Chancengleichheit in Chile lässt sich wohl kaum an einem Tag erreichen. Ich arbeite lieber täglich daran meine Kinder zu weltoffenen und umweltbewussten Menschen zu erziehen, die respektvoll mit anderen Individuen umgehen, unabhängig davon, welchem sozialen Status oder Rasse sie angehören. Dass sie sich nicht mit der Masse mitziehen lassen, sondern ihren eigenen Standpunkt vertreten lernen und sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen. Wenn jeder einzelne soziale Werte vorlebt, können unsere Kinder Chile wirklich verändern. Ich bin großer Hoffnung, dass die neuen Generationen das alte chilenische «Kastenmodell» abschaffen werden, nicht nur weil Ungleichheit moralisch nicht wünschenswert ist, sondern auch, weil sie hoffentlich erkennen werden, dass das resultierende Wachstum in Chile gering und nicht nachhaltig sein kann.
  19. Was sollten die Chilenen ernster nehmen?
    Ich bin eigentlich ganz froh, dass die Chilenen vieles nicht ganz so ernst nehmen wie wir Deutschen.
  20. Welches Buch lesen Sie gerade?
    Bei zwei kleinen Kindern und Vollzeit arbeitend komme ich gerade noch beim Zubettbringen zum Buch lesen und das sind dann Bücher wie «Florian der Feuerwehrmann», «Michel aus Lönneberga», «Wieso Weshalb Warum: Dinosaurier», «Mein erstes Lexikon»…
  21. Was ist Ihr Lieblingsgericht?
    Ganz besonders die schwäbischen Gerichte, die meine Mama kocht, wie Linsen und Spätzle, Kartoffelschnitz und Spätzle, Maultaschen mit Kartoffelsalat, Bubespitzle mit Sauerkraut, Ofenschlupfer, Pfitzauf, Hefezopf, Käskucha….ich komm gar nicht aus dem Schwärmen raus.
  22. Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?
    Bevor unsere Kinder zur Welt kamen, war ich aktive Schwimmerin, bin liebend gerne Tanzen gegangen oder habe die Welt auf Reisen erkundet. Heute verbringe ich jede freie Minute mit unseren Kindern, mit denen wir gerne Wandern und Fahrradfahren gehen oder uns einfach nur freuen, weil unsere Kleine ihre ersten Schritte gemacht hat oder unser Fünfjähriger schon sicher auf seinem Skate den Berg runterdüst.
  23. Bei welchem Film haben Sie geweint?
    Kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Film komplett angesehen habe. Was momentan in den Nachrichten über den Gazastreifen zu sehen ist, finde ich zum weinen.
  24. Welchen Männertyp finden Sie anziehend?
    Uff, die waren alle verschieden…hahaha…
  25. Wem wollten Sie schon lange ein Kompliment machen?
    Nicht dass ich es noch nicht getan hätte, aber ich bewundere und schätze meinen Mann dafür, dass er seinen Beruf dieses Jahr hinten angestellt hat, um sich um unsere kleine Tochter und unseren Sohn zu kümmern, was tägliches Babybrei kochen, Windeln wickeln, Arztbesuche, Turnstunden, Skateboard-Fahren, wilden Jungen zähmen und so vieles mehr bedeutet. Das soll erst mal ein Mann nachmachen!
  26. Was sollte Ihnen später einmal nachgesagt werden?
    Sie war authentisch und hat das Leben geliebt.
  27. Wie lautet Ihr Lebensmotto?
    Ich halte nichts von Lebensmottos, das Leben ist so herrlich voller Überraschungen, da kann man nicht nur einem Motto folgen.
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