Karin Ebensperger Ahrens, Journalistin

«Privilegierte des Lebens»

Karin Ebensperger mit ihrem treuen Schäferhund Otto

Karin Ebensperger Ahrens (64) war ein Baby, als ihre Mutter olympisches Silber gewann und zur Berühmtheit wurde. Später wurde sie selbst zur öffentlichen Figur: 25 Jahre arbeitete sie als internationale politische Kommentatorin. Sie hat fünf Kinder, die ihr ganzer Stolz sind.

In ihrem Haus im englischen Villenstil in Santa María de Manquehue sind die Handwerker in Gange. Beim letzten Regen ist ein Teil des Daches vom Wintergarten eingestürzt. Zum Glück ist der großen Bücherwand mit alten Ausgaben deutscher Klassiker im Wohnzimmer nebenan nichts passiert. Das hätte ihr wehgetan, denn viele der Bücher sind das Erbe ihres Vaters, das sie in Ehren hält. Jorge Ebensperger hat den Lebensweg seiner einzigen Tochter stark geprägt. 

«Meine Eltern waren beide besondere Menschen, ich bin eine Privilegierte des Lebens», sagt Karin Ebensperger bei einem Kaffee, zu dem sie an ihren dunklen Edelholztisch im Esszimmer eingeladen hat. Gerade eben war sie vom Event eines ihrer Enkelkinder nach Hause zurückgeeilt, um nicht zu spät zum Interview zu kommen. Die Handwerker nehmen sie auch in Beschlag, doch nun taucht sie in die Geschichte ihres Lebens ein. Sie holt ihr Handy hervor, um zu zeigen, wie es war, mit zwei so sportlichen Eltern aufzuwachsen: Fotos von ihr als junge Springreiterin mit langem blonden Haar, mit einem Leichtathletik-Pokal in Pose, dann auf den Schultern ihres Vaters stehend, irgendwo am Meer. 

«Ich bin sozusagen mit der Reitmontur neben der Wiege zur Welt gekommen. Im Club Manquehue habe ich Leichtathletik gemacht und Tennis gespielt, und im Club de Polo bin ich geritten. Mit 17 Jahren habe ich bei den südamerikanischen Meisterschaften einen chilenischen Rekord im 100-Meter-Hürdenlauf aufgestellt», erzählt sie. «Aber ich war nie so gut wie meine Mutter», fügt sie hinzu. 

«Meine Mutter ist von klein auf Springreiterin gewesen. Mein Vater entdeckte dann ihr Leichtathletik-Talent und brachte sie zu Walter Fritsch und Karl Strutz, den Trainern im Club Manquehue, und sie gewann die olympische Silbermedaille in Melbourne 1956. Später hat sie mit Dressurreiten weitergemacht und mit Josef Neckermann in Deutschland trainiert», berichtet Karin Ebensperger, um dann genauso begeistert von ihrem Vater zu erzählen: von seinem sozialen Engagement, seiner Hilfsbereitschaft gegenüber ärmeren Nachbarn, seinem Sportsgeist, seiner BMW, seiner Stinson und später seiner Cessna, mit denen die Familie zu den Großeltern aufs Land bei San Felipe und Talca flogen.

Bei Talca lag der Landsitz von ihrem Opa Hermann Ahrens – «ein 1,90 Meter großer Wikinger mit blauen Augen, der Spanisch mit deutschem Akzent sprach und uns in Huaso-Kleidung empfing», erinnert sie sich. Der Großvater mütterlicherseits war im Auftrag einer Hamburger Bank nach Valparaíso gekommen und blieb in Chile der Liebe wegen. Ihre Vorfahren aus der Familie Ebensperger hingegen waren deutsche Siedler der ersten Stunde, die sich in der Umgebung von Puerto Montt und Valdivia niederließen.«Ich bin von allen Seiten her Deutsche, fühle mich aber dennoch sehr chilena», erklärt sie.

Selbstverständlich ging sie auf die Deutsche Schule Santiago. Mit den Freundinnen aus ihrer Klasse hat sie bis heute ein enges Verhältnis. «Sie waren für mich wie Schwestern. Wahrscheinlich haben mir wirkliche Schwestern gefehlt», meint Karin Ebensperger, die selbst nur einen Bruder hat. Sie jedenfalls wollte eine große Familie haben. Deshalb wechselte sie auch nach einem Jahr von Jura zu Journalismus an der Universidad Católica. «Das darf man ja heute gar nicht mehr so sagen als Frau, aber als junges Mädchen war es mein Wunsch zu heiraten und viele Kinder zu bekommen.Als Journalistin hatte ich die Flexibilität, die sich viele berufstätige Frauen heute wünschen.»

25 Jahre lang arbeitete sie als internationale politische Kommentatorin bei den Abendnachrichten Tele 13. «Die Leute haben mich um 22 Uhr im Fernsehen gesehen, aber das war immer vorher aufgenommen worden. Ich konnte meine Kommentare zuhause vorbereiten und jeden Tag mit meinen Kindern zuhause Mittag essen.» Mit ihrem ersten Mann Sergio Eguiguren, der früh gestorben ist, hat sie fünf Kinder bekommen, darunter Zwillinge. Ihre älteste Tochter ist heute 40 und die jüngste 29. Sie hat fünf Enkel, der sechste ist unterwegs. Seit 20 Jahren ist sie mit dem Kardiologen Héctor Ducci verheiratet.

Obwohl die Familie für sie gefühlt immer an erster Stelle stand, so war sie doch viel in der Welt unterwegs. «Als Delegationsmitglied beim Staatsbesuchvon Präsident Eduardo Frei in Deutschland bin ich zwischen ihm und Bundespräsident Roman Herzog durch das Brandenburger Tor gegangen», erinnert sie sich. Da war die Mauer bereits gefallen. Die Zeit des Kalten Krieges hatte ihre Arbeit als internationale Fernsehkommentatorin geprägt. Alle bedeutenden Staatsmänner dieser Ära hat sie getroffen: Gorbatschow, Kohl, Thatcher und Reagan. Den Mauerfall hat sie lebendig in Erinnerung. «Diese friedliche Revolution hat mich sehr beeindruckt», erzählt sie. 

Heute macht es ihr mehr und mehr Sorge, dass die alte europäische Kultur verloren gehen könnte.«Europa hat es geschafft, ein stabiles Rechtsstaatswesen aufzubauen, in dem die Menschenrechte garantiert sind. Je mehr ich reise, umso klarer wird mir, dass das so in anderen Kulturen nicht erreicht worden ist.» Auch jetzt reist sie wieder viel, war gerade in Ägypten, den Arabischen Emiraten und Jordanien. Beruflich ist sie heute als Kolumnistin von El Mercurio tätig und hält Vorträge. «Ich bin faul geworden, aber ich bin ja eine Oma», sagt sie selbstironisch.

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